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Flughafen Frankfurt-Hahn : Und täglich grüßt die Luftnummer

Die Schaltzentrale von SYT befindet sich im Stadtteil Zhabei. Das Bürogebäude mit der Hausnummer 138, gegenüber einer Polizeistation, ist weder protzig noch schäbig. Im 17. Stock ist der registrierte Sitz von SYT: ein vielleicht 25 Quadratmeter großer Raum mit ein paar Schreibtischen. Eine weiße Treppe führt in ein Obergeschoss. Im Eingang stehen ein paar leere Pappkartons. Ein Firmenschild ist nicht zu sehen. Ist hier der Sitz der Shanghai Yiqian Trading Company? „Ja“, sagt ein Mitte 30 Jahre alter Mann, der von einem der Schreibtische aufblickt.

Und: Kyle Wang, einer der Investoren, die zuletzt in Deutschland als Käufer aufgetreten waren, sei nächste Woche wieder da. Als die ebenfalls anwesende Frau das hört, fährt sie von ihrem Stuhl hoch: „Seid ihr Journalisten?“ So ist es. „Das ist nicht der Sitz dieses Unternehmens“, ruft sie. Dann deutet sie auf unser Mobiltelefon: „Nehmt ihr uns etwa auf?“ Wer hier beheimatet sei, will sie nicht sagen. „Wir haben mit all dem nichts zu tun!“ Mit all dem heißt wohl: mit dem Desaster um den Verkauf des Hahn.

SYT nur eine chinesische Scheinfirma?

Nachdem Lewentz SYT Anfang Juni als Käufer präsentiert hatte, begab sich F.A.Z. in Schanghai auf die Suche nach dem Unternehmen. Doch niemand der befragten chinesischen und ausländischen Manager, Wirtschaftslobbyisten, Beamten oder Journalisten kannte die Firma oder einen der beteiligten Chinesen.

Am Schanghaier Donnerstagvormittag, als es in Deutschland aufgrund der Zeitverschiebung noch dunkel war, erreichte diese Zeitung am Telefon zumindest Kyle Wang: den Mann, der auf der Pressekonferenz am Hahn als Mitgesellschafter vorgestellt wurde, aber kein Wort sagte.

Die Besucherzahlen des Flughafens Frankfurt-Hahn sinken stetig. Eine Besserung ist nicht in Sicht.
Die Besucherzahlen des Flughafens Frankfurt-Hahn sinken stetig. Eine Besserung ist nicht in Sicht. : Bild: Reuters

Er komme gerade aus Singapur und stehe an der Grenzkontrolle in Hongkong, sagte Wang. Bis um den 10. Juni herum sei er in Deutschland gewesen. Der Kauf des Flughafens Hahn sei zu „70 bis 80 Prozent abgeschlossen“. Derzeit stünde leider keiner seiner Mitarbeiter für ein Interview zur Verfügung, weil sie alle außer Landes seien. „Wir arbeiten hart, um den Deal zu vollenden.“

Frankfurt-Hahn mit asiatischen Passagieren retten

Wang sagt, der Vorstandsvorsitzende seiner „Firmengruppe“ sowie er selbst hätten nicht erwartet, dass ihr Interesse am Hahn „so sehr die öffentliche Meinung in Deutschland“ beschäftige. „Ich bin sehr beunruhigt über die ganzen negativen Medienberichte.“ Manchmal hätten er und seine Mitstreiter einfach nur aufgeben wollen. „Aber die Ministerpräsidentin und ihre Mitarbeiter haben uns davon abgehalten. Sie waren unglaublich nett.“

Wang sagte, im Gegensatz zu anderen Interessenten wolle er den Flughafen retten. Über einen Besuch am Hahn 2015 berichtet er: „Ich saß stundenlang im ersten Stock des Flughafens und habe nicht einen einzigen Asiaten gesehen. Das ist das größte Problem des Hahn! Es gibt dort noch nicht mal asiatisches Essen. Außerdem keine Duty-Free-Läden. Asiatische Passagiere sind für den Flughafen ein gigantisches Potential.“ Nicht einen Mitarbeiter werde er feuern, sagt Wang.

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