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„Die Zerstörung der Presse“ : Stellungnahme zum Vorwurf falscher Berichterstattung

  • -Aktualisiert am

Der Youtuber Rezo Bild: SWR/ECO Media TV-Produktion

Der Youtuber Rezo wirft uns vor, zwei Drittel unserer Texte über ihn enthielten Fehler. Seine Vorwürfe sind in fast allen Punkten unberechtigt.

          16 Min.

          In seinem am 31. Mai 2020 veröffentlichten und bis zum 10. Juni 2020 gut 2,8 Millionen Mal abgerufenen Video „Die Zerstörung der Presse“ erhebt der Youtuber Rezo schwere Vorwürfe gegen die Medien im Allgemeinen und die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Speziellen. Angeblich seien 66,67 Prozent unserer Beiträge über ihn fehlerhaft; wir würden damit schlechter abschneiden als alle anderen der 36 in diesem Dokument erfassten beziehungsweise 20 näher untersuchten Publikationen. Doch auch einer Reihe von anderen Zeitungen wirft Rezo hohe „Falschbehauptungs-Quoten“ in der Berichterstattung über ihn vor. Zum Beispiel kommt er im Falle der „Welt“ auf einen Prozentsatz von 54,05 Prozent, im Falle der „Süddeutsche Zeitung“ auf 41,67 Prozent. Grundlage dieser Behauptungen ist eine Auswertung, bei der Rezo zunächst 1.788 Artikel aus 36 Medien erfasst hat, die im Jahr 2019 erschienen sind und das Wort „Rezo“ enthalten. Von diesen sortiert Rezo zunächst 1.377 in die Kategorien „Nur Erwähnung“, „Kurzmeldung“ und „Satire“ unterteilte Beiträge aus, in denen er nach seiner eigenen Wahrnehmung nur eine Nebenrolle spielt und die er deshalb nicht in seine Fehlerstatistik einbezieht. Von den verbleibenden 411 Beiträgen, die Rezo den Kategorien  „Quote“, „Zusammenfassung“, „Faktencheck“ und „Meinungsbeitrag“ zuordnet, entfallen 16 auf Produkte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von diesen 16 werden sodann 5 als fehlerfrei und 10 als fehlerhaft eingestuft; einer wird aus unerfindlichen Gründen nicht beurteilt und bei der Berechnung außer Betracht gelassen. 

          Es ist nicht erkenntlich, dass Rezo sich auf die Auswertung bestimmter FAZ-Titel beschränkt hätte – es tauchen Texte aus F.A.Z., F.A.S., Woche und von FAZ.NET auf. Über unsere gesamte Produktpalette (F.A.Z., F.A.S., Woche, FAZ.NET, Einspruch, Quarterly und Metropol) gab es im Untersuchungszeitraum aber nicht nur die von Rezo aufgezählten 70 (beziehungsweise als relevant betrachteten 16 beziehungsweise in die Berechnung einbezogenen 15) Texte, sondern 186. Die fehlenden Texte sind, jedenfalls teilweise, auch online abrufbar, beispielsweise hier. Eine tabellarische Übersicht der Erscheinungsorte findet sich hier.

          Schon die Einteilung der Texte in für die Fehlerstatistik relevante beziehungsweise irrelevante Kategorien ist an diversen, stichprobenartig untersuchten Stellen nicht nachvollziehbar. Beispielsweise geht dieser Newsletter, in dem diverse Spiegel-Texte jeweils kurz angeteasert werden, als (fehlerfreie) „Zusammenfassung“ in die Statistik ein. Auch dieser Text findet als (fehlerfreie) Zusammenfassung Eingang, obwohl Rezo dort, entgegen seinem erklärten Selektionskriterium, nur eine absolute Nebenrolle spielt. Umgekehrt taucht beispielsweise dieser FAZ-Text nicht in der Auswertung auf, obwohl sein alleiniges Thema Rezo und dessen CDU-Video ist.

          Bereits diese methodischen Mängel und Widersprüche führen zu erheblichen Verzerrungen in der Statistik.

