https://www.faz.net/-gpf-6vp2u

Eine Geschichte des Männerhuts : Die hutlose Gesellschaft

Auf dem Zenit: Hüte und ihre Träger 1929 während der Weltwirtschaftskrise in New York Bild: AP

Der Hut gehörte über viele Jahrhunderte hinweg zum Mann wie seine Männlichkeit und vor kurzem noch zum Bürger wie seine Bürgerlichkeit. Wo ist er geblieben?

          10 Min.

          Die Welt ist immer noch voll von Leuten, denen die Hutschnur reißt oder der Hut hochgeht, die ihren Hut in den Ring werfen, alles mögliche unter einen Hut bringen, den Hut vor jemandem ziehen, „Hut ab“ sagen oder irgendeinen alten Hut aus dem Hut zaubern. Was hingegen fehlt, ist der Hut. Irgendwann muss er dem Bürger vom spitzen Kopf geflogen sein. Doch wann? Und vor allem: warum?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Einen ersten Hinweis gibt der Hutbürger Helge Schneider, der zugibt, er trage „öfter mal“ Hut. „Ich habe verschiedenste Hüte: Strohhüte, aber auch Herrenhüte, aus Filz so gewirkt. Borsalinos. Am liebsten trag’ ich meinen Strohhut. Den hab’ ich mal in Spanien gekauft. Oder: mehrere. Wenn ich auf Tournee bin, im Wohnmobil, hab’ ich immer so zwanzig Hüte mit.“ Schneider, Jahrgang 1955, muss - wie viele Männer seines Alters - beim Thema Hut an seine Kindheit denken: „Also damals kann ich mich dran erinnern, dass die meisten Männer oder alle Männer mit Hut, vor allem sonntags, aus dem Haus gegangen sind. Ich kann mich dran erinnern, bei uns war so n’ Handballplatz, da bin ich mal mitgegangen, da standen nur Männer mit grauen Mänteln und grauen Hüten, das war so n’ Bild wie im Comic.“

          Revolutionäres Symbol

          Tatsächlich war insbesondere der Männerhut nicht nur in Schneiders Kindheit, sondern über viele Jahrhunderte hinweg weit mehr als nur Mode, sondern gehörte zum Mann wie dessen Männlichkeit. Der Hut ist dabei so alt, dass es, wie Irene Adelmann in ihrem Buch „Art-Hats“ schreibt, für ihn „kein Geburtsdatum“ in unserer Kultur gibt. Aus der Abhandlung „Der Hut und seine Geschichte“ des Dr. O. Timidior erfahren wir Genaueres. Schon die „Persianer“, weiß er zu berichten, hätten zumindest Kopfbedeckungen getragen. Herodot habe darin den Grund für ihre „zarten und dünnen Hirnschädel“ gesehen, die man allein „mit einem kleinen Steinlein verletzen konnte“. Auch im Talmud ist Timidior fündig geworden. Dort wird der Hut als notwendiges Kleidungsstück zum Schutz gegen Sonne und Kälte beschrieben, das bei Feuergefahr auch am Sabbat gerettet werden dürfe. Bei den Römern wiederum war der Hut das Rangabzeichen des freien Mannes, das freigelassenen Sklaven als Zeichen ihrer Aufnahme in den Stand der Freien aufgesetzt wurde.

          Ein Hutbürger: Helge Schneider trägt, wie er sagt, „öfter mal“ Hut Bilderstrecke

          Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieben der Hut und seine Handhabung Ausdruck der Dialektik von Herrschaft und Unterwerfung, was sich etwa in der Geste des Hut-Ziehens manifestierte, „die ursprünglich nur von den niedern gegen den höher stehenden geübt werden konnte“ (Grimm, Deutsches Wörterbuch). Dass Michelangelo bei einer Unterredung mit Papst Paul III. seinen Filzhut aufsetzte, musste dieser als Machtdemonstration begreifen, die auch noch zu Friedrich Schillers Zeiten nichts von ihrer Eindeutigkeit eingebüßt hatte. Im Drama „Die Piccolomini“ heißt es entsprechend: „Des Menschen Zierrat ist der Hut, denn wer den Hut nicht sitzen lassen darf vor Kaisern und Königen, der ist kein Mann der Freiheit.“ Wie zur Bestätigung trugen die Aufrührer der Französischen Revolution Zylinder, während ihre Nachfolger von 1848, als der Zylinder längst Herrschaftssymbol geworden war, den breitkrempigeren und in jeder Hinsicht weniger steifen Demokratenhut zum revolutionären Symbol erkoren.

