https://www.faz.net/-gpf-9dl4o

Donald Trump unter Druck : Die Einschläge kommen näher

Nun will die Staatsanwaltschaft Beweise dafür haben, dass es Cohen einzig um Trumps Kampagne ging. Der Präsident hatte im April bestritten, irgendetwas von den Zahlungen gewusst zu haben. Trump hatte die Reporter aufgefordert, Cohen nach seinen Motiven zu fragen. Nun versuchen Trumps Anwälte, Cohens Behauptung einer Trumpschen Anweisung als verlogenen Versuch des Anwalts darzustellen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die er sich durch unsaubere Geschäfte unter anderem im notorisch halbseidenen New Yorker Taxigeschäft geknüpft habe. Trumps Anwalt Rudy Giuliani verwies darauf, dass die Anklageschrift Cohen als Lügner entlarve.

Was folgt, ist ungewiss: Michael Cohen hat Trump einer schweren Straftat bezichtigt.

Fürs erste kam der 51 Jahre alte Cohen, verheirateter Vater einer erwachsenen Tochter, gegen eine halbe Million Dollar Kaution auf freien Fuß. Wenn im Dezember sein Strafmaß verkündet wird, muss er aber mit einer Haftstrafe rechnen, wenn auch kaum mit einem Strafmaß von theoretisch denkbaren 65 Jahren. Manche Gegner Trumps dürften enttäuscht sein, dass die Staatsanwaltschaft dem Juristen in dem „Deal“ nicht die Zusage abrang, mit Sonderermittler Robert Mueller zu kooperieren. Doch für Trump besteht kein Anlass zur Entwarnung: Die Zeiten, in denen Cohen stolz verkündete, er würde sich für Trump auch eine Gewehrkugel einfangen, scheinen unwiderruflich vorbei. Vielmehr machte sein Anwalt Mueller über die Medien Angebote. Cohen würde demnach „liebend gern“ mit dem Sonderstaatsanwalt reden; schließlich gebe es ja „offenkundig die Möglichkeit“, dass es im Wahlkampf „eine Verschwörung“ gegeben habe, um Amerikas „demokratisches System zu korrumpieren“. Zum Beispiel wisse Cohen, so lockte sein Anwalt weiter, ob Trump vorab gewusst habe, dass die E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta auf der Enthüllungsplattform Wikileaks auftauchen würden.

Trumps Trumpf

Damit wäre Mueller im Zentrum seines Ermittlungsauftrags angekommen. Denn das gilt für den Fall Manafort bisher nicht. Dessen Schuldspruch bezieht sich auf Finanzvergehen, die lange vor seiner rund fünfmonatigen Zusammenarbeit mit Trump zwischen März und August 2016 lagen. Manafort, dessen Dienste schon die republikanischen Präsidenten Ford und Reagan in Anspruch genommen hatten, verdiente zu Beginn dieses Jahrzehnts Dutzende Millionen Dollar als Berater ukrainischer Politiker wie des russlandfreundlichen, 2014 abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Er verbarg große Teile seiner Einkünfte vor dem Fiskus und belog nach Überzeugung der Geschworenen andererseits Banken über seine Einkünfte, als diese nicht mehr so sprudelten. Mit Trump oder einer etwaigen Kreml-Connection seines Wahlkampfs hat das wenig zu tun, wie der Präsident am Dienstagabend mehrmals hervorhob.

Doch auch das könnte sich ändern. Immerhin droht dem kurzzeitigen Mitarbeiter Trumps jetzt eine lange Haftstrafe. Selbst wenn sich die Anklage dagegen entscheidet, ein neues Verfahren wegen der zehn Anklagepunkte anzustrengen, bei denen die Geschworenen diesmal nicht zu einem einhelligen Urteil kamen, wird Manafort abermals vor Gericht gestellt. Denn in einem zweiten Verfahren will Mueller ihm Behinderung der Justiz, Geldwäsche sowie Versäumnisse bei der Anmeldung von Lobbytätigkeiten für ausländische Mächte nachweisen. Sollte Manafort Informationen haben, die Mueller interessieren würden, so wäre dies eine gute Möglichkeit, sein Strafmaß zu drücken.

Den womöglich größten Trumpf allerdings hält Trump in den Händen: Der Präsident genießt ein beinah unumschränktes Begnadigungsrecht. Sowohl Cohens plötzlicher Eifer, mit Mueller zu sprechen, als auch Manaforts demonstrative Zurückhaltung könnten denn auch demselben Ziel dienen: Trump dazu zu bringen, ihre Verfahren mit einem Federstrich zu beenden, ob sei es aus Angst (vor Cohen) oder aus Dankbarkeit (für Manafort). Das politische Risiko einer solchen Vorgehensweise ist schwer kalkulierbar. Einzig Trump dürfte wissen, welche Gefahr ihm droht, wenn er es nicht tut und damit zulässt, dass Cohen und Manafort bei Mueller auspacken.Für das Publikum bettete Trump seine Wut am Mittwochmorgen in Sarkasmus. „Sollte jemand einen guten Anwalt suchen“, so schrieb der Präsident auf Twitter, „dann möchte ich stark dazu raten, nicht Michael Cohen zu verpflichten.“

Weitere Themen

„Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“ Video-Seite öffnen

Aktivisten unzufrieden : „Eine Mischung aus Vertagen, Verzagen und Versagen“

Der Klimaaktionstag hat allein in Berlin mehr als 100.000 Menschen auf die Straße geholt. Sie wollen einen schnellen Wandel der Politik – ernüchternd ist da das Klimaschutzpaket der großen Koalition. In Stockholm meldete sich Greta Thunberg per Videoübertragung zu Wort.

Topmeldungen

Klimastreik in Berlin : Rackete for Future

Beim großen Klimastreik in Berlin überlassen die Aktivisten von „Fridays for Future“ anderen die Bühne. Es sollte der Auftakt sein für ein breites gesellschaftliches Bündnis. Doch noch prallen Welten aufeinander.
Ihnen reicht der Kompromiss nicht: Wie in Berlin demonstrierten Hunderttausende

Kompromiss und Proteste : Was in der langen Nacht geschah

Erst war das Klimaschutzgesetz fast am Ende, dann kam der Protest – und dann stritt das Kabinett eine Nacht lang. Jetzt sonnt sich die Politik im Glanz der Einigung. Währenddessen dröhnt der Protest Hunderttausender.
Bittet zum Rapport: Gauland bei einem Wahlkampftermin in Thüringen

Streit in der AfD : Zum Vorsprechen bei Gauland

Die AfD-Führung zitierte am Freitag einige Unruhestifter zum Rapport – einer kam gar nicht erst, sondern schimpfte auf Facebook. Andere verkündeten den Frieden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.