https://www.faz.net/-gpf-7wx86

Ebola-Krise : Regierung hat Versprechen nicht eingelöst

  • Aktualisiert am

Anfang November auf dem Flughafen Schönefeld: 25 Tonnen Hilfsgüter des Deutschen Roten Kreuzes für ein Ebola-Zentrum in Sierra Leone werden an Bord eines Frachtflugzeuges gebracht. Bild: dpa

Zu spät, zu unkoordiniert – die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ beklagt in der F.A.S. Deutschlands Rolle in den westafrikanischen Ebola-Krisengebieten. Eigene medizinische Hilfe wurde bislang nicht geleistet.

          2 Min.

          Deutschland hat in den westafrikanischen Ländern, die von Ebola betroffen sind, bislang keine eigene medizinische Hilfe leisten können. Trotz zahlreicher Versprechen und erheblicher Finanzzusagen wird keines der zahlreichen Zentren zur Behandlung Ebola-Kranker bislang in deutscher Regie betrieben. Nach Angaben aus der „Ebola Task Force“ im Auswärtigen Amt befinden sich derzeit in den Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia insgesamt sechzehn deutsche Helfer im Auftrag der Bundesregierung, vier vom Technischen Hilfswerk, elf Soldaten der Bundeswehr und eine Laborkraft vom Robert-Koch-Institut. Vor der Eröffnung steht ein Behandlungszentrum, das in Regie des Roten Kreuzes in Monrovia errichtet wurde. Zudem ist das Rote Kreuz mit sechs Mitarbeitern in Kenema vertreten.

          Der Vorstandsvorsitzende der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, Tankred Stöbe, sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.): „Es war nicht leicht herausfinden, wann denn die Versprechen eingelöst werden. Jetzt ist es wohl fast so weit.“ Stöbe beklagte, dass die Hilfe aus Deutschland zu spät und zu unkoordiniert komme. Er sagte der F.A.S.: „Nach dem Erdbeben auf Haiti oder der Sturm auf den Philippinen dauerte es nur Stunden oder Tage, ehe internationale Hilfe massiv mobilisiert war. Bei Ebola sind Monate vergangen.“

          In Deutschland habe seine Organisation lange den Eindruck gehabt, man „füttere Informationen in einen Apparat, der dann nichts daraus macht“. „Ärzte ohne Grenzen“ hatte bislang insgesamt 3.300 Mitarbeiter im Einsatz. Die Organisation betreibt nach eigenen Angaben sechs Ebola-Behandlungszentren.

          Rotes Kreuz. Kein Anlass zur Entwarnung

          Unterdessen warnte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, vor frühzeitiger Entwarnung, nachdem Liberia sinkende Zahlen von Neuerkrankungen gemeldet hatte. Seiters sagte der F.A.S.: „Die Seuche ist nicht vorbei. Für eine Entwarnung ist es viel zu früh. Die Hilfe muss unbedingt weiter laufen.“

          Obgleich sich inzwischen mehr Freiwillige für den Ebola-Einsatz gemeldet hätten, werde dringend mehr medizinisches Personal gesucht. Seiters rief zu mehr Spenden auf: „Die Spendenbereitschaft ist im Vergleich zu Naturkatastrophen eher verhalten. Die Menschen in Westafrika sind jedoch auf unsere Hilfe angewiesen. Die Zustände im gesamten Gesundheitswesen dort sind katastrophal. Deshalb brauchen wir dringend Spenden, um vor Ort helfen zu können.“

          Gerd Müller (CSU), Minister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sagte der F.A.S., aus dem Ausbruch der Ebola-Infektion müssten Lehren gezogen werden. Müller: „Dass wir schneller auf Krisen wie Ebola reagieren müssen, ist keine Frage. Das stellt niemand in Abrede.“

          Er halte es „für notwendig, bereits jetzt in Infrastruktur und langfristige, auch medizinische Versorgung zu investieren. Daher stellen wir weitere rund 44 Mio. Euro für die drei am stärksten von Ebola betroffenen Länder in Westafrika  zur Verfügung, vor allem auch für die Gesundheitssysteme, die wir langfristig und länderübergreifend stärken wollen.“

          Weitere Themen

          Biden kämpft um seinen Status

          TV-Debatte der Demokraten : Biden kämpft um seinen Status

          Bei der fünften Debatte der Demokraten versuchten sich vor allem die zentristischen Kandidaten zu profilieren: Joe Biden ist nicht mehr der unumstrittene Favorit. Natürlich ging es dabei auch um das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump.

          „Es war ein quid pro quo“ Video-Seite öffnen

          Sondland belastet Trump schwer : „Es war ein quid pro quo“

          Der amerikanische Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, sagte in der Anhörung für das von den oppositionellen Demokraten angestrebte Amtsenthebungsverfahren, auf Anordnung Trumps sei Unterstützung für die Ukraine von Gegenleistungen der dortigen Regierung abhängig gemacht worden.

          Topmeldungen

          Bei der fünften TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsanwärter ging es vor allem auch um die Anschuldigungen gegen Präsident Trump.

          TV-Debatte der Demokraten : Biden kämpft um seinen Status

          Bei der fünften Debatte der Demokraten versuchten sich vor allem die zentristischen Kandidaten zu profilieren: Joe Biden ist nicht mehr der unumstrittene Favorit. Natürlich ging es dabei auch um das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas

          Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

          Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.