https://www.faz.net/-gpf-9dl4o

Donald Trump unter Druck : Die Einschläge kommen näher

Im Klartext: Einen Tag, nach dem ein Video von 2005 öffentlich geworden war, auf dem Trump sich brüstete, dass er hübsche Frauen ungefragt und ungestraft „an der Pussy packt“ und der Republikaner-Kandidat als so gut wie erledigt galt, trat ein alter Freund von Trump an Cohen heran, nämlich der Medienunternehmer David Pecker. Er und der ihm unterstehende Chefredakteur des Sensationsblatts „National Enquirer“ brachten Cohen mit demselben Anwalt zusammen, der schon „Frau 1“, also das Model McDougal vertreten hatte, als sie ihre angeblich zehn Monate währende Sex-Affäre mit Trump aus dem Jahr 2006 versilbern wollte. Diesmal ging es um Stormy Daniels, die ebenfalls 2006 Sex mit Trump gehabt haben will. Cohen willigte ein, ihr 130.000 Dollar dafür zu bezahlen, dass sie nichts darüber sagt.

Offenbar tat er das aber nicht sofort danach. Am Abend des 25. Oktober, so die Anklageschrift, erhielt Cohen deshalb eine dringende Warnung vom „National Enquirer“. Die frühere Pornodarstellerin stehe kurz davor, ihre Geschichte einem anderen Haus zu verkaufen. Man müsse schnell etwas tun, sonst „könnte es für alle sehr übel aussehen“, habe die SMS gelautet. Cohen hatte bereits eine Briefkastenfirma gegründet und überwies Daniels nun umgehend 130.000 Dollar, die er aus einem persönlichen Kredit bezahlte, den er unter Vortäuschung falscher Tatsachen bei einer Bank erhalten hatte. Cohen verlangte die Erstattung des Betrags von Trumps Firma und sollte schließlich weit mehr als das Doppelte des geforderten Betrags erhalten.

„Guter Mann“: Donald Trump und sein einstiger Wahlkampfchef Paul Manafort bei einer Veranstaltung 2016

Bei Karen McDougal war es etwas anders gelaufen, aber auch hier war Cohen die zentrale Figur – auf Weisung seines Chefs Donald Trump, wie er nun unter Eid versicherte. Auf der Grundlage einer auf den Sommer 2015 datierten Abmachung zwischen Cohen und Pecker kaufte dessen Firma American Media im August 2016 die Exklusivrechte an McDougals Geschichte. Laut Anklageschrift und Cohens Schuldgeständnis war dem Model dabei bewusst, dass es nicht um eine Veröffentlichung, sondern im Gegenteil um die Unterdrückung der Story ging. Sie handelte nicht nur eine Zahlung von 150.000 Dollar aus, sondern erreichte ferner, dass sie auf zwei Magazintiteln zu sehen sein würde und mehr als hundert Artikel aus ihrer Feder veröffentlicht würden. Kurz danach sagte Cohen zu, dem Medienhaus die Veröffentlichungsrechte für 125.000 Dollar abzukaufen. Doch dann teilte Pecker mit, dass diese Vereinbarung nichtig sei, Cohen solle sie zerreißen. Der tat das nicht – ein schöner Fund für die FBI-Ermittler. Es ist in Amerika verboten, Kandidaten für politische Ämter Geld oder andere Leistungen im Wert von mehr als 2700 Dollar zukommen zu lassen. Unternehmen wie etwa das American Media dürfen Kandidaten gar nicht direkt unterstützen. Cohen hat Ersteres getan und Letzteres eingefädelt.

„Auf Weisung Trumps“

Er gestand nun ein, in beiden Fällen auf Weisung Trumps tätig geworden zu sein, „um die Wahl zu beeinflussen“ – und nicht etwa aus privaten Gründen, etwa um Trump die Peinlichkeit zu ersparen, seiner Frau Melania erklären zu müssen, warum er so kurz nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohns Barron angeblich mehrmals Sex mit fremden Frauen hatte. Das ist ein entscheidender Punkt, wenn es um die Frage geht, was Trump angelastet werden kann. Der 2008 gescheiterte demokratische Präsidentschaftskandidat Demokrat John Edwards wurde einst wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung angeklagt, weil zwei Gönner angeblich mehr als 900.000 Dollar aufgebracht hatten, um eine Mitarbeiterin zum Schweigen zu bringen, mit der er eine außereheliche Affäre hatte. Damals war das Geld aber viele Monate vor dem Beginn der Vorwahlen geflossen. Die Geschworenen kamen deshalb nicht einhellig zu dem Urteil, es habe sich um eine Wahlkampfausgabe gehandelt.

Weitere Themen

Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Supreme Court den Fall an sich ziehen.

Topmeldungen

Klage vor Supreme Court : John Majors Verachtung für Boris Johnson

Der frühere Premierminister John Major ging zu seiner Amtszeit nicht mit Samthandschuhen vor. Doch Boris Johnsons Mittel gehen ihm zu weit. Deswegen hat er sich der Klage gegen die Beurlaubung des Parlaments angeschlossen.
Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

F.A.Z.-Sprinter : Plötzlich kleinlaut

Trump, Netanjahu und Johnson kennt man großspurig. Doch plötzlich zögert Trump, kämpft Netanjahu um sein politisches Überleben und muss sich Johnson vor dem Supreme Court rechtfertigen. Alles Wichtige steht im F.A.Z.-Sprinter.
Die Talkrunde zum Thema Klimapolitik bei Frank Plasberg

TV-Kritik: Hart aber fair : Die Realität der Zwickmühle

Die Klimapolitik ist so verzwickt, dass es den üblichen Verdächtigen kaum noch gelingt, Einsicht in das Notwendige oder gar Verhaltensänderungen zu erreichen. Tatsächlich sehen einige das Format der Talkshow als Pranger für üble Phantasien.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.