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Diplomatische Verwicklungen : Doppelte Verstimmung im Kreml

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Grund für politischen Streit: Das Konzentrationslager Auschwitz. Bild: AFP

Erst wurde Putin nicht explizit zum Holocaust-Gedenken eingeladen, dann behauptete der polnische Außenminister, Ukrainer hätten Auschwitz befreit - zwischen Moskau und Warschau herrscht am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung tiefe Verstimmung.

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          Das Gedenken an den Holocaust wird nicht nur in Deutschland am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz begangen. Zwar hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ zum bundeseinheitlichen Gedenktag erklärt. Die Vereinten Nationen haben dann aber im Jahr 2005 nachgezogen und den „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ ausgerufen.

          In diesem Jahr findet eine Gedenkveranstaltung im Bundestag statt, bei der der Bundespräsident redet. Danach reist Joachim Gauck nach Auschwitz, wo die offizielle polnische Gedenkfeier an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 70 Jahren stattfindet.

          Diese Veranstaltung hatte schon im Vornherein für diplomatische Verstimmungen gesorgt, weil der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna gesagt hatte, es sei die Erste Ukrainische Front, also Ukrainer, gewesen, „die die Tore des Lagers öffneten und es befreiten“. Das russische Außenministerium reagierte darauf mit einer Stellungnahme, diese „Verhöhnung der Geschichte“ müsse „beendet werden“. Es sei „allgemein bekannt, dass Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde, in der alle Nationalitäten heroisch dienten“.

          Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat daraufhin in einem Fernsehinterview gesagt, es müsse verhindert werden, dass die Gedenkfeiern politisiert würden. Russen und Polen würden vermutlich noch lange politische Streitigkeiten über die Geschichte austragen, sagte er im Sender TVP. Es gebe aber „andere Gelegenheiten, die das für die gesamte Menschheit nötige Gedenken an die Grausamkeit des unmenschlichen Vernichtungssystems weniger gefährden“. Weiter sagte er, der Ersten Ukrainischen Front - deren 322. Infanteriedivision das Lager am 27. Januar 1945 befreite - hätten Soldaten vieler Nationen angehört: „Die größte Gruppe waren Russen. Und das muss man würdigen.“

          Diesem Streit waren schon diplomatische Unstimmigkeiten darüber vorausgegangen, ob der russische Präsident Wladimir Putin an der Gedenkfeier teilnimmt, zu der etwa 300 ehemalige Häftlinge und Politiker aus ungefähr 40 Ländern erwartet werden. Nach Angaben aus dem Kreml kommt Putin nicht, weil es aus Polen keine offizielle Einladung gegeben habe. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, die russische Botschaft in Warschau habe einen Brief erhalten, in dem gestanden habe: „Sie können kommen, wenn Sie wollen. Wenn Sie wollen, sagen Sie uns, wer erscheinen wird.“ Auf „diese Art Einladung“ müsse man nicht antworten, sagte Lawrow. Der polnische Außenminister sagte dazu im Sender Radio Zet, es sei eine Entscheidung des Internationalen Auschwitz-Komitees gewesen, die Einladung so offen zu formulieren, dass jeder Staat selbst entscheidet, wen er entsendet. Russland soll bei der Zeremonie nun vom Leiter der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow, vertreten werden. Wladimir Putin hält stattdessen im Jüdischen Museum in Moskau eine Grundsatzrede zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

          Eine weitere Gedenkveranstaltung findet in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt. Dort wird der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu am Abend bei einer anlässlich dieses Termins stattfindenden Ausstellungseröffnung zugegen sein.

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