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Ehemaliger Bundespräsident : Der graue Wulff

Bild: F.A.S.

Ein Ministerpräsident hatte kein Geld für Partys, seine Beamten verstanden nichts davon. Dann kam ein Eventmanager und fädelte alles ein. Es war schön - zu schön, um wahr zu sein.

          11 Min.

          Ein Politiker muss glänzen - das hatte Christian Wulff als Ministerpräsident erkannt: „Wir hatten gelernt, dass die Mehrheit der unter 50-Jährigen nicht mehr die Tagesschau und Heute schaut, sondern stattdessen RTL, Sat1 und Kabelkanal. Denn auf diesen Sendern sind die Nachrichten nicht mehr wie die Tagesschau, sondern man sieht Personen und Geschichten über Menschen. Dieses Phänomen erklärt auch den Erfolg von Bunte, Gala, von solchen Blättern der Yellow Press. Dort verschwimmen die Bilder, und die Aufgabe, Leute zusammenzubringen, entsteht.“ Sprich: Wer als Politiker punkten will, sollte sich lieber nicht mit seinesgleichen umgeben, sondern mit Stars.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Fortan ging der vormals graue Wulff zu Filmpremieren und Berlinale-Empfängen. Doch richtig im Mittelpunkt stand er nur, wenn er selbst einlud: zu den Partys, die man unter dem ironischen Namen „Nord-Süd-Dialog“ kennt. Die erste fand 2007 in Hannover statt, die zweite ein Jahr später in Stuttgart. Wulff und der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger versammelten Wirtschaftsbosse um sich, Schauspieler, Sportler - und jede Menge Journalisten, ohne die der ganze Aufwand sinnlos gewesen wäre. Für die letzte und größte Party 2009 - im Jahr drauf war Wulff schon Bundespräsident - wurde sogar ein Terminal des Flughafens Hannover gesperrt, damit sich die 900 Gäste zwischen Ankunftsebene und Abflugschaltern vergnügen konnten. „Eine gigantische Erfolgsgeschichte“, fand Wulff im Rückblick. Das Medienecho sei „genial“ gewesen. Und das gab es angeblich auch noch kostenlos: Wulff und Oettinger traten zwar wie Gastgeber auf, firmierten offiziell aber nur als Schirmherren. Das wirtschaftliche Risiko trug ein Eventmanager namens Manfred Schmidt. Und der verdiente prächtig. Wirklich: genial. Wenn man nicht so genau hinschaut. Denn auch in der Politik gibt’s nichts umsonst, jedes Schnäppchen hat seinen Preis.

          Veranstaltungen im Interesse des Landes

          Glamour-Partys gehören nicht zu den Staatsaufgaben. Es gibt dafür keine Fachleute in der Staatskanzlei, dem Verwaltungsapparat des Ministerpräsidenten. Und es gibt dafür keinen Etat. Um also das Geld zum Veranstalter zu bringen, mussten Leitungen verlegt werden: zu den Sponsoren. Und damit es dann auch floss, musste gepumpt, Druck gemacht werden. Das konnte der Eventmanager nicht alleine tun, niemand war ihm zu etwas verpflichtet - wer ist schon Manfred Schmidt? Nein, der Druck kam aus der Politik, denn so was kann die Staatskanzlei. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, allen voran Wulffs engster Vertrauter, sein Pressesprecher Olaf Glaeseker. Glaeseker und Schmidt bauten eine Geldpumpe, die in drei Jahren fast zwei Millionen Euro bewegte. Graues Wasser: nicht schwarz, nicht weiß. Staatlich, privat? Das beschäftigt heute die Staatsanwaltschaft.

          Einige Unternehmen öffneten willig die Ventile. Sie hatten große PR-Etats und konnten problemlos 25000 oder 50000 Euro beisteuern. Andere wollten erst einmal wissen, ob die Veranstaltung wirklich im Interesse des Landes lag. Wulff bestätigte das etwa dem Vorstandschef des Versicherers Talanx. Und dann gab es noch die Konzerne, die keine Wahl hatten, weil sie vom Land abhängig waren.

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