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: Eine Woche nach dem Beben herrschen noch immer Not und Elend

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          P.K. SEOUL, 18. März. Die japanische Regierung hat am Freitag Fortschritte bei den Bemühungen um eine Kühlung der beschädigten Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima gemeldet. Gleichzeitig veränderte die japanische Atombehörde aber ihre Einschätzung der Schwere der Krise. Der Unfall wurde gemäß der internationalen Ines-Klassifikation von Stufe 4 auf Stufe 5 auf einer Skala von 0 bis 7 heraufgesetzt. Damit entspricht der Unfall in Fukushima jetzt dem von Harrisburg im Jahr 1979. Die Internationale Atombehörde (IAEA) nannte die Lage "extrem ernst". In Japan finde ein Wettlauf mit der Zeit statt. Der Betreiber des Atomkraftwerkes, Tokyo Electric Power, kündigte am Freitag an, dass die Elektrizität am Reaktor 2 an diesem Samstag wiederhergestellt werden könnte. Es sei gelungen, eine Stromleitung zu legen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo könnten auch die Reaktoren 3 und 4 am Sonntag wieder Strom haben. Es blieb aber unklar, ob die Pumpen im Kraftwerk überhaupt noch funktionstüchtig sind.

          Ministerpräsident Kan versprach bei einem Treffen mit IAEA-Chef Amano, Japan werde schnelle und genaue Informationen zur Verfügung stellen. Die IAEA will in zwei Tagen eigene Fachleute nach Japan schicken. Amano hält die Entscheidung der japanischen Regierung, um die havarierten Reaktoren eine Sicherheitszone von 20 Kilometern Umfang einzurichten, für ausreichend und im Rahmen von IAEA-Regeln. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es keine Anzeichen für gesundheitsschädliche Strahlungen im weiteren Umfeld des Kernkraftwerkes. Die WHO sieht deshalb keinen Anlass, von Reisen nach Japan außerhalb der unmittelbaren Umgebung des Kraftwerks abzuraten.

          Am Freitag, eine Woche nach dem Erdbeben, gedachte ganz Japan in einer Schweigeminute der Opfer. (Fortsetzung und weitere Berichte Seite 2.)

          Die Versorgung und Unterbringung der Überlebenden des Erdbebens und der Tsunami-Welle ist weiter schwierig. 380 000 Menschen halten sich in 2200 Notunterkünften auf. Die Zahl der Toten und Vermissten stieg am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo auf 16 000. Es könnten aber nach Schätzungen mehrere zehntausend Todesopfer zu beklagen sein.

          Ministerpräsident Kan sprach am Freitag in einer Fernsehansprache der Bevölkerung Mut zu. Japan stehe vor einer großen Krise, werde sich aber davon erholen, sagte Kan. Er dankte der Bevölkerung dafür, dass sie die erste Woche nach dem Erdbeben mit Ruhe bewältigt habe. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus. Er forderte die Japaner dazu auf, ihr Land wieder aufzubauen und nicht pessimistisch zu sein.

          Im Kraftwerkskomplex Fukushima 1 (Daiichi) gilt als größte Gefahrenquelle weiterhin Reaktor 3. In Reaktor 4 droht das Abklingbecken zu überhitzen und Strahlung abzugeben. Die japanischen Streitkräfte ließen aus Hubschraubern Wasser auf die beschädigten Reaktoren und ihre Abklingbecken regnen und besprühten sie mit Wasserwerfern. Reaktor 3 wurde 40 Minuten lang besprüht. Es war auch ein Wasserwerfer im Einsatz, der vom amerikanischen Militär ausgeliehen worden war. Regierungssprecher Edano sagte, es sei wahrscheinlich, dass die Wasserwerfer ein Abklingbecken erreicht hätten, weil nach der Besprühung Dampf aufgestiegen sei. Die Strahlungswerte im Kraftwerksgelände fielen leicht. Die Regierung ließ die Radioaktivität an verschiedenen Messstationen im Umkreis von bis zu 60 Kilometern um das Atomkraftwerk messen. Diese hätten einer Dosis entsprochen, die pro Jahr als gefährlich angesehen wird, hieß es.

          Der Betreiber des Kraftwerkes teilte mit, man erwäge, die Reaktoren mit Sand und Beton zuzuschütten. Vorerst arbeite man aber noch daran, die Kühlung wieder zu aktivieren. Kan hatte nach einem Bericht der Zeitung "Mainichi" den Kraftwerksbetreibern am Donnerstag verboten, ihre Arbeiter trotz der Gefährdung aus dem Kernkraftwerk abzuziehen. Hier gehe es um das Überleben Japans.

          Edano kündigte am Freitag erstmals an, dass es eine Überprüfung der japanischen Atomkraft-Politik geben wird. Nachdem der Betreiber von Fukushima schon am Donnerstag bekanntgegeben hatte, dass er den Plan des Baues von zwei neuen Atomkraftwerken vorläufig aufgegeben habe, kündigte am Freitag auch ein anderer japanischer Energiekonzern an, dass der Bau eines Atomkraftwerkes in Aomori unterbrochen werde.

          Die von Erdbeben und Tsunami betroffenen Präfekturen forderten am Freitag die Überlebenden auf, in Notunterkünfte in anderen Präfekturen auszuweichen. In der Präfektur Miyagi nimmt man an, dass es bis zu sechs Monate dauern könnte, bis Behelfsquartiere gebaut sind. Die Verteilung von Hilfsgütern war wegen Mangels von Benzin und Fahrzeugen weiter schwierig. Die Überlebenden verbringen kalte Nächte in Notunterkünften und haben nur wenig Lebensmittel und Wasser, an vielen Orten gibt es immer noch keinen Strom.

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