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Elite-Universitäten : Schröder verspricht „Leuchttürme der Wissenschaft“

  • -Aktualisiert am

Einig in der Forschungsförderung: Stoiber, Schröder Bild: ddp

Bund und Länder haben den Weg frei gemacht zur Förderung von Spitzenforschung an den Hochschulen. Deutsche Wissenschaft soll sich im internationalen Wettbewerb künftig besser behaupten können.

          3 Min.

          Hochschulen, die in der Forschungs besonders leistungsfähig sind, können in den kommenden Jahren mit zusätzlichen Fördermitteln von Bund und Ländern in Höhe von 1,9 Milliarden Euro rechnen. Zudem soll das Budget der deutschen Forschungsorganisationen jährlich um drei bis 3,5 Prozent steigen. Bundeskanzler Schröder (SPD) und die Ministerpräsidenten der Länder unterzeichneten am Donnerstag in Berlin die Vereinbarung über eine gemeinsame "Exzellenzinitiative" und einen "Pakt für Forschung und Innovation". Damit ging ein Streit über die beiden Förderprogramme zu Ende, der eineinhalb Jahre gedauert und in der Wissenschaft bereits für erhebliche Frustrationen gesorgt hatte.

          Kanzler Schröder sprach von einem "Durchbruch", der Weg sei frei für "Leuchttürme der Wissenschaft". Der bayerische Ministerpräsident Stoiber (CSU) sagte, von den hunderttausend Studenten, die jährlich ins Ausland gingen, kehre ein Drittel nicht zurück. Stoiber forderte einen neuen Anlauf bei der Reform des Föderalismus, damit Bund-Länder-Initiativen in Zukunft schneller umgesetzt werden könnten.

          Junge Wissenschaftler zur Rückkehr bewegen

          Die "Exzellenzinitiative" soll nun dazu beitragen, junge deutsche Forscher von der Abwanderung ins Ausland abzuhalten oder zur Rückkehr von dort zu bewegen. Zudem sollen deutsche Hochschulen sich im internationalen Wettbewerb um Spitzenleistungen in der Forschung und um Attraktivität bei hochkarätigen Wissenschaftlern besser behaupten. Bund und Länder geben mit dem Programm zu erkennen, daß die deutschen Hochschulen derzeit unter erheblichem Geldmangel leiden. Selbst Forschungsprojekte, die unabhängige Gutachter als exzellent einstufen, werden oftmals nicht genehmigt, weil den Hochschulen für das nötige Personal und teure Geräte zuwenig Geld zur Verfügung steht. Immer weniger der Forschungsvorhaben, die deutsche Wissenschaftler konzipieren, können bewilligt werden. Eine Auswahl von Hochschulen soll durch die "Exzellenzinitiative" nun von diesen Geldsorgen befreit werden.

          Derzeit geben die Länder jährlich insgesamt rund 16 Milliarden Euro für Betrieb, Lehre und Forschung an den 119 Universitäten und den 157 Fachhochschulen aus. Hinzu kommen Forschungsgelder des Bundes in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. Bis 2011 stehen nun zusätzlich insgesamt 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen maximal vierzig deutsche Hochschulen profitieren können. Vom kommenden Jahr an sollen an vierzig Standorten sogenannte Graduiertenschulen mit durchschnittlich einer Million Euro jährlich gefördert werden. Graduiertenschulen sind kleine Lehr- und Forschungsteams, in denen Doktoranden einer speziellen Fragestellung nachgehen und von erfahrenen Forschern angeleitet werden. An dreißig Standorten werden "Exzellenzcluster" gefördert. Das sind Kooperationsprojekte auf einem bestimmten Gebiet, bei denen Forscher aus Hochschulen, Max-Planck- oder Leibnizinstituten sowie aus der freien Wirtschaft gemeinsam ein Ziel verfolgen. Sie sollen jährlich im Schnitt 6,5 Millionen Euro bekommen.

          Spitzenforschung wird gefördert

          Besonders umstritten war zwischen der Bundesregierung und den unionsgeführten Ländern, ob mit dem gemeinsamen Förderprogramm Hochschulen für ihre Gesamtleistungen und Strategien belohnt werden. Vor allem der hessische Ministerpräsident Koch (CDU) hatte vor einem zu starken Einfluß des Bundes auf die Struktur der Hochschulen gewarnt, die Sache der Länder sei. Koch forderte, der Bund dürfe nur einzelne Projekte finanzieren. Zu Beginn der Diskussion war in der SPD von "Elitehochschulen" nach angelsächsischem Vorbild die Rede gewesen, die möglicherweise ganz vom Bund übernommen würden. Nach langwierigen Verhandlungen wurde nun beschlossen, daß an zehn Hochschulen exzellente "Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung" mit zusätzlich 13,5 Millionen Euro jährlich gefördert werden können.

          Was genau unter solchen Zukunftskonzepten zu verstehen ist, soll eine aus Wissenschaftlern bestehende Jury festlegen. Zur Vergabe der Mittel werden zwei Jurys gebildet. Die erste besteht aus Forschern, die von der DFG und dem Wissenschaftsrat benannt werden. Die endgültige Entscheidung trifft eine zweite Jury, in der Vertreter des Bundes und der Länder Entscheidungen blockieren können.

          Zu den Forschungsorganisationen, die nun erstmals verläßlich mit einer jährlichen Steigerung ihrer Budgets rechnen können, zählen die DFG, die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft.

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