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Eigenbeschuss : Höchstes Risiko für Bodentruppen

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Schon vor Beginn des Krieges warnten Experten vor technischen Schwierigkeiten mit modernsten Präzisionswaffen und der ungenügenden Kennzeichnung befreundeter Bodentruppen. Sie haben sich alle bewahrheitet.

          Ob sie vor ein Militärtribunal kommen werden, die beiden F-16-Piloten der U.S. Air Force, deren Fall Ende Januar Gegenstand einer öffentlichen Anhörung war? Neun Tage lang wurde untersucht, warum sie am 17. 4. 2002 eine lasergelenkte Bombe auf kanadische Verbündete abwarfen, die nahe dem afghanischen Kandahar Posten bezogen hatten. Vier Kanadier starben. Waren die Piloten übereifrig, darauf erpicht, ihre Trefferquote zu erhöhen, oder blind vor Angst, abgeschossen zu werden? Solche Fragen beschäftigen die kanadischen Medien seit Wochen.

          "Friendly fire", der versehentliche Kampf gegen die eigenen Truppen, ist ein bitteres Thema. Und eines, das Angst auslöst, wie dieser Tage in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. In einer Titelgeschichte fragte das Rüstungsblatt Jane's Defence Weekly (22. 1. 2003), ob die Militärs beider Länder ausreichende Vorsorge getroffen haben, und antwortete: nein. Besonders gefährdet seien die Bodenfahrzeuge. Noch immer seien sie nicht mit elektronischen Freund-Feind-Erkennungssystemen ausgerüstet, statt dessen müsse man sich im heraufziehenden Irak-Krieg damit behelfen, die Fahrzeuge mit Zeichen zu bemalen - wie im Golf-Krieg 1991, als 77 Prozent aller zerschossenen Bodenfahrzeuge der Alliierten auf "friendly fire" zurückzuführen waren. Damals fiel ein Viertel der Toten auf alliierter Seite den eigenen Truppen zum Opfer.

          Beispiel für Vertuschung

          In Großbritannien ist überdies die Erinnerung an einen bösen Fall mit anschließender Vertuschung lebendig, den der Militärschriftsteller Geoffrey Regan in seinem Buch "Blue on Blue" schildert: Am 26. Februar 1992 griff eine amerikanische A-10 zwei britische Mannschaftstransportwagen an, neun Soldaten kamen um. Zuerst redeten sich die Piloten auf Schlechtwetter heraus - doch es herrschte klare Sicht. Bis heute bleibt rätselhaft, wie es zum Unglück kam, denn die Militärführungen beider Länder verhinderten die Aufklärung.

          Besonders in Großbritannien wird derzeit öffentlich über die Gefahr des "friendly fire" diskutiert - und darüber, daß sie in einem neuerlichen Golf-Krieg noch größer sein könnte. Es wird angenommen, daß der Bodenkrieg in beispiellosem Tempo entfesselt werden soll. Das aber bedeutet, daß sich die Lage unablässig ändert, und zwar auf einem Terrain, das der Orientierung wenig markante Punkte bietet. Sandstürme, Regenfälle und womöglich brennende Ölquellen trüben die Sicht, und gekämpft wird rund um die Uhr, fast pausenlos, jede Nacht wird zum Tag.

          Ein Szenario, das alle Faktoren enthält, die zu Fehlern führen.

          So alt wie der Krieg

          Nun ist "friendly fire" so alt wie der Krieg. Schon Thukydides berichtet von einer Schlacht im Jahr 413 v. Chr., bei der die Kämpfenden Freund und Feind verwechselten. Doch mit dem Aufkommen der Artillerie, später der Luftwaffe und heute der computergelenkten Abstandswaffen nahm das Problem zu. Das Verhältnis von Mensch und Technik ist mittlerweile aus dem Gleichgewicht geraten. Das belegt eine Studie des Massachusetts Institute of Technology und der kanadischen University of Victoria, die einen Fall untersucht, der sich am 14. April 1994 zugetragen hatte: Damals attackierten zwei amerikanische F-15-Jets, die über dem Nord-Irak patrouillierten, zwei Black-Hawk-Hubschrauber der amerikanischen Armee - 26 Menschen starben.

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