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Drohnenopfer : Zahlenwirrwarr in Islamabad

Protest gegen amerikanische Drohnenangriffe in Karachi Bild: dpa

Wie viele Zivilisten sind in Pakistan von Drohnen getötet worden? Das weiß niemand. Jetzt kursieren wieder neue Zahlen - sie sind erstaunlich niedrig. Die Vereinten Nationen wundern sich.

          1 Min.

          Wie viele Zivilisten in Pakistan bei amerikanischen Drohnenangriffen getötet wurden, weiß wohl niemand ganz genau. Es kursieren verschiedene Zahlen, die allesamt umstritten sind. Nun hat das Verteidigungsministerium in Islamabad neue Daten veröffentlicht – die allerdings von früheren Angaben deutlich abweichen. In einer Antwort auf eine Anfrage des Senats teilte das Ministerium am Mittwoch mit, dass seit 2011 kein einziger Zivilist durch Drohnenangriffe getötet worden sei. Insgesamt wird die Zahl der zivilen Opfer seit 2008 auf 67 beziffert. Hingegen seien im gleichen Zeitraum 2160 „Terroristen“ durch Beschuss aus unbemannten Flugzeugen getötet worden.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Bei den Vereinten Nationen hat das Verwunderung hervorgerufen. Denn erst vor zwei Wochen hatte der UN-Sonderberichterstatter für Terrorismusbekämpfung und Menschenrechte, Ben Emmerson, von 400 bis 600 zivilen Opfern seit 2004 gesprochen – und sich dabei auf das pakistanische Außenministerium berufen. Die jüngsten Angaben unterschieden sich „auffällig“ von jenen, die Islamabad ihm gegenüber gemacht habe, sagte Emmerson. Er rief die Regierung von Ministerpräsident Nawaz Sharif dazu auf, die Diskrepanz zu erklären. „Wenn die tatsächliche Zahl ziviler Opfer deutlich geringer sein sollte, ist es wichtig, dass dies nun klargestellt wird.“

          Doch aus Islamabad gab es am Donnerstag keine Klärung. Stattdessen verurteilte das Außenministerium den jüngsten Raketenbeschuss, bei dem nach Angaben Islamabads in Nordwasiristan drei mutmaßliche Extremisten getötet wurden, als „Verletzung von Pakistans Souveränität“. Der Angriff zeigte, dass Ministerpräsident Sharif mit seiner Forderung nach einem Ende des Raketenbeschusses vergangene Woche in Washington nicht durchgedrungen ist.

          Die jüngsten Angaben des pakistanischen Verteidigungsministeriums widersprechen zudem einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, der allein für das Jahr 2012 von mindestens 19 getöteten Zivilisten spricht. Die Regierung in Washington hat sich bislang geweigert, konkrete Zahlen zu nennen, und lediglich erklärt, dass „deutlich weniger“ Zivilisten zu Schaden gekommen seien als von Menschenrechtsgruppen dargestellt.

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