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Säbelrasseln in Fernost : Droht ein neuer Korea-Krieg?

Die Ungewissheit über die tatsächliche Schlagkraft spielt dem nordkoreanischen Regime eher in die Hände. Zudem verfügt das Land – was oftmals vergessen wird – über eine riesige konventionelle Armee, nach der chinesischen die zweitgrößte Asiens. In einem Bericht des Pentagon von 2012 heißt es, das Land verfüge über mehr als 4000 Panzer und 730 (wenn auch veraltete) Kampfflugzeuge. Mehr als 1 Million Soldaten sollen immer in Waffen stehen, und das Volk ist durch jahrelange Propaganda im permanenten Kriegsmodus. Leidtragender einer militärischen Eskalation wäre zuerst der Nachbar Südkorea, die Hauptstadt Seoul befindet sich nur unweit der innerkoreanischen Grenze.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei einer Militärparade Öffnen
Nordkorea : Schrecklich! Faszinierend! Bild: Reuters

Nordkoreanischer Angriff eher unwahrscheinlich

Geht man davon aus, dass Kim Jong-un und sein Regime (in ihrem Interesse) halbwegs rationale Entscheidungen treffen, dann ist ein Angriff von Nordkoreas Seite aus eher unwahrscheinlich. Denn das hätte unweigerlich den Sturz der Kim-Dynastie, die das Land in dritter Generation regiert, zur Folge. Insofern wäre es auch eine rote Linie für Kim, nukleares Material und entsprechende Technologien an Terrorgruppen wie den „Islamischen Staat“ zu verkaufen. Das wäre für Amerika ein sicherer Kriegsgrund. Der renommierte Nordkorea-Forscher Rüdiger Frank plädiert deshalb dafür, Nordkorea Wege zu lassen, auf legalem Wege Geld zu verdienen. Wer klug sei, lasse der Gegenseite immer einen Ausweg.

Wie könnte dieser aussehen? Der von Amerika gen Korea geschickte Flottenverband lässt eher darauf schließen, dass Donald Trump den Konflikt militärisch lösen will. Oder ist das die ultimative Drohung, um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen? Schon die Regierung unter Präsident Bill Clinton hatte 1993 mit einem militärischen Schlag gegen den Atomreaktor Yongbyon gedroht – und war kurz davor, die Drohung in die Tat umzusetzen. Dem ebenfalls früheren Präsidenten Jimmy Carter gelang es damals, einen Kompromiss auszuhandeln, der möglicherweise einen neuen Korea-Krieg verhinderte: Für Rohöllieferungen und den Bau von Leichtwasserreaktoren verpflichtete sich das Kim-Regime zur nuklearen Abrüstung. Ein Deal, der allerdings nicht lange hielt.

Aber welcher Präsident wäre besser geeignet, einen neuen Deal ins Auge zu fassen? Nordkorea ist im Kern ein Industrieland, allerdings mit veralteten Anlagen. Der „Dealmaker“ Trump hätte auf dem wirtschaftlichen Parkett einiges anzubieten, was für das devisenschwache Regime in Pjöngjang Anreiz genug sein könnte, über ein neuerliches Abrüstungspaket zu verhandeln. Bis dahin wird Kim Jong-un allerdings weiter an der Bombe bauen – und aller Welt vor Augen führen. Ob sie am Samstag oder erst in einigen Wochen gezündet wird, sei dahingestellt.

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