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Kommentar : Trumps Opferlegende

Obama, die Opposition, die Medien: Donald Trump fühlt sich von Feinden umzingelt. Mit seiner Opferpose macht er die Demokratie lächerlich.

          Donald Trump ist wütend, beleidigt und fühlt sich nicht gewürdigt. Vor allem der Glaube, er werde von finsteren Mächten verfolgt, gehört offenbar zu seiner mentalen Grundausstattung. Das stimmt: Er hat viele Gegner, auch im Regierungsapparat, die nicht vor Ehrfurcht erstarren, weil Trump jetzt Präsident ist. Viele erinnern sich noch an den Vernichtungsfuror, mit dem er im Wahlkampf über seine demokratische Rivalin hergefallen ist.

          Heute stellt er sich als Opfer dar, weil das Thema Russland-Kontakte wie Kaugummi an ihm klebt. Also dann seinen Amtsvorgänger Obama mal schnell der Spitzelei bezichtigen. Belege? Null. Es ist beispiellos, dass der FBI-Chef das Justizministerium auffordert, die Vorwürfe zurückzuweisen – und damit indirekt Trump der Lüge zu überführen. Der Präsident kann es nicht verwinden, dass Amerikas gewaltenteilig organisierte Demokratie nicht funktioniert wie Ein-Partei-Staaten oder sein Wirtschaftsimperium. Widerspruch ist nicht unerhört, er ist immanent. Opferposen sind es nicht. Und so werden die politischen Institutionen weiter diskreditiert. Wer will das?

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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