          Darüber hinaus ist der Vorwurf angeblicher Falschbehauptungen gegenüber der F.A.Z. in der großen Mehrheit der Fälle unberechtigt. Einleitend stellt Rezo in diesem Zusammenhang klar, dass “Falschaussagen in Zitaten”, „Bewertungen“, „Konjunktiv-Formen“, „Definitions-Kleinigkeiten“, „Fragen“, „Framing“, „Sätze, die isoliert Falschbehauptungen darstellen, aber im Kontext absolut klar anders gemeint sind“, „Beleglose Behauptungen, zu denen niemand die Wahrheit kennt“, „sprachlich gekennzeichnete Spekulationen“ sowie das „Nahelegen einer Deutung“ nicht als Fehler im Sinne seiner Auswertung gelten sollen. 

          Dieser Vorgabe zum Trotz reißt Rezo oftmals Aussagen unserer Autoren aus dem Kontext, interpretiert subjektive Meinungsäußerungen als objektive Tatsachenbehauptungen, und bewertet diese dann auf Basis eines einseitigen subjektiven Verständnisses als falsch. Von den 10 Artikeln, die angeblich fehlerhaft sein sollen, können wir diesen Vorwurf lediglich bei 3 Artikeln nachvollziehen, wobei es sich in allen Fällen um marginale Fehler handelt. Diese haben wir inzwischen korrigiert.

          Schließlich haben wir sämtliche im Video kritisierten Medien gefragt, ob Rezo ihnen vorab Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hat. Nach dem bisherigen, noch nicht vollständigen Rücklauf der Antworten war dies bei keinem Medium der Fall, auch bei uns nicht. Bei einer Konfrontation mit den Vorwürfen, die eigentlich zur selbstverständlichen journalistischen Praxis zählen sollte, hätten sich viele von Rezos unzutreffenden Anschuldigungen sicherlich schon im Vorfeld ausräumen lassen. Stattdessen können wir, und kann etwa auch die Berliner Zeitung (“Der Youtuber arbeitet nicht seriös”) den massiven und rufschädigenden Vorwürfen nun erst nach ihrer Veröffentlichung entgegenzutreten. Wir haben vor der Veröffentlichung unserer Antwort umgekehrt Rezo ein Gespräch angeboten; von dieser Möglichkeit hat er keinen Gebrauch gemacht. 

          Nachstehend eine detaillierte Auflistung der angeblichen und tatsächlichen Fehler:

          1. Artikel: Rezo und die Folgen 

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Das wiederum überrascht nicht, sieht sich Rezo doch als Logiker. Und für einen solchen gibt es zunächst einmal nur eine Lesart: seine.“ -> nein, das ist ein falsches Verständnis von Logik. Es werden in verschiedenen logischen Systemen und Sprachen sowohl Unsicherheiten abgebildet als auch die Verwerfung von Schlussfolgerungen bei neuem Wissen (Nichtmonotonie). Das steht also im expliziten Widerspruch zur beleglosen FAZ Aussage. 

          b) „Vollständigkeit heiße, sein Argument sinnvoll zu führen und Fakten zu nennen.“ -> nein, ich habe ich nicht gesagt. 

          c) „Auch, was als „Fakt“ gilt, steht jenseits der Naturwissenschaften immer zur Debatte.“ -> nein, auf zwei Weisen: Auch in den Naturwissenschaften gibt es solche Fragestellungen (aber theoretisch ist das hier nicht zwangsweise ausgeschlossen) und jenseits der Naturwissenschaften steht es gar nicht "immer" zur Debatte. Dass es z.B. den zweiten Weltkrieg gab, steht für Historiker nicht zur Debatte.