          „Hutträgerzählung“ in München

          Wer noch mehr über die Geschichte des Hutes erfahren möchte, sollte Lindenberg im Allgäu besuchen, eine Stadt, die, wie ihr Bürgermeister sagt, „der Hut hochgebracht“ hat. Ein Pferdehändler, der in Italien die Kunst des Strohflechtens erlernt hatte, machte diese in Lindenberg früh bekannt. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts waren Lindenberger Huthändler mit Kraxen unterwegs, um Strohhüte im Hausierhandel und auf Märkten zu vertreiben. In voller Blüte stand der Zweig um 1900, als im gesamten Westallgäu, vor allem aber in Lindenberg, mit 34 Pressen, 1500 Nähmaschinen, 280 Werkstätten- und 2800 Heimarbeitern im Jahresdurchschnitt etwa vier Millionen Strohhüte produziert wurden. Am besten lässt man sich das von Manfred Röhrl erklären, dem Leiter des Lindenberger Hutmuseums, in dem eine Vielzahl vornehmlich getragener Hüte zu besichtigen sind: von Luis Trenker, der deutschen Olympiamannschaft, den Matrosen der kaiserlichen Yacht Hohenzollern. „Getragene Hüte“, sagt Röhrl, „haben eine Aura, jeder von ihnen erzählt eine Geschichte über seinen Träger und die Zeit, in der er getragen wurde.“

          Er selbst hat 33 Jahre in der Damenhutfabrikation gearbeitet, zuerst als Laufbursche, dann als Hutmodellzeichner und Kalkulator, bis er es schließlich zum Abteilungsleiter bei der inzwischen untergegangenen Firma Reich brachte. Auch Röhrl, Jahrgang 1940, erinnert sich gut an die Zeit, als die Ampelmännchen ihre Hüte noch mit Stolz tragen konnten und kein vernünftiger Mann, gleich ob arm oder reich, unbehütet aus dem Haus ging. In den achtziger Jahren war das längst nicht mehr so. Röhrl ist damals auf Modemessen gefahren und hat noch versucht, die Designer dazu zu überreden, ihre Models mit Hut auf den Laufsteg zu schicken. Vergeblich. Wenn er heute nach München fahre, sagt Röhrl, dann mache er eine „Hutträgerzählung“. Keine zehn bekomme er da am Tag zusammen.

          Nie bloß Accessoire

          Der Niedergang des Hutes hat sich freilich schon vor Röhrls Lebzeiten abgezeichnet: in den zwanziger Jahren, als der Hut auf seinem Zenit war. Die Jugend in New York lehnte sich damals gegen die Alten auf, indem sie öffentlich Hüte malträtierte, und auch in Europa war der Schritt von der transzendentalen Obdachlosigkeit zu der des Kopfes nicht weit. Bis 1930 mussten in Lindenberg zahlreiche Betriebe schließen. Nach einer kurzen Phase der Erholung, verbunden mit Namen wie Atatürk, Mussolini oder Adenauer, die, jeder auf seine Weise, Mussolini etwa per verordneter Strohhutpflicht, den Niedergang des Hutes hinauszögerten, begann der eigentliche Todeskampf der Hutfabrikanten - etwa zu der Zeit, als Helge Schneider geboren wurde. Das lässt sich schon in einer 1950 erschienenen Broschüre des Verbands der Woll- und Haarhutindustrie, die im schönen Bad Homburger Hutmuseum einzusehen ist, bestens nachvollziehen. Mit „Nie ohne Hut!“ ist da ein flammendes Plädoyer für den Männerhut überschrieben, das der Sache freilich weniger gedient als geschadet haben dürfte. „Ohne Hut zu gehen“, heißt es da etwa, „ist keine Mode, vielleicht eine Bequemlichkeit an heißen Sommertagen, im übrigen aber eine Unnatürlichkeit, eine Unsitte, ein Zeichen von Nachlässigkeit und Ungepflegtheit.“ Zur Steigerung des Absatzes legt die Broschüre den Huthändlern ein „sehr geschicktes Werbewort“ der Engländer ans Herz: „If you want to get ahead - get a hat!“, um hinzuzufügen: „Wollte man versuchen, einen passenden deutschen Reim dafür zu finden, so könnte man vielleicht sagen: ,Nur mit Hut - gehts Dir gut!‘“ Schließlich wird sogar eine Studie präsentiert, die zu dem Ergebnis gekommen sei, dass Huttragen und Haarwuchs in einem „sehr engen“, jedenfalls positiven Zusammenhang stünden, was spätestens durch bekannte Hutträger der Gegenwart, Roger Cicero oder Udo Lindenberg etwa, widerlegt worden ist.

