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Säbelrasseln in Fernost : Droht ein neuer Korea-Krieg?

Zudem schöpft Pjöngjang sein Haupt-Propagandamaterial aus der amerikanischen Bedrohung: Wer in Nordkorea Schulen und Kindergärten besucht, stößt nicht nur auf die vielen von Kinderhand gemalten Atomraketen, sondern auch auf allgegenwärtigen Anti-Amerikanismus. Der amerikanische Soldat als „größter Feind“ und „Unglücksbringer“ für die Kinder Nordkoreas – gefolgt von „verschlagenen Japanern“ und naiven „Vasallen“ aus Südkorea. Von dieser Erzählung wird Kim Jong-un nicht leichtfertig die Finger lassen, sie hält den Staatsapparat von innen zusammen.

Die nordkoreanische Führung hatte versprochen, das Prestigeprojekt bis zum 105. Geburtstag von Kims  verstorbenem Großvater, Staatsgründer Kim Il-sung, fertigzustellen.
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Nordkorea : Die Fassade glänzt, das Wasser bleibt kalt

Der wirtschaftliche Aufstieg ist mit dem Status als Atommacht verbunden

Wird sich Nordkorea also durch Drohungen einschüchtern lassen? Vermutlich nicht, denn nur solange das Regime mit Atombomben drohen kann, ist ihm die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft, allen voran Amerikas, gewiss. Eine Aufmerksamkeit, die Kim Jong-un in diplomatische und wirtschaftliche Gewinne ummünzen will. So lässt sich zumindest eine Äußerung deuten, die er im März 2013 auf einer Tagung des Zentralkomitees seiner Arbeiterpartei fallen ließ: Der Status als Atommacht und der wirtschaftliche Aufstieg Nordkoreas seien untrennbar miteinander verbunden.

Wie das? Nach der Logik Kims erhöhen Kernwaffen den diplomatischen Spielraum, was derzeit deutlich zu sehen ist: Donald Trump hat den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der vergangenen Woche öffentlich aufgefordert, in Sachen Nordkorea endlich aktiv zu werden. Xi wiederum war über das offensive Vorgehen Trumps offenkundig wenig erfreut. Chinesischen Zeitungsberichten zufolge rief er den amerikanischen Präsidenten zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes auf. Zwar untersagte er auch die Kohle- und Erzimporte aus Nordkorea, aber das sind alles Kleinigkeiten, zumal China auch schon in der Vergangenheit Strafmaßnahmen gegen Nordkorea erließ. Zum Beispiel, als es die Grenzen für chinesische Touristen schließen ließ, um den neu gewachsenen Tourismussektor (Skigebiete und Kasinos für Chinesen) ins Mark zu treffen. Ein grundlegender Politikwechsel Chinas ist nicht zu erkennen.

Spannungen mit Amerika : Nordkoreaner zeigen sich unbeeindruckt

Stattdessen bringt Trump ungewollt die beiden Großmacht-Kontrahenten China und Russland näher zueinander. Das Verhältnis zwischen Moskau und Washington ist nach dem amerikanischen Luftschlag gegen Syrien ohnehin an einem Tiefpunkt angelangt. Der russische Außenminister Lawrow warnte die Amerikaner vor einem einseitigen Vorgehen auch gegen Nordkorea, China blies ins selbe Horn. Obwohl sowohl China als auch Russland immer wieder deutlich warnende Worte in Richtung Kim Jong-un verlieren, hat dieser in diesen Tagen eher wieder zwei „alte neue“ Verbündete gewonnen.

Die Situation ist verfahren: Nordkorea wird an seinem Atomprogramm festhalten und es ausbauen. Um den Druck zu erhöhen, wird es versuchen, die Raketentechnologie im Langstreckenbereich zu verbessern, um amerikanisches Territorium erreichen zu können. Zudem wird das Regime alles daran setzen, die Sprengkraft mit Wasserstoffbomben um ein Vielfaches zu erhöhen. Im Januar 2016 registrierten amerikanische und chinesische Erdbebenwarten seismische Aktivitäten, die von dem Testgelände Punggye-ri ausgingen. Nordkorea behauptete, eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben, was amerikanische Experten zurückwiesen: Zu schwach sei die Erschütterung gewesen.

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