          Unsere Einschätzung: Der Artikel enthält einen geringfügigen Zitierfehler. 

          a) Rezo sieht sich selbst als Logiker. Ob es für einen Logiker „zunächst einmal nur eine Lesart: seine“ gibt oder nicht, ist eine Frage subjektiver Wertung, die unser Autor so ohne Weiteres vornehmen konnte.

          b) Unser Autor bezieht sich hier auf ein Interview, das Rezo bei einer Konferenz des Deutschlanfunks gegeben hat. Dort sagt Rezo bei Spielzeit 31:34: „Vollständigkeit heißt, dein Argument sinnvoll zu führen und das richtig gut raus zu hauen und da Fakten zu zu kennen und das hab ich ziemlich gut durchgezogen.“ Unser Autor hat diese Aussage in indirekter Rede wiedergegeben und dabei statt „kennen“ „nennen“ gesagt. Insofern liegt hier in der Tat ein Fehler vor. 

          c) ist unproblematisch, denn tatsächlich steht außerhalb der Naturwissenschaften alles zur Debatte: Bekanntlich gibt es sogar Menschen, die behaupten, die Erde sei eine Scheibe oder die Regierung bestünde aus Echsenmenschen. Sicherlich findet sich auch jemand, der den 2. Weltkrieg anzweifelt. Dass dies gerade für Historiker streitig wäre, haben wir nirgends behauptet. Rezos Kritik zielt hier, ebenso wie an mehreren weiteren Stellen, auf Aussagen ab, die wir in dieser Form gar nicht getroffen haben.

          2. Artikel: Reden wir mal über eure Einflussnahme

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Der arg peinliche Versuch der CSU mit den „CsYou“-Videos ist für ihn aber nicht nur peinlich, sondern „ein ziemlich klarer Propaganda-Channel“, weil man darin auf Quellen verzichte." -> nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe stattdessen diese Beschreibung damit begründet, dass klassische Propaganda-Tricks verwendet werden wie z.B. dem Nutzen bildlicher Assoziationen zwischen den Personen, die man negativ darstellen möchte, und vermeintlich negativen Konokationen (siehe erste Folge)

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist einwandfrei.

          a) Unser Autor hat eine Aufnahme der Veranstaltung angefertigt. Darauf sagt Rezo unter anderem: 

          „Also dieser CSYou-Channel, das ist ein ziemlich klarer Propaganda-Channel, wo sie nicht mit Quellen kommen, wo sie nicht mit irgendwie klaren Ich-weis-irgendwas-nach oder Ich-will-irgendwas-Klares-zeigen, sondern wirklich einfach nur Trashtalk, ne. Einfach nur ‘Hier, übrigens steht da hmmhmmhmm’ und das ist halt so, also da denk ich mir: Egal ob’s in Textform ist oder da, es ist ein bisschen schon kritisch, wenn in dem Fall dann Leute aus den regierenden Parteien sozusagen Gelder dafür ausgeben, dass sie halt Meinungsmache ohne, also auf billigstem Level einfach Propaganda machen. Das weiß ich nicht, ob das so geil ist.“

          Diesen Satz hat unser Autor akkurat zusammengefasst. Später weist Rezo auf der Veranstaltung noch darauf hin, dass ihm auf dem CsYou-Kanal finanzielle Motive unterstellt worden seien. Es seien Slogans wie „Geld ist das Wichtigste auf der Welt“ eingeblendet und sein Name in der für eBay typischen Schriftart gezeigt worden, obwohl er mit eBay nichts zu tun habe. Das sei klassische Propaganda und „genau die Assoziationstechnik, die schon die Nazis hatten“. Diese Ausführungen haben wir nicht übernommen, da es in der Natur eines Veranstaltungsberichts liegt, dass nicht jeder Satz und jeder Teilaspekt einer Begründung lückenlos wiedergeben werden können.

