https://www.faz.net/-gpf-8lu0u

Nach Anschlägen : Dresdner Moscheen unter Polizeischutz

  • Aktualisiert am

Beschädigter Eingang der Fatih-Camii-Moschee in Dresden Bild: AP

Nach den Anschlägen in der Nacht setzt die Stadt ihr Sicherheitskonzept für die Einheitsfeier vorzeitig in Kraft. Die Polizei verteidigt sich auf Facebook gegen Kritik.

          2 Min.

          Nach den Sprengstoffanschlägen in Dresden haben die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen für die Feier zum Tag der deutschen Einheit vorzeitig in Kraft gesetzt. „Der Einsatzmodus hat diese Nacht begonnen“, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Dienstag. „Der Kontrollbereich für das Festgelände wird entsprechend eingerichtet.“ Kontrollen in verschiedenen Einrichtungen seien bereits verstärkt worden. Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar kündigte an, dass alle fünf islamischen Einrichtungen in der Stadt, unter ihnen drei Moscheen, ab sofort Objektschutz erhielten.

          Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen übernommen und ein Verfahren gegen Unbekannt „wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“ eröffnet. Das teilte die Behörde selbst am Dienstag mit. Zuständig ist demnach das Sonderdezernat „Politisch motivierte Kriminalität“.

          Unbekannte hatte am Montagabend in Dresden kurz nacheinander Sprengstoffanschläge vor der Fatih-Camii-Moschee und einem Kongresszentrum verübt. Verletzt wurde dabei niemand, es entstand aber ein Sachschaden in unbekannter Höhe. Obwohl nach Polizeiangaben zunächst kein Bekennerschreiben vorlag, gehen die Ermittler derzeit von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Sie ziehen aber auch eine Verbindung zum Tag der deutschen Einheit am 3.Oktober, dessen zentrale Feier am Wochenende und am Montag in Dresden begangen wird. Dazu werden hunderttausende Besucher sowie Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

          Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, hatte die Polizei etwa zehn Stunden verstreichen lassen, bevor sie die Öffentlichkeit am Dienstagmorgen über die Anschläge vom späten Montagabend unterrichtete. Auf Facebook verteidigte sich die Polizei gegen Kritik an ihrer Informationspolitik. „Uns wird gerade vorgeworfen, dass wir nicht sofort gestern Nacht an die Öffentlichkeit gegangen sind“, hieß es am Dienstag. „Dieser Wunsch nach schneller Information ist verständlich und gründet sich auf viele Motive. Besorgnis verstehen wir, durchschaubare Meinungsmache dagegen nicht.“ Und weiter: „Wir klären erst mit gebotener Sicherheit die Fakten und gehen dann damit an die Öffentlichkeit.“

          Die Fatih Camii im Dresdner Stadtteil Cotta ist eine von drei Moscheen in der sächsischen Landeshauptstadt. Das einstöckige Gebäude liegt wenige Kilometer westlich des historischen Zentrums und wird seit 2007 genutzt. Die Moschee der seit 2001 bestehenden Türkisch-Islamischen Gemeinde ist tägliche Anlaufstelle für rund 30 Menschen, sie betreut in Dresden lebende Türken und Flüchtlinge. Die Moschee wird von einem Freundeskreis unterstützt. Nach dessen Angaben kommen freitags regelmäßig bis zu 300 Menschen zum Beten. Etwa zwei Kilometer von der Moschee entfernt liegt das Internationale Congress Center Dresden, vor dem es zur zweiten Explosion kam. Das Zentrum ist der zentrale Tagungsort in Dresden. Es bietet nach Angaben der Betreiber Platz für bis zu 6800 Besucher. Das ICD liegt direkt an der Elbe und in unmittelbarer Nähe zum sächsischen Landtag.

          Spurensicherung am Tatort

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.