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Einsatz-Soldaten über das G36 : „Wir haben nie rechts gezielt und links getroffen“

Ein Bundeswehrsoldat 2010 in der Nähe von Kundus - im Vordergrund liegt ein Sturmgewehr G36. Bild: Daniel Pilar

Verteidigungsministerin von der Leyen nennt das G36 unbrauchbar. Soldaten, die mit dem Sturmgewehr im Gefecht standen, halten die Kritik für Unsinn - trotz bekannter Mängel. Sie vermuten andere Interessen hinter der Debatte.

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          Die Kritik am G36 können Bundeswehrsoldaten, die mit dem Sturmgewehr in Gefechte verwickelt wurden, nicht nachvollziehen. „Wir haben in Feuerkämpfen keine signifikanten Abweichungen festgestellt“, sagt ein Oberfeldwebel, der beim schwersten Gefecht der Bundeswehr am Karfreitag 2010 vor Ort war.

          Damals war eine deutsche Patrouille nahe der nordafghanischen Stadt Kundus in einen Hinterhalt der Taliban geraten, in dessen Folge sich ein zehn Stunden langer Kampf entwickelte und vier deutsche Soldaten von den Aufständischen getötet wurden. Dabei verschossen die Soldaten laut eigenen Angaben zwischen sechs und zehn Magazine pro Waffe. Ein Magazin enthält 30 Patronen. Weder an jenem Karfreitag noch bei späteren Feuergefechten habe sich jemals ein Soldat seines Trupps unwohl mit seiner Waffe gefühlt, so der Fallschirmjäger weiter. „Wir haben nie rechts gezielt und links getroffen.“

          Ein Schießlehrer, der mit seinem Zug in Afghanistan ebenfalls Gefechte bestritt, sagt, die Waffe sei für den Zweck, für den sie angeschafft wurde, nach wie vor hervorragend geeignet. Während der Feuerkämpfe sei es stets möglich gewesen, den Gegner auf den typischen Gefechtsentfernungen zwischen 300 und 400 Metern auch bei großer Hitze zielgenau zu bekämpfen.

          Die in den vergangenen Monaten öffentlich geäußerte Kritik basiere offenkundig auf falschen Annahmen. Das G36 wie ein Maschinengewehr zum Niederhalten des Gegners einzusetzen, sei „Schwachsinn“; so der Hauptfeldwebel. Es sei nie dafür gebaut worden, binnen Minuten hunderte Schüsse abzugeben. Man verfüge mit dem MG3 und dem MG4 über eigens dafür entwickelte Waffen. Würde das G36 jedoch so wie ein Maschinengewehr genutzt, sei eine physische Verformung inklusive der in den jüngsten Tests beobachteten Präzisionsmängel bei dem Sturmgewehr so vorhersehbar wie bei vergleichbaren Fabrikaten anderer Hersteller auch.

          Die Leistungsgrenzen der Waffe sind laut Aussagen von Soldaten indes über viele Jahre hinweg bekannt gewesen. „Wir haben mitunter vier Magazine in schneller Folge leergeschossen“, sagt ein Soldat, der 2012  im Bundeswehr-Außenposten OP North in Afghanistan stationiert war. „Nach den Übungsschießen ließ sich das letzte Magazin teils nicht mehr aus den Sturmgewehren entfernen“, so der Stabsunteroffizier. Das Gewehr sei dann Schrott gewesen. Die Probleme seien damals bereits allgemein bekannt gewesen. Man habe sich schließlich an den Wehrbeauftragten gewandt. Geändert habe sich aber nichts.

          Warum die Waffe in der Öffentlichkeit so kontrovers diskutiert wird, können die einsatzerfahrenen Soldaten nicht nachvollziehen. „Die Vorwürfe sind doch Bullshit“, sagt ein Fallschirmjäger zum Ende des Gesprächs. „Hier geht es doch nicht um die Waffe. Es geht um Politik.“

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