          3. Artikel: Unsere fucking Zukunft

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Wer sieht, wie Jugendliche (oder auch Kinder) heute solche Videos [bezogen auf mein Video] konsumieren und wie sehr sie sich dank ihrer professionell inszenierten Authentizität mit Figuren wie Rezo identifizieren...“ -> nein, ich inszeniere das, was der Autor als authentisch bei mir empfindet, nicht. Er führt auch keinen Beleg an, an welcher Stelle eine solche Inszenierung bei mir stattfinden würde. Kann er auch nicht, weil es eine beleglose Falschaussage ist. 

          b) „Meist handelt es sich dabei [bezogen auf Reactions] um Videos, in denen sich Youtuber dabei filmen, wie sie Beiträge anderer Youtuber anschauen und dabei ihre gespielte Begeisterung, Verwirrung oder Konsterniertheit (Facepalm!) zum Ausdruck bringen.“ -> ähnlicher Fehler: Woher nimmt der Autor diese beleglose Spekulation?

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist einwandfrei

          a) Die Aussage wird von Rezo aus dem Zusammenhang gerissen. Sie beschreibt die gesamte Machart des CDU-Videos. Die „professionell inszenierte Authentizität“ ist eine Einschätzung des Autors über die optische Anmutung des Videos. Als subjektive Wahrnehmung (die, nebenbei bemerkt, von vielen Beobachtern geteilt wurde) ist sie zulässig.

          b) Der Satz bringt zum Ausdruck, dass unser Autor den Eindruck hat, die meisten Reaction-Videos auf Youtube seien gespielt. Dass wir dies für sämtliche Reaction-Videos der Welt tatsächlich (wie?) nachgeprüft hätten und somit als Tatsache feststellen wollten, ist eine abwegige Lesart des Satzes und fiele, selbst wenn man ihn so lesen wollte, unter das von Rezo definierte Ausnahmekriterium „beleglose Behauptungen, zu denen niemand die Wahrheit kennt“.

          4. Artikel: Er nervt, weil er muss

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Keine Wertung, eine nüchterne Beschreibung der Fakten.“ -> nein. Entweder der Autor spricht von meinem Anspruch, dann einfach nein, diesen „keine Wertung“-Anspruch habe ich für das Video niemals erhoben. Oder der Autor spricht von der Realität, also behauptet, dass das Video keine Wertung hätte. Das ist halt offensichtlicher Quatsch. 

          b) Die Behauptung, dass „Seine Anklage [...] Einspruch, Nachfragen, bloßes kurzes Nachdenken nicht vorsieht.“ -> nein. Was ich vorgesehen habe, habe ich in Interviews gesagt und es steht im Widerspruch zu dieser beleglosen Behauptung. 

          c) „...dass die Union seit vielen Jahren die größere Regierungspartei ist und damit laut Rezo verantwortlich für fast alles Übel.“ -> nein, das habe ich im Video nicht gesagt. Anspruch an Belege hätten einen solchen Fehler verhindert. 

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist einwandfrei. 

          a) Der einzelne Satz wird von Rezo aus dem Zusammenhang gerissen zitiert. Im Zusammenhang gesehen beschreibt die Autorin den Stil und die Machart des CDU-Videos („Alle Behauptungen belegt Rezo mit Quellen. Reine Objektivität. Keine Wertung, eine nüchterne Beschreibung der Fakten. Die wissenschaftlichen Studien und Links zu Experteninterviews laufen aber in solcher Vielzahl und Geschwindigkeit durchs Bild, dass es eine Weile dauert, sie zu prüfen, falls man sie prüft, und bis dahin ist das Video längst vorbei. Rezo machen seine Quellen unangreifbar, er sagt ja nur, was ist.“). Dies ist die Wahrnehmung der Autorin und als subjektiver Eindruck zulässig.

          b) Auch diesen Satz reißt Rezo aus dem Zusammenhang und gibt ihn verkürzt wieder. Es steht der Autorin selbstverständlich frei, die Machart des CDU-Videos so zu bewerten. Sie unterstellt Rezo auch keine Absicht. 

          c) Ebenfalls aus dem Zusammenhang gerissen. Auch mit der Formulierung „laut Rezo verantwortlich …“ fasst die Autorin die aus ihrer Sicht wesentliche Grundaussage des Videos bewertend (mit zutreffender Tatsachengrundlage) zusammen.

