https://www.faz.net/aktuell/politik/dschihad-in-syrien-verbotene-islamistengruppe-in-deutschland-weiter-aktiv-12806490.html

Dschihad in Syrien : Verbotene Islamistengruppe in Deutschland weiter aktiv

  • Aktualisiert am

Bild: BR

Immer mehr Dschihadisten ziehen von Deutschland nach Syrien. Recherchen von F.A.Z. und „Report München“ belegen, dass in der Bundesrepublik verbotene Gruppen nicht zerschlagen wurden - sondern verstärkt Kämpfer in das Bürgerkriegsland vermitteln.

          1 Min.

          Die Zahl der Dschihadisten, die aus Deutschland nach Syrien ziehen, um dort zu kämpfen, nimmt immer weiter zu. Bei der Rekrutierung können sie sich zudem auf Netzwerke stützen, die verboten, aber offenbar nicht zerschlagen wurden. Das haben gemeinsame Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des ARD-Magazins „Report München“ in Nordrhein-Westfalen und Bayern ergeben. Einer der Schwerpunkte der Syrien-Dschihadisten ist Dinslaken in Nordrhein-Westfalen.

          Die dortigen Extremisten können auf das Netzwerk der 2012 verboten Gruppe „Millatu Ibrahim“ zurückgreifen, dessen Führer noch immer zu den maßgeblichen Figuren der deutschen Dschihad-Szene zählen. Aus dem Dinslakener Umfeld gab es nach Angaben aus den Sicherheitsbehörden auch Kontakte zu den Terroristen der Sauerland-Gruppe. Verfassungsschutzpräsident Fromm warnte damals davor, dass durch ein Verbot die Aktivitäten der Truppe „nicht zum Erliegen“ kommen. „Aber der Verein ist nicht mehr so aktionsfähig wie bisher. Jedenfalls für eine Weile.“

          Bislang ist von 270 Kämpfern die Rede, die aus Deutschland nach Syrien gezogen sind. Inoffizielle Schätzungen liegen deutlich höher. Wie von verschiedenen Stellen in der Polizei zu hören ist, erhöht sich die Zahl von Woche zu Woche. Die Zahl der Rückkehrer ist dagegen gering.

          Innenministerium weist Kritik zurück

          Kritik an der nordrhein-westfälischen Terrorbekämpfung wies das Innenministerium in Düsseldorf zurück. Es sei gemeinsame Linie aller Bundesländer, die Dschihadisten an der Ausreise zu hindern. Das gelte auch für Nordrhein-Westfalen. Es sei nicht Absicht der Polizei und des Staatsschutzes, die Dschihadisten nur zu beobachten, um weitere Erkenntnisse zu sammeln, sagte ein Sprecher dieser Zeitung.

          Die Kritik an den Sicherheitsbehörden bezieht sich unter anderem auf einen Vorfall aus dem Jahr 2013. Dabei geht es um die Mutter zweier von der Polizei als „relevante Personen“ eingestufter islamistischer Extremisten, die 2008 in Köln einen Polizisten angegriffen hatten, um ihn zu entwaffnen. Die Frau wurde Ende 2013 am Flughafen Köln/Bonn einer Ausreisekontrolle unterzogen. In ihrem Gepäck wurden Dutzende Magazine für Sturmgewehre des Typs AK47 gefunden. Weder wurde die Frau an der Weiterreise in die Türkei gehindert, noch wurden die Magazine einbehalten.

          Die Reportage über radikale Islamisten in Deutschland lesen Sie am Dienstag, dem 18. Februar, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder schon ab Montag um 20.00 Uhr im ePaper (www.faz.net/e-paper oder http://e-kiosk.faz.net/).

          Weitere Themen

          Putins fatale Echokammer

          Russische Geheimdienste : Putins fatale Echokammer

          „Mariupol in drei Tagen einnehmen, Kiew in fünf“: Eine Recherche zeichnet nach, wie groß in Russlands Geheimdiensten die Wut ist – auf jene Kollegen, die Putin mit gefälligen Informationen in den Ukrainekrieg ziehen ließen.

          Topmeldungen

          Leben in der Blase: Putin bei einem Treffen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit am Montag im Kreml

          Russische Geheimdienste : Putins fatale Echokammer

          „Mariupol in drei Tagen einnehmen, Kiew in fünf“: Eine Recherche zeichnet nach, wie groß in Russlands Geheimdiensten die Wut ist – auf jene Kollegen, die Putin mit gefälligen Informationen in den Ukrainekrieg ziehen ließen.

          F.A.Z. exklusiv : So will die Ampel den Bundestag verkleinern

          736 Abgeordnete hat der Bundestag, 138 mehr als vorgesehen. Doch Überhangmandate verzerren den Wählerwillen, sagen die Obleute von SPD, FDP und Grünen. In diesem Gastbeitrag legen sie dar, wie die Ampel das Wahlrecht ändern will.
          Aufgegeben: Ukrainische Kämpfer tragen einen Verwundeten vom „Asowstal“-Gelände.

          „Asowstal“-Kämpfer : Die Helden der Ukraine in Moskaus Fängen

          Die Ukraine hofft auf den Austausch der Kämpfer vom „Asowstal“-Gelände. Doch Moskaus Propaganda hat offenbar andere Pläne – die Ideen reichen bis hin zu einem großen Prozess gegen die ukrainischen „Nazis“.
          Amerikanische Truppen an einem Strand in Somalia im März 1994

          US-Truppen nach Somalia : Der Antiterrorkrieg geht weiter

          Präsident Biden revidiert eine Entscheidung seines Vorgängers Trump und entsendet Truppen nach Somalia. Die sollen vor allem gegen die Islamisten der Al-Schabab-Miliz vorgehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage