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Vor Corona : Einer muss es ja machen

  • -Aktualisiert am

Im thüringischen Marth leben 350 Menschen. „Jede Oma sagt, was sie von mir hält“, erzählt Bürgermeister Peter Dreiling. Bild: Daniel Pilar

Kaum noch jemand will ehrenamtlicher Bürgermeister werden – wenig zu sagen, dafür Beleidigungen und Bedrohungen. Unsere Autorin Mona Jaeger hat einen von ihnen gefragt, warum er sich das trotzdem antut. Eine Reportage aus dem vergangenen September.

          9 Min.

          Nur durch Zufall wurde aus dem Elektromeister Peter Dreiling der Bürgermeister Peter Dreiling. Aber so ist das oft auf dem Land, wo ein „von hier“ deutlich mehr wert ist als ein „von der CDU“. In Marth, Dreilings thüringischem Dorf, wohnen nur etwa 350 Leute, der Bürgermeister kann sich also nicht rausreden. Dreiling weiß: „Jede Oma sagt, was sie von mir hält.“ Und die Oma ist sein Maßstab in Sachen Politik: Sie sei schon älter, könne deswegen Dinge gut einschätzen und habe keine Angst vor einem Urteil. Die Oma, sagt Dreiling, könne er nicht mit Worten, sondern nur mit Taten überzeugen.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Und deswegen ist er, 66 Jahre alt, fast immer unterwegs. Dreiling ist nicht sonderlich groß, trägt ein beiges Hemd zu grauer Hose, außerdem Socken in den Sandalen. Vielleicht ist er die unscheinbarste Person im Ort, aber das ist egal, denn was er sagt, hat Gewicht. In seinem nicht mehr wirklich neuen, aber sehr funktionalen Auto ruckelt er den Feldweg zum Rusteberg hinauf. Im Tal liegt das Dorf, ein Kirchturm, hell- und dunkelrote Ziegel. An der Farbe der Dächer konnte man nach der Wende schnell erkennen, wer im Osten Arbeit fand und wer im Westen. Nun ist alles neu, das Dorf blitzt in der Morgensonne. Eigentlich geht es Marth ziemlich gut.

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