          5. Artikel: Rezo, der Geschäftsmann

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Nun gut, gänzlich umgesetzt hat der Youtuber Rezo nicht, was er in dem Video verspricht. Der Titel lautete „Die Zerstörung der CDU“ – und die Partei ist immer noch am Leben.“ -> nein, das habe ich im Video nicht versprochen. Ich habe sogar bei 1:20 genau das Gegenteil gesagt. 

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist einwandfrei. 

          a) Rezo sagt an der betreffenden Stelle (ab 1:12): „Ok, also dieses Video wird kein langweiliges Politikvideo. Das wird diesmal wirklich ein Zerstörungsvideo. Nicht, weil ich aktiv versuche, jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört.“ Der Satz unseres Autoren ist ironisch, süffisant und bewertet den Erfolg, die Bilanz des Videos anhand des von Rezo gewählten Titels.

          6. Artikel:  Eine Reichweite, von der mancher Sender nur träumen kann

          Rezos Einschätzung: 

          a) „wie Rezo und andere Youtuber sich im Internet präsentieren: als jugendliche Leute von nebenan“ -> nein, ich habe mich niemals als Jugendlicher dargestellt. Ich bin ein erwachsener Mann und habe einen Master abgeschlossen. Und sowas auch nie anders kommuniziert, insofern ist die Behauptung „Rezo präsentiert sich als jugendlicher Typ von nebenan“ einfach faktisch falsch. 

          b) „Und er ist ein Unternehmer, der nicht tagelang allein über Armutsstatistiken und Klimaberichten brütete, um CDU, CSU und SPD der „Inkompetenz“ zu überführen, sondern seine Mitarbeiter damit beauftragte und dafür bezahlte.“ -> nein, ich habe nur TJ damit beauftragt. 

          c) „Es war ein unternehmerisches Risiko, das Rezo abwägen musste: Würde er die Kosten eines solchen politischen Videos anderswo wieder erwirtschaften können?“ -> nein, wieso musste ich das? ich habe es nicht, insofern steht das im logischen Widerspruch zur Aussage, ich hätte es gemusst. Faktischer Fehler. 

          Unsere Einschätzung: Der Artikel enthält geringfügige Fehler.

          a) Gibt den subjektiven, auf Tatsachen gründenden Eindruck des Autors wider und ist insofern unproblematisch. 

          b) Rezo hat in einem Interview mit uns zur Entstehung des Videos wörtlich folgendes gesagt: „Das ist natürlich schon ein Ding, wo ein paar hundert Stunden reingehen. Ich hab jetzt die Zeit natürlich nicht gestoppt. Und an Kohle ist natürlich dann auch viel drauf gegangen, weil ich mache damit ja keinen Cent so, lol. Und natürlich, wenn ich meine Mitarbeiter dafür bezahle, dass auch die hunderte Stunden da reinstecken, natürlich hat das erstmal da Kosten, und es hat sogar noch mehr implizite Kosten, weil ich natürlich in derselben Zeit auch irgendwas hätte tun können, mit dem ich in irgendeiner Form Geld mache.“ Er hat also nach eigenen Angaben mehrere Mitarbeiter für die Arbeit an dem Video bezahlt. Er hat aber nicht spezifiert, worin genau diese Arbeit bestand. Wenn er nun einwendet, dass er angeblich nur einen Mitarbeiter mit der Recherche beauftragt habe (und auch dies nicht mit Blick auf die Klimastatistiken), müssen wir das so hinnehmen und haben den Satz daher korrigiert.

          c) Unser Satz besteht aus zwei Teilen: Hypothese bzw. Spekulation und offen gehaltene Frage. Die Formulierung der Spekulation bedarf keiner Rechtfertigung, sondern beschreibt die Denkweise eines Unternehmers. Da Rezo jedoch ausdrücklich angibt, er habe sich darüber keine Gedanken gemacht, halten wir an der Formulierung nicht fest.

          7. Artikel: Die neuen Herren der Ringe

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Was der CDU so große Probleme bereitet, ist schließlich nicht das Amateurhafte eines Youtubers, sondern dessen technische und inhaltliche Professionalität. Dazu gehört auch, sich zu verstellen“ -> nein, ich habe mich da nicht verstellt und daher liegt hier ein logischer Widerspruch vor. 

          b) „Die Fassade verdeckt, dass es sich um einen Unternehmer handelt, der sich beraten, sich zuarbeiten lässt und der genau kalkuliert.“ -> nein, insbesondere bei solchen Videos kalkuliere ich nicht genau. Ich hab nicht im Ansatz geplant, was das Video auslösen könnte. 

          c) „Zum Beispiel Rezo, der seine Kombination aus Politik und Wissenschaft für unantastbar hält“ -> nein, das halte ich nicht und hab das auch nie gesagt. Solche Fehler würden nicht passieren, wenn man den Anspruch an Belege hätte.

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist in Teilen spekulativ, aber zulässig.

          a) Dieser Satz ist aus dem Kontext gerissen. „Verstellt“ beinhaltet eine Wertung. Was der Autor mit „verstellt“ meint, legt er anschließend dar – und diese Tatsachengrundlage ist korrekt. 

          b) Rezo verfälscht den Sinn des Satzes dadurch, dass er ihn aus dem Zusammenhang reißt. Sinngemäß schreibt unser Autor: Es sieht so aus, als sei Rezo ein Einzelkämpfer (Amateur), tatsächlich ist er ein Unternehmer (Profi), der genau kalkuliert. Unser Autor behauptet nicht, dass Rezo gerade beim CDU-Video kalkuliert bzw. dessen Erfolg „geplant“ hat, wie Rezo schreibt.

          c) Hier handelt es sich erkennbar um eine Meinungsäußerung des Inhalts, dass unser Autor auf Basis des CDU-Videos den Eindruck hat, dass Rezo seine Kombination aus Politik und Wirtschaft für unantastbar hält. Bei der Lesart des Textes muss auch eingepreist werden, dass es sich hier um einen klar als solchen ausgewiesenen Kommentar handelt.

          8. Artikel: Rezos Videos – Jeder Like ein Armutszeugnis

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Was für Rezo zählt, ist der Eindruck, die Armen würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Dass Armut eine Frage der Definition ist und vom Durchschnittseinkommen abhängt — kein Wort darüber.„ -> nein, das ist falsch, siehe hier https://bildblog.de/110891/cdu-und-faz-widersprechen-rezo-mit-falschen-fakten/ 

          b) „Die „Reichen“ [...] sind nicht meistenteils Schmarotzer, wie das Video nahelegen will (weil das Vermögen mittlerweile zum größten Teil aus Erbschaften stamme)“ -> nein, das wollte das Video nicht nahelegen und das hab ich auch nie gesagt. 

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist im Ergebnis einwandrei.

          a) Hier geht es um eine statistische Spitzfindigkeit. Unser Autor schreibt, dass Armut vom Durchschnittseinkommen abhinge. Rezo verweist auf einen Bildblog-Artikel, demzufolge der Deutsche Paritätische Wohlfahrtverband seine Armutsdefinition am mittleren Einkommen (Median) ausrichte; so sähen es auch die statischen Ämter des Bundes und der Länder. Unser Autor hat aber keine Aussage darüber getroffen, nach wessen Definition Armut vom Durchschnittseinkommen abhänge. Im Übrigen handelt es sich hierbei um eine nach Rezos eigangs dargelegten Regeln vom Faktencheck ausgenommene „Definitions-Kleinigkeit“, zumal beide Werte (Durchschnittseinkommen und mittleres Einkommen) eng zusammenhängen und die Kernaussage unseres Autors – dass Armut eine Frage der Definition ist – in beiden Fällen dieselbe bleibt. 

          b) Wir haben auch nicht gesagt, dass Rezo dies gesagt hätte, sondern dass sein Video es unserem Eindruck nach nahelegen will. Dies ist eine Aussage über den subjektiven Eindruck, den das Video bei unserem Autor hervorruft. Dieser ist durch Rezos diverse Aussagen zur Bedeutung von Erbschaften bei der Wohlstandsverteilung mit einer Tatsachengrundlage gedeckt. Auch hier muss bei der Lesart des Textes zudem eingepreist werden, dass es sich um einen klar als solchen ausgewiesenen Kommentar handelt.

