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F.A.Z. exklusiv : Ehemaliger SS-Scherge Jakiv Palij gestorben

  • -Aktualisiert am

Jakiv Palij, hier auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2003 in New York Bild: AP

Jakiv Palij diente den Nationalsozialisten als KZ-Aufseher. Jetzt starb er nach Informationen von FAZ.NET im Alter von 95 Jahren in einem Altenheim in Ahlen.

          Der ehemalige KZ-Aufseher Jakiv Palij ist nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) am Mittwoch in einem Altenheim in Ahlen im Alter von 95 Jahren gestorben. Der staatenlose Palij war erst vergangenen August von Amerika nach Deutschland abgeschoben worden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die amerikanische und deutsche Regierung hatten jahrelang um den Fall Palij gerungen, wiederholt war es zu Verstimmungen gekommen. Anders als in Deutschland stand der Mann in den Vereinigten Staaten immer wieder im öffentlichen Fokus. Nach langen Verhandlungen war Palij, der als der letzte noch in den Vereinigten Staaten lebende SS-Scherge galt, am 21. August in einer amerikanischen Militärmaschine nach Düsseldorf geflogen und danach in einem Altenheim in Ahlen im Landkreis Warendorf untergebracht worden. Deutschland stelle sich seiner moralischen Verpflichtung, hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) im August gesagt.

          Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, sagte der F.A.Z. im August, es sei der Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel zu verdanken, „dass es einen neuen Anlauf im Fall des Nazi-Lageraufsehers Jakiv Palij“ gegeben habe. „Wir sind dankbar für diesen Beitrag dazu, den Opfern des Holocaust und ihren Familien bei der abschließenden Verarbeitung der Ereignisse ein Stück weiterzuhelfen.“

          Die Vereinigten Staaten hatten immer wieder nachdrücklich die Aufnahme Palijs durch Deutschland gefordert. Die amerikanische Administration, Senatoren, Kongressabgeordnete und Vertreter der jüdischen Gemeinden in Amerika betonten, dass Personen, die dem NS-Unrechtsregime gedient haben, ihren Lebensabend nicht unbehelligt in dem Land ihrer Wahl, den Vereinigten Staaten, verbringen sollten.

          Palij, der nie die deutsche Staatsbürgerschaft besaß, durfte auf der Grundlage einer Sonderregelung des Aufenthaltsgesetzes nach Deutschland einreisen. In Paragraf 22 der Norm ist geregelt, dass einem Ausländer „aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen“ oder „zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland“ per Erlass des Bundesinnenministeriums eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden kann.

          Palij war 1941 im Zwangsarbeiter- und Ausbildungslager Trawniki zum Helfershelfer der SS ausgebildet worden. Ein Teil der aus dem Baltikum, Polen und der Ukraine stammenden sogenannten Trawniki-Männer war in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka direkt an der Shoa beteiligt. Der bekannteste der insgesamt zwischen 4000 und 5000 Trawniki-Männer war John Demjanjuk, der von den Vereinigten Staaten 2009 nach Deutschland abgeschoben worden war.

          Anders als bei Demjanjuk gab es bei Palij keine Unterlagen wie einen Dienstausweis oder eine Personalakte, die seine Beteiligung an der Shoa belegen konnten, Anklage konnte deshalb nicht mehr gegen ihn erhoben werden. Palij selbst hatte stets beteuert, die SS habe ihn zum Trawniki-Dienst gezwungen. Er sei nie in einem Vernichtungslager eingesetzt gewesen, sondern lediglich für Patrouillengänge eingesetzt worden.

          Die amerikanischen Behörden dagegen waren überzeugt, Palij sei eines der Rädchen gewesen, ohne die die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten im Generalgouvernement (also dem besetzen Polen und der Ukraine) nicht funktioniert hätte. 2003 hatte ihm ein Gericht nach 46 Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft entzogen; seither war der Mann staatenlos. Schon 2004 hatten die amerikanischen Behörden einen Ausweisungsbescheid gegen Palij erlassen.

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