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Nach Eklat beim G7 : „Trump kann sich das alles erlauben“

Der amerikanische Präsident Donald Trump vor seine Abreise vom G-7-Gipfel Bild: AFP

Im Interview erklärt Politikwissenschaftler Thomas Jäger, warum Trump seine G-7-Partner demütigen kann – und wie sich das Verhalten des amerikanischen Präsidenten auf das geplante Treffen mit Kim Jong-un auswirkt.

          4 Min.

          Ist das G-7-Format mit Trumps Ausstieg aus der Abschlusserklärung gescheitert?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Das G-7-Format umfasst ja mehr als nur das Gipfeltreffen. Da wird auf ganz vielen Ebenen miteinander gearbeitet. Dieser Prozess wird weiterlaufen und er lohnt sich auch. Da muss man jetzt einfach mal eine Weile ertragen, dass bei Themen wie dem Klima oder der Energie keine gemeinsame Position zustande kommt. Aber solange die Vereinigten Staaten aus diesen Gesprächen nicht vollständig aussteigen, bleibt das Format weiter bestehen. Dass sich Trump mit seinen Entscheidungen als „Verhandler in Chief“ darstellt und etwa den kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau mit einem Handstreich düpiert, müssen die anderen jetzt einfach aushalten.

          Aber ist das Maß an Trump-Demütigungen nicht langsam voll? Er kommt später, er geht früher, er will Russland wieder in die Gruppe der wichtigsten Industrienationen aufnehmen.

          Ich glaube nicht, dass der Vorschlag, Russland wieder in die Gruppe aufzunehmen, mit irgendwem in der amerikanischen Administration abgesprochen war. Dass war ein typischer Trump-Alleingang, um alle noch mal zu verwirren. Es ist momentan ziemlich schwierig, mit den Vereinigten Staaten im Geschäft zu sein, das hat sich aber auch schon vor dem Gipfel gezeigt. Doch dieses Format bleibt wichtig, um nicht immer nur bilateral Gespräche zu führen, sondern Trump auch mal geschlossen entgegenzutreten, mit einer gemeinsamen Position. Doch brauchen die sechs die Vereinigten Staaten sehr; deshalb kann Trump sich das auch alles erlauben.

          Wie sollten die anderen Partner jetzt reagieren?

          Am besten gar nicht. Denn es hat sich ja gezeigt, dass Trump am Ende immer härter zurückschlägt, als man es selbst kann. Deshalb sind Aussagen wie die des französischen Präsidenten nicht hilfreich. Wenn Macron sagt: „Dann machen wir es eben zu sechst, ohne die Vereinigten Staaten“, ist das eine unnötige Provokation. Denn eine Erklärung von sechs Staaten hätte ohne die Vereinigten Staaten kein Gewicht. Dass die Politik amerikanischer Präsidenten nicht unbedingt im europäischen Interesse liegt, war im Übrigen schon vor Trump so. Auch unter Nixon, Reagan oder George W. Bush gab es immer wieder Schwierigkeiten.

          Thomas Jäger ist Professor für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln.

          Aber haben die Konflikte mit Trump nicht ein neues Niveau erreicht?

          Mit den anderen amerikanischen Präsidenten hat es am Ende immer irgendwie geklappt mit der Verständigung. Über Jahrzehnte konnte sich Europa auf die Vereinigten Staaten verlassen. Trump agiert unberechenbarer und brutaler als seine Vorgänger. Und er verwendet ein Instrument, das eigentlich allen Politikern in ihrem Handwerkskasten zur Verfügung steht: Er verknüpft Fragen miteinander. Die Europäer wollen nicht gleichzeitig über Zölle und Verteidigungsausgaben reden. Aber das ist eine völlig übliche Vorgehensweise. Und Trump hat damit zum Teil auch Erfolg.

          Hat Europa gegen Trump denn überhaupt nichts in der Hand?

          In den vergangenen Jahrzehnten haben die Europäer nichts dafür getan, um in Sicherheitsfragen eigenständig zu werden. Ihnen fehlen zentrale Mittel der Machtprojektion, der Abschreckung. Sie sind da auf die Vereinigten Staaten angewiesen. Wie sehr, sieht man im Fall von Polen und den baltischen Staaten. Die schauen nicht nach Berlin oder Brüssel, wenn es um ihre Sicherheit geht; sie blicken nach Washington.

          Aber über dieses Defizit sprechen die Europäer nicht gerne.

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