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Eisenach : Blut und Burschen

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Alle Jahre wieder zieht es sie auf die Wartburg nach Eisenach. Höhepunkte des Burschentages sind der traditionelle Festakt - in diesem Jahr findet er am Freitag im Innenhof des thüringischen Weltkulturerbes statt - sowie der Kommers am Samstag in der Sporthalle Eisenach.

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          Alle Jahre wieder zieht es sie auf die Wartburg nach Eisenach. Höhepunkte des Burschentages sind der traditionelle Festakt - in diesem Jahr findet er am Freitag im Innenhof des thüringischen Weltkulturerbes statt - sowie der Kommers am Samstag in der Sporthalle Eisenach. Das traditionelle Fußballspiel gegen eine Eisenacher Auswahl soll zuvor im Wartburgstadion ausgetragen werden. Doch was so traditionsreich klingt, hat mit der alten schlagenden Burschenschafterherrlichkeit nur noch wenig zu tun.

          Die Deutsche Burschenschaft (DB), ein Verband von studierenden sowie schon im Beruf stehenden Mitgliedern in mehr als 120 einzelnen Burschenschaften und vertreten an mehr als 50 Hochschulorten in Deutschland, Österreich und Chile, steckt in einer tiefen Krise. Und das schon spätestens seit der Abspaltung von acht Burschenschaften im Jahr 1996. Sie gründeten die Neue Deutsche Burschenschaft, die etwa die Pflichtmensur und den volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff ablehnt.

          Die Frage ist nämlich: Wer darf ein deutscher Burschenschafter sein? Für einen Teil der DB-Mitglieder ist die Antwort klar: ein deutscher Student, der in Deutschland geboren wurde, in der Bundeswehr gedient und die vorgeschriebenen Mensuren geschlagen hat sowie sich zu Deutschland bekennt, nicht, wenn seine direkten Vorfahren keine Deutschen waren. Nicht dazu gehören demnach all diejenigen, deren direkte Vorfahren keine Deutschen waren. Maßgeblich, so heißt es in dem zugrundeliegenden Papier der DB, sei die Abstammung, nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Stein des Anstoßes ist ein Mitglied der farbentragenden pflichtschlagenden Burschenschaft Hansea zu Mannheim, dessen Eltern Chinesen sind. Das ist für den rechten Rand der DB unannehmbar. Er will das "deutschvölkische" Prinzip stärken. Ein entsprechender Antrag steht in Eisenach zur Abstimmung.

          Die anderen schlagenden Verbindungen - unter ihnen Corps, Turnerschaften und Landsmannschaften - verfolgen das "rassistische Vorhaben" mit Entsetzen. Doch auch innerhalb der DB rumort es schon seit Monaten: Sollte der Antrag durchgehen, wird mit weiteren Austritten von gemäßigten und liberal gesinnten Burschenschaften aus dem alten Dachverband gerechnet.

          Peter-Philipp Schmitt

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