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Teures Reptil : Umsiedlung von Eidechsen könnte Stuttgart 21 verzögern

Großbaustelle Stuttgart 21: Die ICE-Neubaustrecke und der neue Bahnknoten sollen 2021 in Betrieb genommen werden. Bild: dpa

Eine Population von 10.000 Eidechsen könnte die Fertigstellung von Stuttgart 21 verzögen. Die Umsiedlung der kleinen Reptilien würde Millionen kosten.

          Die Umsiedlung von geschützten Eidechsenpopulationen könnte die Fertigstellung des Infrastrukturprojekts Stuttgart 21 erheblich verzögern. „Wir benötigen wegen einer weiteren Eidechsenpopulation an der ICE-Neubaustrecke einen Planänderungsbeschluss. Wenn er bis August nicht vorliegt, können wir die Eidechsenpopulation in diesem Jahr nicht mehr absammeln lassen. Dann verlieren wir sieben Monate“, sagte ein Sprecher des Bahnprojekts dieser Zeitung.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die ICE-Neubaustrecke und der neue Bahnknoten in Stuttgart sollen im Herbst 2021 in Betrieb genommen werden. Die Bahn muss für den Bau von Schienen, Tunneln und Bahnhöfen insgesamt etwa 10.000 Eidechsen umsiedeln, hierfür wird mit Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro gerechnet. Im Bereich des Abstellbahnhofs in Stuttgart-Untertürkheim war sogar einmal diskutiert worden, ob es sinnvoll sein könnte, zur Differenzierung unterschiedlicher Eidechsenarten Gentests zu machen. Durch den Bahngüterverkehr war auf das Gelände eine seltene Eidechsenart aus Italien eingeschleppt worden.

          „Mitte 2015 stellte man fest“, so der Sprecher der Bahn, „dass es sich um eine Mischpopulation handelt, die nur noch schwer zu trennen ist.“ Das zweite Problem ergab sich im Sommer 2015 in der Nähe von Wendlingen, wo der Albvorlandtunnel für die ICE-Strecke gebaut wird. Bei der Begehung stießen die Planer der Bahn auf eine große, bislang unentdeckte Eidechsenpopulation. Ein Planfeststellungsbeschluss lag schon vor, deshalb muss er nun geändert und durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) abermals genehmigt werden. Das Umsiedeln von Eidechsenpopulationen ist teuer, kompliziert und zeitaufwendig: Zunächst müssen Ersatzflächen gefunden und möglicherweise gekauft werden. Dann müssen die Tiere möglichst bei sonnigem Wetter mit Ruten, an denen „Eidechsenlassos“ befestigt sind, eingefangen werden. Das ist bei einer Population von 6000 bis 10.000 Tieren nur mit einem großen Personaleinsatz zu leisten. Die Umsiedlung einer einzelnen Eidechse kann deshalb bis zu 8600 Euro kosten. Außerdem dürfen die Tiere nur im Frühjahr und im Spätsommer abgesammelt werden. Die Artenschutzauflagen sind in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU und im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben, die „Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete“ und auch von darin lebenden, schützenswerten Tierarten ist strafbewehrt. Die Ersatzflächen müssen nach der Umsiedlung zudem 30 Jahre lang überwacht werden.

          Teure Zaun-Eidechse: Die Bahn muss insgesamt etwa 10.000 Eidechsen umsiedeln, hierfür wird mit Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro gerechnet.

          Unter den hohen Auflagen leidet nicht allein das Projekt Stuttgart 21. In Stuttgart mussten kürzlich Planungen für eine Flüchtlingsunterkunft aufgegeben werden, weil es auf der Baufläche eine Fledermauspopulation gab. Die Erweiterung des S-Bahn-Netzes nach Calw ist ebenfalls gefährdet, weil in einem Tunnel, der wieder genutzt werden soll, ebenfalls eine Fledermauspopulation gefunden wurde. Kritik an der Praxis des deutschen Artenschutzrechts hatte 2014 sogar der grüne Staatskanzleichef Klaus-Peter Murawski geäußert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann klagt häufig über die Überregulierung beim Brandschutz.

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