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Dreikönigstreffen der FDP : Liberales Neuland

  • -Aktualisiert am

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner lockt Wähler der AfD, die er offenbar für verirrte Liberale hält. Die Wette ist riskant.

          Es ist ein gefundenes Fressen für Freunde des Symbolischen: Weil die Miete drastisch aufgeschlagen hat, ist unsicher, ob die FDP ihr Dreikönigstreffen weiterhin am traditionellen Ort, im Stuttgarter Staatstheater, abhalten wird. Neuland hat die Partei schon betreten: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist sie, was den Bundestag angeht, außerparlamentarische Opposition; von der Führung, die im vergangenen Jahr in Stuttgart noch einmal ihren Streit öffentlich ausgetragen hatte – man erinnere sich an die Brandrede des damaligen Entwicklungshilfeministers Niebel –, ist niemand mehr dabei. Das mediale Interesse flacht ab, ein Vorbote künftiger Zeiten.

          Dabei ist der Boulevard, der den Liberalen vor der Bundestagswahl offen stand, noch breiter geworden: Die große Koalition hat mit ihrem Programm alle bestätigt, die eine weitere Sozialdemokratisierung Deutschlands vorausgesehen hatten. Weil das alles noch nicht in die Tat umgesetzt ist, vor allem aber weil die Konsequenzen für die Wirtschaft noch nicht zu spüren sind, hat die FDP allerdings bisher nur schwachen Aufwind unter den Flügeln – immerhin sehen sie einige Umfragen wieder bei fünf Prozent.

          Der Vorsitzende Lindner hat einen Schwerpunkt seiner Rede auf die Europa-Politik gelegt. Das liegt nahe, weil die Europawahl im Mai ein wichtiger Test auf die Zukunftsaussichten der Liberalen ist. Die Stoßrichtung von Lindners Ausführungen war gegen die „Alternative für Deutschland“ gerichtet, deren Wähler er offenbar für verirrte Liberale hält. Die Wette ist riskant: Unklar ist, ob die Analyse stimmt; klar ist dagegen, dass er damit auch gegen eine nicht unbedeutende Strömung in der eigenen Partei anredete.

          Ob griffige (und stimmige) Formulierungen wie die von der „fatalen Mischung aus Technokratie und Pathos“ in der Europa-Politik ausreichend sind, um die Euro-Rebellen um Frank Schäffler bei der Stange zu halten und die Abtrünnigen von der AfD anzulocken, wird das Wahljahr 2014 zeigen. Die neue Mannschaft aus alten Kämpen wie dem fernsehtauglichen Kubicki und dem temperamentvollen neuen Vorsitzenden im „Stammland“ Baden-Württemberg, Theurer, gibt Anlass zu Hoffnungen. Der Beweis, dass die FDP im Bund gebraucht wird, ist aus eigener Kraft vorerst nicht zu erbringen; den kann allerdings bald die neue Regierung liefern.

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