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Trump-Kommentar : Spur der Verwüstung

Der amerikanische Präsident Donald Trump während der Pressekonferenz mit Theresa May in Chequers Bild: Reuters

Donald Trump reißt in kürzester Zeit ein, was amerikanische Politik in Jahrzehnten in Europa aufgebaut hat.

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          Die Spur der politischen Verwüstung, die Donald Trump hinterlässt, welchem „Verbündeten“ er sich auch zuwendet, reicht nun sogar bis zum Landsitz der britischen Premierministerin. Der größte „Dealmaker“ aller Zeiten belehrte Theresa May, wie man den Brexit richtig verhandeln müsste, also so wie Trumps Alter Ego, der fabelhafte Boris Johnson, der „ein großartiger Premierminister“ wäre.

          May hat, das kann selbst Trump nicht entgangen sein, wegen des Streits über die richtige Brexit-Strategie gegenwärtig die größte Mühe, ihren Laden zusammenzuhalten. Das hinderte den amerikanischen Präsidenten freilich nicht daran, sich mit der Drohung einzumischen, es werde kein Handelsabkommen mit Amerika geben, wenn Großbritannien eine zu enge Bindung an die EU behalte. Denn die EU steht, gleich nach Deutschland, auf Trumps schwarzer Liste mit den Namen aller, die das arme Amerika ausgebeutet hätten, seit Trump denken kann.

          Neue Höhen für Antiamerikanismus

          Es ist atemraubend, mit welcher Unbekümmertheit Trump in kürzester Zeit einreißt, was amerikanische Politik in Jahrzehnten in Europa aufgebaut hat. Bis heute versteht er nicht, dass eine einige Nato und eine starke EU im Interesse Amerikas sind.

          Man könnte Trumps Anliegen auch verfolgen, ohne die Verhandlungspartner vor den Kopf zu stoßen und gute Beziehungen in Schutt und Asche zu legen. Doch stehen diesem Präsidenten offenbar nur die Methoden zur Verfügung, die ihm den Vergleich mit einem Mafiaboss einbrachten (von einem, der die Unterwelt kennt, dem ehemaligen FBI-Chef Comey).

          Den europäischen Nato-Staaten wird, solange sie von Amerikas Sicherheitsgarantie abhängig sind, nicht viel anderes übrigbleiben, als Trumps Tiraden zähneknirschend zu ertragen und das verlangte Schutzgeld zu zahlen. Doch auf allen anderen Feldern werden Trumps Drohungen mehr Widerstand erzeugen.

          In Deutschland wird er den Antiamerikanismus in neue Höhen treiben und jenen Stimmen Auftrieb geben, die immer schon meinten, die russischen Arme seien die weicheren. Wenn Putin auf die jüngsten Wochen zurückblickt, dürfte er nicht nur wegen der angeblich „besten WM, die jemals stattgefunden hat“ (so Fifa-Chef Infantino), sein Glück nicht fassen können.

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