          9. Artikel: Das Rezo-Video im Faktencheck

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Am Anfang des Videos zeichnet Rezo das Bild von einem Land, in dem die Reichen immer reicher werden, die Armen dagegen immer ärmer und keine Chance haben, aufzusteigen.“ -> nein, dass es „keine Chance“ gibt wird in dem Video an keiner Stelle gesagt und die Behauptung steht im Widerspruch zu den Aussagen im Video 

          b) „Doch ohnehin spielt für das Klima nur zum Teil eine Rolle, was hierzulande passiert. Das lässt Rezo gänzlich unerwähnt“ -> nein, das steht im Widerspruch zu den expliziten Äußerungen im Video und den verlinkten Quellen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich gesagt, dass nur Deutschland an der Klimakrise Verantwortung trägt. Ich nenne andere Länder, ich nenne globale Zusammenhänge, ich nenne internationale Abkommen, die nicht nur von Deutschland unterzeichnet wurden etc. also ist die Behauptung faktisch falsch. 

          c) „Auch hier sind es Wissenschaftler, die seine Ausweitung auf alle Sektoren oder alternativ eine CO2-Steuer fordern. Darüber diskutieren CDU und SPD derzeit intensiv, das kategorische Nein hat es, anders als Rezo vorgibt, bislang nicht gegeben.“ -> nein, ich habe nicht vorgegeben, dass es keine Diskussionen darüber gibt. Ich habe auch nicht vorgegeben, jedes Mitglied in diesen Parteie würden kategorisch „nein“ sagen. Also klassicher Strohmann. 

          Unsere Einschätzung: Der Artikel enthält einen geringfügigen Fehler.

          a) Dass die Armen keine Chance hätten, aufzusteigen, hat Rezo tatsächlich nicht gesagt, auch wenn seine Darstellung vermittelt, dass dies für Arme jedenfalls erheblich schwerer ist. Streng nach dem Wortlaut ist unser Satz also unzutreffend, auch wenn die folgenden Sätze die Aussage kontextualisieren. Wir haben ihn entsprechend korrigiert.

          b) Den globalen Aspekt spricht Rezo vor allem an zwei Stellen an. Bei 17:14: „Das können wir nicht auf die anderen schieben, wir können nicht sagen: Die Chinesen sind dran schuld. Ne, wir haben unsere eigenen Ziele nicht eingehalten.“ und bei 18:32: „Andere Länder starten Initiativen und wollen die Krise viel mehr bekämpfen, und wir bremsen das aus und machen nicht mit.“ An beiden Stellen erwähnt er aber nicht explizit den Umstand, dass Deutschlands Beitrag zur Klimakrise nur gering ist. Umgekehrt insinuiert das Video an diversen Stellen einen ganz erheblichen Beitrag Deutschlands zur Krise (etwa, wenn es heißt, dass „der aktuelle Kurs von CDU und SPD unser Leben und unsere Zukunft zerstören werden“, 25:08). Die Aussage ist somit einwandfrei.

          c) Rezo behauptet in der Tat nicht ausdrücklich, dass CDU und SPD gerade zur CO2-Steuer kategorisch Nein gesagt hätten. Er erweckt jedoch den Eindruck, dass beide Parteien zu eigentlich allem nein sagen würden, was im Sinne einer Lösung der Klimakarise sinnvoll wäre, exemplarisch ab 15:02: „Die Wissenschaftler sind sich einig, dass wir so schnell wie möglich mit Kohle, Öl und so einem Shit aufhören müssen ... Ja Mensch, das ist doch super, dann können wir doch alles schaffen, wir können diese Umstellung super packen ... und die CDU und SPD müssen eigentlich nur das umsetzen, was die Wissenschaftler sagen ... Ja, das Ding ist: Machen se nicht. Es ist so traurig.“ Die Aussage unseres Autors stellt insofern eine wertende Zusammenfassung der Gesamtaussage dieses Teils des Videos dar.