          Klar ist aber auch, dass das Tragen von Hüten weder schädlich noch ekelerregend ist, sich also von Gewohnheiten wie dem Rauchen oder dem Spucken in Spucknäpfe unterscheidet, die längst verschwunden oder im Verschwinden begriffen sind. Es stimmt zwar, wie der Hutträger Cicero sagt, dass man auf den Hut eher verzichten könne „als auf Hose oder Schuhe“. Dennoch war der Hut nie bloß Accessoire, sondern erfüllte stets einen Zweck jenseits des nur Symbolischen. Helge Schneider etwa sagt, er habe seinen Hut immer dann auf, wenn er am Hausdach die Regenrinne saubermache. „Da muss ich auf die Leiter steigen, so vier Meter hoch. Oder fünf Meter. Im Unwetter, da setz’ ich immer diesen Hut auf, zu dem australischen Mantel, den ich dann anziehe. Und dann bin ich vor Regen geschützt. Dafür ist ein Hut gut.“ Der Hut schützt aber nicht nur gegen Wind und Regen, sondern auch gegen die Sonne. Manfred Jordan, der Geschäftsführer der ehrwürdigen Firma Mayser, eines der wenigen Überbleibsel der großen Lindenberger Huttage, sagt, ein Hut entspreche dem Lichtschutzfaktor 50 bei einer Sonnencreme. Helge Schneider springt ihm bei: „Ich mache öfter mal so eine Art Mittagsschlaf oder ich muss mich ausruhen, und dann ist es hell und dann zieh’ ich den Hut so ins Gesicht, dann bin ich vor der Sonne geschützt. Ich schlaf unheimlich gern mit dem Strohhut so aufm Gesicht. So wie die in Mexiko, wenn die Siesta machen, ihre Sombreros nach unten ziehen.“

          Im Auto nicht nur unnötig, sondern auch unpraktisch

          Der Hut taugt aber noch zu mehr: einerseits zur Tarnung, wie Udo Lindenberg weiß. Kaiser Nero soll sich das zunutze gemacht haben, wenn er durch die Bordelle des nächtlichen Roms streifte. Andererseits dient er auch der Offenbarung. Es gibt ganze Studien zum Thema Hut und Charakter, in denen von der Hutform auf die Kopfform und von da auf das Kopfinnere geschlossen wird. Auch die Art des Huttragens bleibt nicht unberücksichtigt. So heißt es etwa bei Timidior: „Leute, die ihren Hut tief über die Augen hereingezogen tragen, sollen gemieden werden, denn sie sind Egoisten. (...) Doch derjenige, der seinen Hut frei aus der Stirne trägt, ist ein guter Freund und ein Optimist.“

          Trotz dieser Vorzüge war der Kampf nicht zu gewinnen. Alle, die heute noch irgendetwas mit dem Hut am Hut haben, bestätigen das mehr oder minder. Zum Beispiel die Hutmacherin Susanne Bänfer, die einst als Bildhauerin angefangen hatte, um dann auf die Hutkunst umzusteigen. Wenn sie zwei Hüte am Tag verkaufe, sagt sie, könne sie von ihrem Geschäft gut leben. Das klappt - aber wohl nur, weil sie die einzige weit und breit ist. Wer bei ihr von innen durchs Schaufenster blickt, sieht einen Erzfeind des Hutes: das Auto. Seit die Leute immer weniger zu Fuß gingen und auch die offene Kutsche ausgedient habe, sei der Hut ins Hintertreffen geraten, sagt Susanne Bänfer. Dass im Auto ein Hut wiederum nicht nur unnötig, sondern auch unpraktisch ist, weiß der Sänger Roger Cicero. Deshalb setze er ihn im Wagen ab, zumindest, wenn er selbst fahre. „Das tue ich aber selten auf dem Weg zu Auftritten. Da sitze ich im Fond, da geht es mit Hut.“

