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Tweets gegen Macron : Trump macht sich über europäische Armee lustig

Nicht die allerbesten Freunde: Donald Trump am 10. November beim Treffen mit Emmanuel Macron im Élysée-Palast. Bild: AFP

Wie es ausgeht, wenn die Franzosen sich ohne die Amerikaner zu verteidigen suchten, habe man in der Vergangenheit gesehen, stichelt Amerikas Präsident. Es ist nicht die einzige beißende Kritik an seinem Pariser Amtskollegen.

          Amerikas Präsident Donald Trump hat sich am Dienstag über die Forderung des französischen Staatspräsidenten lustig gemacht, eine „wahre europäische Armee“ aufzubauen. Emmanuel Macron hatte vergangene Woche in einem Interview mit dem französischen Radiosender Europe 1 gesagt, ohne eine solche Armee könne Europa nicht verteidigt werden. Macron begründete seine Forderung mit der Warnung vor „autoritären Mächten, die an den Grenzen Europas aufsteigen und die sich wieder bewaffnen". Europa müsse sich verteidigen „mit Blick auf China, auf Russland und sogar auf die Vereinigten Staaten“. Details ließ Macron offen. Bislang gab es aber von französischer Seite keinerlei Anzeichen, die französische Armee in eine europäische Armee aufgehen zu lassen,dass der Präsident seine Rolle als chef des armées aufgeben will oder gar Deutschland und andere Europäer bei der französischen Nuklearstreitkraft (force de frappe) ein Mitspracherecht eingeräumt werden sollte.

          Trump erinnerte in seinem Tweet daran, dass es Deutschland gewesen sei, das den Ersten und Zweiten Weltkrieg begonnen habe. „Wie ging das für Frankreich aus?“, fragte der Präsident rhetorisch. Bevor die Amerikaner gekommen seien, hätten die Menschen in Paris damit begonnen Deutsch zu lernen. Trump schloss: „Zahl für die Nato – oder lass es!“

          Wie oftmals bei seinen Tweets nahm es Präsident Trump auch bei dieser Nachricht mit der Wahrheit nicht ganz genau. Dass die Franzosen nach der Besetzung ihres Landes durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg in Paris vermehrt Deutsch lernen mussten, ist zwar korrekt. Für den Ersten Weltkrieg darf das jedoch bezweifelt werden. Schließlich gelang es den Truppen des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1914 und 1918  zu keiner Zeit, in die französische Hauptstadt einzudringen.

          Zudem ließ seine Nachricht ein weiteres Mal Raum für Spekulationen. Hält er Macrons Sorge vor Russland und China für übertrieben oder nicht? Warnt er Frankreichs Staatspräsidenten davor, mit Deutschland enger zusammenzuarbeiten, weil der östliche Nachbar auch die letzten beiden Weltkriege begonnen habe (und nicht China, Russland oder Amerika?). Will er andeuten, dass Deutschland ein zu schwacher Partner sei (historisch und/oder aktuell)? Und schließlich, will er mit seinem offen gelassenen Schlusssatz Frankreich und Europa damit drohen, dass sich die Vereinigten Staaten aus der Nato zurückziehen könnten oder nicht?

          In jedem Fall schoss sich Trump am Dienstagmorgen (Ostküstenzeit) auf Staatspräsident Macron ein. Frankreich erhebe hohe Steuern auf amerikanischen Weine, während das umgekehrt nicht der Fall sei. Macrons Kritik am Nationalismus, die weithin als auf Trump bezogene Bemerkung gedeutet wurde, konterte der amerikanische Präsident mit dem Hinweis auf die niedrigen Zustimmungswerte Macrons in Frankreich. Sein Problem sei, dass sie mit 26 Prozent für ihn sehr niedrig seien und die Arbeitslosenrate bei zehn Prozent liege. Ironisch schloss er: „Es gibt kein Land, das nationalistischer ist als Frankreich, sehr stolze Menschen, richtig so.“

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