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Dietmar Hopp : Ein Faible für Sanierungsfälle

  • -Aktualisiert am

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp Bild: FAZ-Foto Michael Dannenmann

Der Mann, der in den frühen Jahren von SAP im Unternehmen wegen seiner fürsorglichen Art "Vadder Hopp" genannt wurde, kümmert sich auch heute noch - um alles mögliche.

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          Der Mann, der in den frühen Jahren von SAP im Unternehmen wegen seiner fürsorglichen Art "Vadder Hopp" genannt wurde, kümmert sich auch heute noch - um alles mögliche. In den Finanzengagements des SAP-Mitgründers und Großaktionärs Dietmar Hopp eine Strategie oder ähnliches festzustellen fällt nicht leicht. Sie haben meist nur eines gemeinsam: Es sind Sanierungsfälle.

          Hopp, der sich als Unternehmer mit viel privater Zeit beschreibt, rettete eine Möbelfabrik. Er investiert in eine Biotechnologiefirma, in der schon der Insolvenzverwalter das Sagen hatte, und bewahrte die insolvente Walter-Marketing vor dem Aus. Walter ist ein Dienstleistungsunternehmen, dessen Beschäftigte Shampoo von L'Oréal oder Nivea-Creme von Beiersdorf in Supermärkten in Regale einräumen. Es geht mittlerweile das Gerücht, daß Hopps Telefonnummer bei Insolvenzverwaltern kursiert, die nach neuen Eigentümern ihrer Klienten suchen.

          Überregional noch sehr gut in Erinnerung ist Hopps Einstieg 1998 bei der damals schwer angeschlagenen Henninger-Brauerei, die später an Binding ging. Heute gehört Hopp aus der Henninger-Erbmasse Mannheims ältestes Unternehmen, die Eichbaum-Brauerei, auch ein ehemaliger Sanierungsfall. Bei Hopps Beteiligungen stößt neben der Häufung von Sanierungsfällen die Rolle von diversen Beratern und Bekannten auf, darunter Gastronomen, Diskothekenbesitzer oder Investoren aus der Bau- oder Immobilienbranche. Hopp besitzt das Schloßhotel Bühlerhöhe (gehörte einst Grundig). Er investiert in Ferienanlagen und Golfplätze.

          Unbedingt zu erwähnen ist Hopps Engagement als großzügiger Mäzen im Sport. Das kleine Dorf Hoffenheim, wo Hopp aufgewachsen ist, verdankt seinem Interesse am Fußball und seiner Großzügigkeit ein schmuckes Fußballstadion und eine vorbildliche Nachwuchsarbeit.Ähnliche Modelle fördert er beim Golf und beim Eishockey. Die Mannheimer Adler, früher nahe am Ruin, spielen seit der Hopp´ schen Hilfe an der Spitze mit. Damit das in Zukunft im richtigen Ambiente stattfindet, hat er der Stadt Mannheim eine rund 80 Millionen Euro teuere Multifunktionshalle zinslos vorfinanziert, in der auch Konzerte, Hauptversammlungen und Kongresse stattfinden sollen.

          Hopp, 64 Jahre alt und stark in der Region um seine Geburtsstadt Heidelberg verwurzelt, hilft gern, häufig und meist reichlich. Nach dem Hochwasser in Ostdeutschland vor zwei Jahren dürfte er mit einer kräftigen Millionenspende der größte private Helfer gewesen sein. Nicht einmal ein Dankeschön habe er von Politikern erhalten, sagte er später. Hopp, der als großzügig gilt, bei ihm nicht zu verwechseln mit gutmütig, ist aber auch keiner, der Dank erwartet.

          Seine bekannteste Rettungsaktion war die für den Finanzdienstleister MLP. Hopp hatte für den ehemaligen MLP-Chef Bernhard Termühlen mit 29 Millionen Euro gebürgt. Der sei sehr unter Druck gewesen, erzählte Hopp später. Die Banken wollten nicht mehr helfen. Die Hilfsaktion bei MLP hatte ein unwürdiges juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft, die seinerzeit gegen MLP wegen Bilanzfälschung ermittelte, vermutete Untreue hinter Hopps Hilfsaktion. Der wickelte die Bürgschaft nämlich über seine Stiftung ab, in der ein großer Teil seines Vermögens steckt (Stiftungsvermögen: 2,3 Milliarden Euro) und die vor allem die Kinderkrebsforschung fördert. Hopp geriet außer sich. "Einen Akt der Willkür" witterte er hinter dem Vorgehen, er werde als Krimineller hingestellt. So deutlich wird Hopp sonst nur auf dem Fußballplatz oder beim Eishockey, wenn er schon mal den Schiedsrichter anpflaumt. Die Ermittlungen gegen Hopp wurden später eingestellt. Übrig geblieben ist Hopps Stiftung "Pro Justitia", die sich um "strukturelle Mißstände bei Strafverfahren, vor allem in Wirtschaftsstrafsachen", kümmert. Eine Klage gegen die Mannheimer Staatsanwälte, von denen er sich vorgeführt fühlte, zog Hopp allerdings zurück. Seine vielfältige Hilfe begründete Hopp, der öffentlich stets bescheiden auftritt, aber auch zur Untertreibung neigt, selbst einmal mit sozialem Gewissen, ein anderes Mal mit der Rettung von Arbeitsplätzen. Wäre die Fusion zwischen Microsoft und SAP zustande gekommen, hätte er, nach eigenen Angaben, darauf gedrängt, daß SAP eine Firma mit Sitz in Deutschland geblieben und keine Stellen abgebaut worden wären. Wer Hopp kennt, weiß, daß er so etwas nicht nur dahinsagt.

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