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Fritz Ullrich Fack war zehn Jahre für die F.A.Z. als Korrespondent in Bonn. Bild: Barbara Klemm

Zum Tod von Fritz Ullrich Fack : Deutschland war sein Lebensthema

  • -Aktualisiert am

Der frühere F.A.Z.-Herausgeber Fritz Ullrich Fack ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren in Bad Honnef. Sein Interesse galt besonders der deutschen Innenpolitik und Fragen der Ost-West-Beziehungen.

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          Vor wenigen Jahren hat Fritz Ullrich Fack noch einmal aufgeschrieben, was ihn am meisten prägte, was eine Kindheitserinnerung war, von der er vorher schon einmal geschrieben hatte, dass „man (sie) zeitlebens wie eine Narbe mit sich herumträgt“: die Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur.

          Sein Vater hatte dem am 3. Mai 1930 geborenen, am 10. November 1938 also achtjährigen Sohn, gezeigt, was die Nazi-Horden den jüdischen Bürgern Leipzigs angetan hatten. 1945 dann zeigte er ihm, vom Dach des Hauses aus, das nach einem Bombenangriff brennende Leipzig. Ein Nachbar sprang damals vom Dach seines Hauses – ein Bild, das Fack als Trauma verfolgte. Die Nazi-Herrschaft spaltete auch die Familie, die Versöhnung nach dem Krieg kam „wie fast allerorten ... auf der Grundlage des Vergessens und des Verdrängens“ zustande. Bitter vermerkte Fack im Rückblick die Tragik seines Vaters, dass das Jahr 1945 für ihn in Leipzig nicht nur Befreiung war, sondern „den Beginn einer neuen Diktatur“ markierte.

          Der junge Fritz absolvierte nach dem Abitur in Leipzig noch drei Jahre lang eine Ausbildung im väterlichen Betrieb. Dann entfloh er den Bedrückungen der SED-Diktatur und ging nach West-Berlin: Studium der Politik an der Deutschen Hochschule für Politik, aus der später das Otto-Suhr-Institut hervorging, und der Volkswirtschaft an der FU. Als einer der ersten Berliner Diplom-Politologen schloss Fack 1957 mit einer Promotion über die deutschen Stahlkartelle in der Weltwirtschaftskrise ab. Der Berufswunsch stand da schon fest: Journalismus, dessen Aufgabe er im Kampf gegen alle Regime sah, die Menschen ihrer Freiheit und ihrer Würde beraubten.

          Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft

          1956 trat Fack in die Wirtschaftsredaktion dieser Zeitung ein. Vier Jahre später wurde er als Korrespondent nach Bonn entsandt. Dort schloss er sich der sogenannten „Brigade Erhard“ an, einem Journalistenkreis, der die Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft publizistisch unterstützte. Diesem Ideal ist er über die Jahrzehnte treu geblieben, auch als es chic wurde, die „reine Lehre“ Hayekscher Prägung zu vertreten. Der Ausgleich zwischen der Dynamik des Marktes und den sozialen Spannungen, die der Markt auch produziert, ist eines seiner Lebensthemen geblieben.

          Innerhalb seiner zehn Jahre als Bonner Korrespondent erlebte Fack vier Kanzler, drei Bundestagswahlen, zwei Kanzlerstürze und eine Große Koalition – das war eine gute Vorbereitung, als er 1971 in das Herausgebergremium berufen wurde. Die Innenpolitik und die Entwicklung der Parteien gehörten im Politikressort zu seinen Schwerpunkten. Dazu kamen, nicht verwunderlich, die Ost-West-Beziehungen mit einem besonderen Augenmerk auf die Entwicklung in der DDR. In den siebziger und frühen achtziger Jahren gehörte er zu jenen, die als „Hardliner“ beschimpft wurden. Fack hat das unbeeindruckt durchgestanden; wie recht er hatte, erwies sich 1989 mit der Wiedervereinigung, die er voller Freude erlebte und deren Folgen er dann journalistisch engagiert begleitete.

          In diesen Jahren wurde aus dem „Allensbacher Monatsbericht“, den er zuvor mit Elisabeth Noelle in der F.A.Z. aus der Taufe gehoben hatte, unter dem Titel „Deutsche Fragen, deutsche Antworten“ eine Art Observatorium der deutsch-deutschen Verhältnisse: Wie weit hatten sich die Deutschen in mehr als vier Jahrzehnten der Teilung auseinandergelebt, und was verband sie noch? Demoskopie war für Fack, ganz nach dem Verständnis des Allensbacher Instituts, nicht nur kurzfristige Messung von Parteienstärken oder politischen Stimmungen, sondern vor allem der Versuch, die Tiefenströmungen einer Gesellschaft, ihre Konstanten und Wandlungen über einen möglichst langen Zeitraum zu erforschen.

          Mentor des journalistischen Nachwuchses

          Fritz Ullrich Fack, obwohl vom Charakter her auf Harmonie angelegt, war ein streitbarer Journalist – seine publizistischen Auseinandersetzungen mit Franz Josef Strauß sind legendär. Von der Unentbehrlichkeit der Parteien in der Demokratie war Fack felsenfest überzeugt. Aber das hinderte ihn nicht daran, sie zu kritisieren, wenn sie ihren Einfluss und ihre Macht missbrauchten. Er tat das, lange bevor das auch aus geringfügigsten Anlässen zur Mode wurde. Fack war aber auch ein geselliger und freundlicher, seinen Kollegen – insbesondere den jüngeren, deren Begabungen er förderte – zugewandter Vorgesetzter. Nicht nur journalistische Tipps gab er ihnen, sondern auch medizinische; denn dieses Gebiet war sein Hobby, das er einige Jahre lang als Herausgeber des F.A.Z.-Tochterblattes „Die Neue Ärztliche“ auch beruflich pflegen konnte. Das hat nicht verhindert, dass er den Anstrengungen eines stressigen Berufes Tribut zollen musste. Zum Ende des Jahres 1993 ging er, um seine Gesundheit zu schonen, vorzeitig in den Ruhestand.

          Aber auch nach seinem Ausscheiden als Herausgeber blieb er der F.A.Z. verbunden, als Ratgeber und engagierter Beobachter der Zeitläufte. Zwar kehrte er ins Rheinland zurück, das ihm in den sechziger Jahren zur zweiten Heimat geworden war. Aber regelmäßig kam er nach Frankfurt, um alte Kollegen und Freunde zu besuchen. Und als das Reisen zu mühsam wurde, schickte er, der immer auf dem neuesten Stand der Technik war, E-Mails mit Kommentaren über diese oder jene Entwicklung, über diesen oder jenen Artikel in der Zeitung.

          Familiäre Schicksalsschläge blieben ihm im Alter nicht erspart, doch hat er sie mit dem ihm eigenen Optimismus immer wieder überwunden. Am Pfingstsonntag ist Fritz Ullrich Fack im Alter von 89 Jahren gestorben. All jene in der Redaktion, die ihn gekannt haben, trauern um einen bedeutenden Kollegen.

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