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Bodo Ramelow : „Kein Aber, Wolfgang“

  • -Aktualisiert am

Kein Leisetreter: Ramelow beim Waldspaziergang mit Bürgern Bild: dpa

In Thüringen verlaufen Bürgerdialoge mit dem Ministerpräsidenten nicht wie anderswo – hier sind es die Bürger, die ruhig bleiben, und Bodo Ramelow, der laut wird.

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          Es sind kaum zehn Minuten vergangen, als Bodo Ramelow zum ersten Mal in Fahrt kommt. „Ich mische mich da nicht ein“, ruft er laut und lehnt sich nach vorn, als ein Kommunalpolitiker klagt, dass die für zwei Landkreise zuständige Rettungsleitstelle auf Druck der Krankenkassen abgeschafft werden soll. „Das ist kommunale Selbstverwaltung!“, ruft Ramelow. „Meine Regierung hat eine große Reform angeschoben und musste Teile davon abbrechen, weil Leute draußen gestanden und dagegen demonstriert haben!“ Der Ministerpräsident ist jetzt kurz davor, aufzuspringen, atmet dann aber tief durch, lässt sich in den cremefarbenen Sessel zurückfallen und sagt bestimmt: „Ihr müsst das untereinander klären! Ich halte mich da elegant raus.“ Der ihm offensichtlich gut bekannte Kommunalpolitiker versucht ein „Ja, aber“, doch Ramelow fällt ihm sofort ins Wort. „Nein! Kein Aber, Wolfgang. Wir haben das zigmal diskutiert!“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Willkommen bei „Ramelow Direkt“, dem neuen Dialogformat aus der Erfurter Staatskanzlei, das am Donnerstagabend im ostthüringischen Pößneck Station macht. Er wolle nicht nur beim Wandern ansprechbar sein, sondern auch direkt zu den Leuten gehen, begründet Ramelow die Offensive gut ein Jahr vor der Landtagswahl. Seine rot-rot-grüne Regierung hat in Umfragen schon lange keine Mehrheit mehr, aber Ramelow ist mit Abstand der beliebteste Thüringer Politiker, und deshalb muss er jetzt an die Bürger-Front. Das direkte Gespräch ist zweifellos eine seiner Stärken, und obendrein hat er gleich zu Beginn angekündigt, „hier niemandem nach dem Mund reden“ zu wollen. Das Prozedere ist denkbar einfach: Jeder darf teilnehmen und sein Anliegen mit Bleistift auf Bierdeckeln notieren, die dann der Moderator vorliest; so werden die berüchtigten Co-Referate aus dem Publikum vermieden.

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