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Scaramucci teilt aus : „Trump hätte viel härter sein müssen gegen weiße Rassisten“

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Der „Mooch“ war zehn Tage Kommunikationschef im Weißen Haus. Bild: AP

Anthony Scaramucci war zehn turbulente Tage lang Trumps Kommunikationschef. Nun kritisiert er die Reaktion des Präsidenten auf die rechte Gewalt in Charlottesville und äußert sich zu Steve Bannon. Und nicht nur er findet klare Worte.

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          In seinem ersten Interview nach Verlassen des Weißen Hauses hat Anthony Scaramucci den amerikanischen Präsidenten Donald Trump wegen dessen vagen Äußerungen zur Gewalt in Charlottesville kritisiert. „Ich hätte ihm dieses Statement nicht empfohlen“, sagte der Kurzzeit-Kommunikationschef dem Fernsehsender ABC News. „Er hätte viel härter sein sollen im Umgang mit den weißen Rassisten.“ Der Angriff sei Terrorismus gewesen, so Scaramucci weiter.

          Der Investor aus New York feuerte auch abermals gegen Trumps Chef-Strategen Steve Bannon. Dessen Toleranz für weißen Nationalismus und Suprematismus sei unverzeihlich, von diesem „Nonsens“ solle sich der Präsident verabschieden.

          „Herr Präsident, wir müssen das Böse benennen“

          Scaramucci musste Ende Juli nur zehn Tage nach seiner Ernennung zum Kommunikationschef den Posten räumen. Kurz vorher machte der 53 Jahre alte Finanzanleger mit äußerst unflätigen Äußerungen in einem Gespräch mit dem „New Yorker“ über Bannon und Trumps ehemaligen Stabschef Reince Priebus von sich reden. In Bezug darauf zeigte er sich in dem Interview nun nur teilweise selbstkritisch: „Ich habe einen unerzwungenen Fehler begangen.“ Allerdings habe ihn der Artikel mit den Zitaten schlecht aussehen lassen. Er habe gedacht, seine Aussagen zu Priebus und Bannon seien vertraulich gewesen.

          Unterdessen nimmt auch von anderer Seite die Kritik an Trumps Reaktion auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen während der Demonstration von Rechtsextremen in der Stadt Charlottesville zu. Prominente Demokraten, Bürgerrechtler und auch einige Republikaner warfen Trump vor, die Rechtsextremen der "white supremacy"-Bewegung nicht explizit verurteilt zu haben. „Herr Präsident - wir müssen das Böse beim Namen nennen", erklärte der republikanische Senator Cory Gardner am Wochenende über den Kurznachrichtendienst Twitter.

          Das Präsidialamt reagierte am Sonntag auf die Kritik und betonte, Trump habe alle Formen von „Gewalt, Fanatismus und Hass“ verurteilt. Dies habe natürlich auch die "white supremacists"-Bewegung, den Ku Klux Klan und  Neo-Nazi-Gruppen eingeschlossen. Trump selbst sagte dies so allerdings nicht.

          Auch die demokratische Oppositionsführerin Nancy Pelosi hatte von Trump eine explizite Verurteilung der "white supremacy"-Bewegung als Affront gegen amerikanische Werte gefordert. Trump hatte am Samstag zwar den „ungeheuerlichen Hass und Fanatismus“  kritisiert, aber lediglich davon gesprochen, dass „viele Seiten“ beteiligt waren. Der Gouverneur des Bundesstaates Virginia, Terry McAuliffe, machte Neo-Nazis für die Gewalt verantwortlich. Er rief den Ausnahmezustand über die Stadt aus. Bei den Auseinandersetzungen wurden der Polizei zufolge mehr als 30 Menschen verletzt.

          Mindestens eine Frau kam ums Leben, als ein Auto Polizeiangaben zufolge aus noch ungeklärter Ursache in eine Gruppe von Gegendemonstranten raste. 19 weitere wurden dabei verletzt, fünf von ihnen schwer. Das FBI hat mittlerweile die Ermittlungen übernommen, um zu untersuchen, ob gegen Bürgerrechtsgesetze verstoßen worden sei. Der Fahrer des Fahrzeugs, das Videobildern zufolge mit hoher Geschwindigkeit in die Gruppe fuhr, befindet sich Sicherheitskräften zufolge in Polizeigewahrsam. In diesem  Zusammenhang gab es drei weitere Festnahmen. Bei der Getöteten handele es sich um eine 32 Jahre alte Frau.

          Zudem haben die Behörden Ermittlungen zum Absturz eines Polizeihubschraubers aufgenommen, bei dem zwei Polizisten aus Virginia starben. Ob der Absturz mit den Unruhen zusammenhängt, war jedoch zunächst nicht klar.

          In der Innenstadt von Charlottesville waren am Samstag Hunderte Menschen, die zum Teil Symbole von weißen Nationalisten trugen, mit einer ähnlichen Zahl von Gegendemonstranten aneinandergeraten. Mitglieder beider Gruppierungen trugen Helme und  Schutzanzüge, einige schwenkten Holzpfosten. Die Rechtsextremen der "white supremacy"-Bewegung protestieren gegen die geplante Entfernung einer Statue von General Robert E. Lee, der im amerikanischen Bürgerkrieg die Truppen der Konföderierten anführte. Anhänger der nationalistischen Alt-Right-Bewegung haben sich seit dem Wahlsieg Trumps verstärkt in der Öffentlichkeit gezeigt.

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