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Eigenbeschuss : Höchstes Risiko für Bodentruppen

  • -Aktualisiert am

Flugzeuge und Hubschrauber flogen unter der Kontrolle einer Awacs-Maschine, alle Systeme funktionierten einwandfrei, das Wetter war perfekt. Dennoch ging alles schief, es wurden später mehr als 130 verschiedene Fehler entdeckt. Fatal war beispielsweise der Umstand, daß die Sendeanlagen der Beteiligten verschiedenen technischen Generationen angehörten. Die Kommunikationsregeln erwiesen sich als mangelhaft, ebenso Ausbildung und Training. Die Studie beschreibt das Ganze als ein System von Mensch und Technik, dessen Fehleranfälligkeit durch technische Anzeigen und Bildschirme maskiert war: Alles sah nach vollständiger Information aus, doch das Gegenteil war der Fall.

Fehlerquelle Präzisionswaffen

Dies ist ein Grundproblem des sogenannten High-Tech-Krieges. Hinzu kommt, daß heutige Waffen oft jenseits der Sichtgrenzen wirken, mit hoher Präzision - was wiederum dazu verleitet, sie allein aufgrund errechneter Koordinaten in der Nähe eigener Truppen einzusetzen, um diese zu unterstützen. Das war die Ursache etlicher Unfälle in Afghanistan im vergangenen Jahr, in die verdächtig oft Präzisionsbomben verwickelt waren.

Im Falle eines Angriffs auf den Irak wird man auch sehen, wie gut sich die massenhaft eingekauften zivilen Produkte in das System der "elektronisch vernetzten Kriegführung" fügen, etwa die GPS-Empfänger und Laser-Entfernungsmesser, deren Daten vom Boden zu den Unterstützungskräften in der Luft gefunkt werden. Es ist zu befürchten, daß den Kämpfenden solche Fehler unterlaufen wie jenem unglücklichen amerikanischen Soldaten in Afghanistan, der versehentlich seine eigenen Koordinaten als Zielkoordinaten für einen Angriff eingab, weil er mit einem ungewohnten GPS-Gerät nicht zurechtkam.

Es hakt überall

Eine Studie des Pentagons kritisierte unlängst, daß Army, Navy und Air Force ihre Techniken und Konzepte der Freund-Feind-Unterscheidung nicht gemeinschaftlich entwickeln, sondern jeder für sich, und das nur mit mäßigem Erfolg. Es fehle auch an gemeinsamen Übungen. Noch schlimmer stehe es um die Zusammenarbeit mit den Alliierten. Eine zuständige Institution ist zwar vorhanden (das "Joint Combat Identification Evaluation Team"), doch sie leistet zur Zeit nicht mehr, als allerlei technische Lösungen zu testen: Funkverbindungen (nach dem Prinzip "Halt! Wer da?") oder Transponder, die beim Anpeilen eine Kennung von sich geben. Installiert ist davon nur wenig, am wenigsten in der US Army.

"Wir sind nicht besser ausgerüstet als 1991", sagt Scott Snook, ein ehemaliger Offizier und Lehrer an der West Point Academy, heute Hochschullehrer an der Harvard University. "Aber bessere Technik wird das Problem auch nicht lösen. Was sich ändern muß, sind vor allem Führung und Organisation." Davon ist man noch weit entfernt; verstreute Bemerkungen über "friendly fire" in diesen oder jenen Vorschriften sind derzeit alles, was das Pentagon zu bieten hat.

Keine Frage: Die Vereinigten Staaten sind dem Irak militärisch weitaus überlegen, und zumindest in den ersten beiden Phasen (Luftkrieg, dann Wüstenkrieg) haben Saddams Truppen keine Chance. Der Pentagon-Studie zufolge ist das Risiko des "friendly fire" dennoch enorm. Zumal wegen des Einflusses der Massenmedien sei es "eine signifikante Bedrohung des Gravitationszentrums der Vereinigten Staaten: des Kampfeswillens der Nation."

Wie damals, im Vietnamkrieg, als Bilder von US-Soldaten, die vom Napalm der Air Force verbrannt wurden, die Nation erschütterten.

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