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AfD im Höhenflug : Entscheidungssiege im Westen

Triumph in West und Ost: Die AfD-Spitzenpolitiker Beatrix von Storch, Frauke Petry und Albrecht Glaser am Wahlabend in Berlin. Bild: AFP

Im Westen und im Osten stärker als die SPD, zwei Direktmandate in Baden-Württemberg. Die rechtspopulistische AfD hat bei allen drei Landtagswahlen triumphiert. Das wird die Machtbalance innerhalb der Partei verändern. Eine Analyse.

          Bei der AfD pflegen sie das gleiche Ritual wie bei allen Parteien: Die Mitglieder versammeln sich am Wahlabend vor einem großen Fernsehbildschirm und jubeln, sobald die Ergebnisse für die eigene Partei aufscheinen – so es denn etwas zu feiern gibt. Im AQ Hostel in Berlin-Hohenschönhausen haben die vielleicht 200 AfD-Mitglieder oder – Anhänger am Sonntagabend eine Menge zu bejubeln.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erhält die Partei zweistellige Ergebnisse und zieht im Siegergefühl in beide Landtage ein. Im Südwesten holte die AfD gar zwei Mandate direkt - in Pforzheim von der CDU, in Mannheim verliert die einstige Volks- und Arbeiterpartei SPD einen ihrer letzten Wahlkreise an die neue Kraft rechts von der Union.

          Die stellvertretende Bundesvorsitzende und Berliner Landesvorsitzende Beatrix von Storch sagt, ihre Partei sei damit „keine Ostpartei mehr. Sie ist angekommen in den westdeutschen Flächenländern.“

          Das ist für die AfD wohl die entscheidende Nachricht dieses Wahlabends. Dass sie dennoch in den ostdeutschen Ländern besonders viel Unterstützung genießt, wird in Hohenschönhausen ebenfalls mit großem Beifall gefeiert, als das Ergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt auf dem Bildschirm gezeigt wird: mehr als zwanzig Prozent. Der Auftritt von Storch und dem zweiten Berliner Landeschef, Georg Pazderski, wird immer wieder von Sprechchören unterbrochen, „Merkel muss weg!“ und „AfD, AfD“.

          Die Wahlergebnisse bedeuten für die Partei mehr als nur drei weitere Trophäen in ihrer Sammlung. Die Erfolge in großen Flächenstaaten wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dürften auch innerhalb der Partei eine Machtverschiebung einleiten zugunsten der westdeutschen Landesverbände. Dort wird der rauhe Politikstil der östlichen Parteifreunde mitunter mit Kopfschütteln beobachtet. Dass nach der Gründung der Partei vor drei Jahren die ersten Landtagswahlen in Ostdeutschland stattfanden, bei denen die AfD in die Parlamente einzog, hatte nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Partei. Zwar gab es anschließend noch zwei Erfolge in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Das Ungleichgewicht aber blieb.

          Im Westen Freizeitpolitiker, im Osten Landtagsfraktionen

          Auf der einen Seite standen drei vollfinanzierte Landtagsfraktionen in Ostdeutschland, mit Sekretariaten, Referenten und Sprechern. Auf der anderen Seite standen die Freizeitpolitiker im Westen, deren Landesvorstandsmitglieder meist bürgerliche Berufe haben und erst nach Feierabend und an Wochenenden ihre Netzwerke pflegen können. Entsprechend oft war in der AfD im Westen die Einschätzung zu hören, der Osten habe seit den Wahlerfolgen beträchtlich an Schlagkraft gewonnen.

          • Baden-
            Württemberg
          • Rheinland-
            Pfalz
          • Sachsen-
            Anhalt

          Konkret bedeutet der Wahlabend deshalb einen Machtgewinn für den Baden-Württemberger Jörg Meuthen. Der AfD-Bundesvorsitzende war bei seiner Wahl in das Parteiamt vom Lager seiner Ko-Vorsitzenden Frauke Petry als einer der wenigen Gemäßigten unterstützt worden, die bereit waren, die zum Populismus gewendete AfD mitzutragen. Anfangs schien Meuthen noch sehr im Schatten der erfahreneren Petry zu stehen. Seit einiger Zeit aber gewinnt er an Profil. Regelmäßig forderte Meuthen eine Mäßigung der ostdeutschen Landesverbände, um seine Wahlchancen im bürgerlichen Baden-Württemberg zu sichern. Auch wenn Meuthen ohne Petry nie Parteivorsitzender geworden wäre, scheint er inzwischen über eine Machtbasis aus eigenem Recht zu verfügen.

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