          Image des langweiligen Spießers

          Cicero kann auch ein weiteres Problem des Hutes bezeugen: die Frisur und ihre zunehmende Bedeutung auch unter Männern. Museumsleiter Röhrl sagt: „Heute kostet eine Frisur so viel wie mancher Hut, da will man sie natürlich zeigen.“ Auch Helge Schneider, mit Haaren gesegnet wie einst die hutlosen Germanen, gibt zu bedenken: „Der Hut kann, wenn man es nicht richtig macht, sicherlich die Frisur ruinieren. Da muss man auch dosieren. Wenn man jetzt einen Hut immer aufhat und nie abzieht, dann kann es durchaus sein, dass man den Hutabdruck immer hat, und das ist ja nicht so schön.“ Abhilfe, zumindest für die Frauen, weiß die Deutsche Hutkönigin, die alle zwei Jahre am Lindenberger Huttag gewählt wird und in dieser Legislaturperiode Anna Benedicta Walser heißt. Sie empfiehlt den sogenannten Fascinator, eine Art Haarreif, der mit einem Hütchen drapiert ist und laut Frau Bänfer weggeht „wie warme Semmel“.

          Die Lösung dürfte aber auch das nicht sein. Zu mächtig ist der schon lange anhaltende Trend zu „Bequemlichkeit und Lässigkeit“, in dem Michael Werner, Chefredakteur des führenden Branchenblattes „Textilwirtschaft“, einen weiteren Grund für den Niedergang des Hutes sieht. Man kann das okay finden - oder aber als Häresie der Formlosigkeit bedauern wie etwa die englische Zeitung „The Independent“, die im Jahr 2005 schrieb: „Wir sehen einer krawattenlosen, jacketlosen, formlosen Zukunft entgegen, in der wir anstatt an den Hut zu tippen in unsere Handys schreien.“ Ob das die Achtundsechziger wollten? Wer weiß. Hutträger wie Adenauer wollten sie jedenfalls nicht mehr sein. Mayser-Geschäftsführer Jordan sagt: „DKW-Fahrer mit Hornbrille, Tempo sechzig und Hut - das war das Schlimmste. Mit diesem Image des langweiligen Spießers hatten wir ganz lange zu kämpfen.“ Rolemodels wie der amerikanische Präsident Kennedy taten ihr Übriges. Während seinem Vorgänger Eisenhower der Hut noch wie ein zusätzliches Körperteil war, trug Kennedy - trotz massiven Drucks der Hutindustrie - anstatt Hut lieber sein dichtes Haar zu Markte. In dem Buch „Hatless Jack“ beschreibt Neil Steinberg, wie mit der Wahl Kennedys 1961 die Weltöffentlichkeit begonnen habe wahrzunehmen, was Leute aus der Hutbranche längst gewusst hätten: Je jünger ein Mann war, umso weniger bedeutete ihm ein Hut. Und was einst ein Zeichen fürs Erwachsensein war, wurde nun ein Symbol des Alters.

          Florierende Sparte für Verformungstechnik

          Das hat sich inzwischen geändert. Der Hut steht nicht mehr für uniformen Konservatismus, sondern eher für dessen Gegenteil. Er sei ein „bewusst eingesetztes Element zur Distinktion“, sagt Michael Werner. Auch Manfred Jordan hält den Hut für „ein probates Mittel“, um sich aus der Masse herauszuheben. „Wer sich heute gerne stilvoll kleidet, für den ist der Hut ein super Accessoire, um die Sache richtig zu toppen. Das i-Tüpfelchen auf einem Gesamtkunstwerk, wenn das entsprechende Aussehen und das entsprechende Selbstbewusstsein da sind.“ Letzteres könnte freilich genau das Problem sein, wenn selbst der Chefredakteur der „Textilwirtschaft“, ein gut aussehender Mann aus einer nicht gerade biederen Branche, sagt: „Ich würde bei uns nicht mit Hut ins Haus gehen, weil ich wüsste, dass ich da Fragen beantworten müsste, die ich nicht beantworten will und nicht beantworten kann.“

