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Flughafen Frankfurt-Hahn : Und täglich grüßt die Luftnummer

Im Übrigen werde sein Firmengeflecht völlig missverstanden. Es gebe zahlreiche Investmentgesellschaften, die zwar gemeinhin unbekannt seien und jeweils wenig Grundkapital besäßen. Diese seien in Singapur, Hongkong und Festlandchina angesiedelt. Vorstandschef der Firmengruppe sei ein Mann aus Singapur, dessen Namen er nicht nennen wolle. Allerdings, stellt Wang klar, seien seine Unternehmen etwa in der Bauindustrie eine große Nummer. Eine sehr große.

Chinesischer Käufer nur eine Luftnummer

Manchmal seien bis zu 200000 Mitarbeiter für die Firma im Einsatz, für ein einziges Projekt wohlgemerkt. In der chinesischen Bauindustrie hält man diese Angabe für größenwahnsinnig. Schließlich seien beim zwölfjährigen Bau des Drei-Schluchten-Staudamms am Jangtse, einem der gigantischsten Bauprojekte in der Menschheitsgeschichte, nur einige Zehntausend Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle zugange gewesen.

Wang aber sagt, „noch in diesem oder nächsten Monat“ erhalte er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Auftrag eines bekannten deutschen Unternehmens, für zehn Milliarden Yuan, was 1,35 Milliarden Euro entspricht. Name des vermeintlichen Auftraggebers: ThyssenKrupp.

Aus Kreisen der deutschen Wirtschaft in Schanghai verlautet hingegen, man habe nach Bekanntwerden der Verkaufspläne für den Hahn eigene Recherchen über den chinesischen Käufer angestellt – ohne Erfolg. Das Ganze wirke wie eine Luftnummer. Über die Motive der Chinesen, um den deutschen Provinzflughafen zu werben, wird in Schanghai spekuliert.

HNA bot nur einen „symbolischen Euro“ für den Flughafen

Möglich halten viele Beobachter, dass es die vermeintlichen Investoren auf Fördergelder der chinesischen Regierung abgesehen hätten, die für manche Auslandsinvestitionen aus der Staatskasse fließen. Stirnrunzeln löst in jedem Fall aus, dass SYT viel Geld – von 16 Millionen Euro ist die Reden – für den Flughafen zahlen wolle, während ein anderer Interessent aus China, der Luftfahrtkonzern HNA, nur einen symbolischen Euro geboten habe.

HNA ist eines der bekanntesten und größten Unternehmen Chinas. „Die Kalkulation von HNA macht weit mehr Sinn als die der unbekannten Shanghai Yiqian Trading Company“, heißt es.

Der Mann, der mit HNA , ist übrigens der China-Fachmann Englert. Er war einst Staatssekretär unter dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD). Vor zwei Jahren hat Englert die Ministerpräsidentin auf ihrer China-Reise begleitet. Mit dem Chinesen, der damals als Übersetzer für Dreyer fungierte, hat er nun eine Firma, die den Hahn übernehmen und zusammen mit HNA wieder flott machen will.

Vielleicht wird der Verkaufsprozess ja noch einmal von neuem gestartet. Die Reaktionen der Opposition wären sicher interessant, wenn der Flughafen für einen Euro an ein ehemaliges Mitglied einer SPD-geführten Landesregierung verkauft würde.

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