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Diplomatische Irritationen : Powell: Saudi-Arabien ist kein Feind

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Nachdem aus dem Pentagon harte Kritik an Saudi-Arabien durchgesickert ist, versucht US-Außenminister Powell Riad zu beruhigen: Die Saudis seien Freunde, nicht Feinde.

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          Mit Telefon-Diplomatie hat sich US-Außenminister Colin Powell darum bemüht, das Verhältnis zu Saudi Arabien zu entspannen. Ein Sprecher des Außenministeriums in Washington sagte am Dienstag, Powell habe nach Berichten über scharfe Kritik am US-Verbündeten Saudi-Arabien bei einer Veranstaltung des Pentagon seinen Kollegen Prinz Saud el Faisal in Riad angerufen und ihm versichert, Präsident George W. Bush und die Regierung in Washington sähen Saudi-Arabien keinesfalls als potenziellen Feind an. Die Beziehungen zwischen Washington und Riad seien „exzellent", betonte der Sprecher.

          Die diplomatische Besänftigungsaktion war nötig geworden, nach dem die „Washington Post“ über den Vortrag berichtet hatte und informierte Kreise die harsche Kritik an Riad bestätigten. Danach hatte ein Vertreter der Rand-Corporation bei einem Treffen des Beraterstabs des Verteidigungsministeriums unter anderem erklärt, Saudi-Arabien finanziere den internationalen Terrorismus mit und müsse deshalb als ein „Feind der USA“ angesehen werden. „Die Saudis sind auf jeder Ebene der Terrorkette aktiv, von der Planung bis zur Finanzierung, vom Kader bis zum einfachen Fußsoldaten, vom Ideologen bis zum Anfeuerer", wurde der Experte zitiert.

          Rumsfeld: Schädliches Durchsickern von Informationen

          Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld betonte, es sei dies nur die Ansicht eines einzelnen Experten und nicht die des Gremiums oder gar der US-Regierung gewesen. Rumsfeld nannte das Durchsickern der Informationen unprofessionell und schädlich. Der Botschafter Saudi-Arabiens in Washington, Prinz Bandar bin Sultan, sprach von „Lügen", die auch durch Wiederholung keine Glaubwürdigkeit gewännen.

          Dem Beratergremium gehören unter anderem der frühere Außenminister Henry Kissinger, Ex-Vizepräsident Dan Quayle, die früheren Verteidigungsminister James Schlesinger und Harold Brown sowie frühere ranghohe Mitglieder des US-Senats und des Repräsentantenhauses an.

          Bei dem Berater-Treffen im Juli soll das mögliche militärische Vorgehen der USA gegen den Irak im Zentrum des Interesses gestanden haben. Saudi-Arabien gilt als Verbündeter der USA und hat sich im Antiterrorkrieg auf die Seite der Amerikaner gestellt. Allerdings haben sich die Saudis gegen einen Militärschlag zum Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein ausgesprochen.

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