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EM in der Ukraine : Unfaires Spiel

Das deutsche Fußball-Nationalteam wird bei der EM ein Spiel in der Stadt austragen, in der sich das ukrainische Regime an Julija Timoschenko rächt. Das Gerede vom Sport im politikfreien Raum kann man sich sparen.

          Als die Fußball-Europameisterschaft vor fünf Jahren auch an die Ukraine vergeben wurde, war damit die Hoffnung verbunden, dass die Ausrichtung dem Land einen weiteren Modernisierungsschub geben werde; die Vergabe war Anerkennung und Vorschuss zugleich.

          Heute ist festzustellen, dass das Land auf strammem Weg in die autoritäre Vergangenheit ist. Julija Timoschenko, die Ikone der Demokratie-Bewegung, wurde in einem Schauprozess zu einer Haftstrafe verurteilt. Ihr geht es schlecht, sie wurde misshandelt und verweigert die Nahrungsaufnahme.

          Zu Recht ist die Empörung groß, und so wird zwangsläufig die Frage gestellt, ob die Europameisterschaft wegen Verletzung der Menschenrechte boykottiert werden solle. Schließlich trägt die deutsche Mannschaft ein Spiel in der Stadt aus, in der sich das Regime an Frau Timoschenko rächt.

          Die Frage nach dem Sinn eines Boykotts aus politischen Gründen ist alt; die aktuelle Antwort lautet: Natürlich wird die Europameisterschaft stattfinden. Aber ersparen sollte man uns den ranzigen Schmus vom fairen Wettstreit der Jugend und vom Sport im politikfreien Raum.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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