          Auf der Exzentrikerschiene ist der Hut jedenfalls so langsam vorangekommen, dass er nach Auskunft Werners wirtschaftlich noch immer „unterhalb der Wahrnehmungsgrenze“ rangiert. Bei der Firma Mayser, die inzwischen ihre Stoff- und Filzhüte in der Ostslowakei produziert, während in Lindenberg fast nur noch designt und entwickelt wird, sieht man das nicht so negativ, wenngleich die Zahlen für sich sprechen: 300.000 bis 350.000 Hüte produziert die Firma heute im Jahr, zu den Hochzeiten waren es zwei bis drei Millionen. Und während einst der Umsatz zu hundert Prozent mit dem Hutgeschäft gemacht wurde, sind es heute noch zehn. Der Rest wird mit der florierenden Sparte für Verformungstechnik verdient, die dem Prinzip der Hutproduktion - aus einem Flächengebilde eine dreidimensionale Form zu machen - folgt. Damit wird zum Beispiel die Innenverkleidung von Traktorenkabinen hergestellt, die besser vor Wind und Wetter schützen als jeder noch so gute Hut.

          „Deine blauen Augen wie ein blauer Hut“

          Dass Helge Schneider auf seinem Traktor trotzdem Hut trägt und dabei nach eigener Aussage in Kauf nimmt, dass ihm dieser, wie er sagt, „oft auf den Boden fällt, wenn ich mich bücke“, mag man als ein Zeichen werten, dass es für den Hut wieder Hoffnung gibt. Es gibt aber noch andere, verlässlichere Quellen. Die Frankfurter Hutmacherin Susanne Bänfer etwa, die daran glaubt, dass alles wiederkomme, auch der Hut, und dass sich andeute, dass es gerade jetzt soweit sei. Auch Jordan bestätigt für seine Firma Mayser: „Nach Durchschreiten der Talsohle vor drei bis vier Jahren geht es wieder aufwärts. Die Lage beim Männerhut ist ganz eindeutig besser als in den vergangenen Jahren“, was sich auch im Verkauf bemerkbar mache. Tatsächlich deutet einiges daraufhin, dass man bei Mayser die Zeichen der Zeit erkannt hat. Jordan sagt: Der Mann von heute wolle einen Hut als Partner für den Alltag, mit dem man in den Bergen wandern, mit dem Hund raus- und sonntags in die Kirche gehen könne. Aus der Tatsache, dass heute kaum mehr jemand mit einem Hut umzugehen weiß und nirgendwo mehr Hutablagen zu finden sind, hat Jordan den Schluss gezogen, dass man dem Hut von heute „alles antun“ können muss, dass er, wie es in der Branche heißt, durch chemische Behandlung „formbeständig“ zu machen sei. „Keiner will heute seinen Hut vorsichtig mit beiden Händen auf eine Ablage legen, sondern ins Auto knallen, und wenn man ihn wieder rausnimmt, soll er aussehen wie zuvor.“

          Die Lindenberger Hutbranche wird nie mehr so aussehen wie zuvor. Jordan, Röhrl und die ganze Stadt haben aber viel dafür getan, um die große Tradition fortzuführen. Neben der Wahl der Hutkönigin wird jedes Jahr durch den SPD-Kreisverband der „Sozialistenhut“ verliehen. Zu den Ausgezeichneten, die für ihren Mut, gegen den Strom zu schwimmen, geehrt wurden, gehören immerhin Politiker wie Hans-Jochen Vogel oder Christian Ude. Der größte Traum der Lindenberger ist freilich, dass eines Tages auch Udo Lindenberg den Weg zu ihnen findet - schließlich stammen auch seine Hüte von dort. Anfragen gab es mehrere - bisher ohne Erfolg. Vielleicht sollten sie es mal bei Helge Schneider probieren, der Udo gut kennt und dem Hut ein wunderbares Lied gesungen hat: „Du streichelst meinen Hut ich finde es gut/Mit dem blauen Hut der blaue Hut/Deine blauen Augen wie ein blauer Hut/Hey Leute mir geht es gut.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Deal mit Amerika : Ein Erfolg für Erdogan

          Die Verhandlungen des türkischen Staatspräsidenten mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence führen zu einer fünf Tage langen Waffenruhe. Wie hoch ist der Preis? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.