          10. Artikel: Zerstörerisch

          Rezos Einschätzung: 

          a) „Aber ist es wirklich „Recherche“, wie Rezo uns glauben machen will, oder auch nur „Beschäftigung“ mit Politik, wenn Politiker pauschal als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden“ -> nein, ich habe nicht gesagt, dass es Rercherche ist, wenn Politiker pauschal als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden. Ich habe gesagt, dass meine Recherche Recherche ist. So eine Aussage wäre ja auch per Definition Quatsch: Darstellungen, egal ob meine oder die von anderen und egal ob meine in der Realität oder „meine“ im Kopf von Jasper, können doch im besten Falle nur das Resultat von Recherche sein und niemals Recherche selbst. Unabhängig davon habe ich aber eine solche Aussage niemals gemacht und wollte das auch niemanden glauben machen, insofern faktischer Fehler.

          Unsere Einschätzung: Der Artikel ist an dieser Stelle nicht ideal formuliert, aber im Ergebnis nicht zu beanstanden. 

          a) Dass es „Recherche“ sei, „wenn Politiker als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden“, ist in der Tat eine abwegige Vorstellung. Tatsächlich ist die Vorstellung aber so abwegig, dass für jeden Leser klar erkennbar sein dürfte, dass der Satz so nicht gemeint sein kann und auch nicht so gemeint ist. Tatsächlich stellt unser Autor die (rhetorische) Frage, ob der Eindruck (scheinbarer) Wissenschaftlichkeit und Objektivität, den Rezo mit seiner betont umfassenden Recherche nach Auffassung unseres Autors zu erzeugen sucht, und die Darstellung von Politikern als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen sich nicht widersprechen. Dass dies ein Widerspruch sei, ist wiederum eine subjektive, zulässige Wertung unseres Autors.

          Fazit:

          Rezos Behauptungen über angebliche Fehler in unserer Berichterstattung sind zum Großteil unrichtig und betreffen im Übrigen Marginalien, die wir inzwischen korrigiert haben. An vielen Stellen reißt Rezo einzelne Sätze aus dem Zusammenhang und interpretiert kritische, aber selbstverständlich zulässige Meinungsäußerungen unserer Autoren als (angeblich unwahre) Tatsachenbehauptungen. Es ist somit nicht verwunderlich, dass ausgerechnet diejenige Zeitung, die Rezo und sein CDU-Video 2019 wohl am häufigsten und heftigsten kritisiert hat, in seiner Statistik die höchste Quote solcher angeblichen „Fehler“ aufweist – wobei bei der Berechnung dieser Quote auch zahlreiche weitere verfälschende Effekte hinzutreten, die eingangs dargestellt wurden. 

          Teile von Rezos allgemeiner Medienkritik halten wir für durchaus berechtigt, und wir begrüßen es, wenn unethische oder unsaubere journalistische Methoden kritisch hinterfragt werden, auch wenn wir die an mehreren Stellen im Video erfolgte Gleichsetzung mit den Argumentationsmustern von Verschwörungstheoretikern für grotesk und selbst vertrauensschädigend halten. 

          So war die auf Twitter erfolgte Äußerung des Innenpolitikchefs dieser Zeitung, Rezo habe sein Video „Die Zerstörung der CDU“ für einen Werbekonzern gedreht, der im Impressum seines Youtube-Kanals genannt wird, zwar eine irrige Vermutung bzw. irreführende Behauptung, aber sicherlich keine Verschwörungstheorie. Absicht des Tweets war eigentlich, auf ein Interview-Porträt über Rezo aufmerksam zu machen, in dem Rezo selbst auf die Gefahren hinweist, denen er sich aussetze, wenn er „Wahlwerbung“ betreibe: Ihm sei sehr bewusst, so hieß es in dem Text von 2017, dass er seine jungen Fans „manipulieren“ könne. Der Artikel war allerdings in einem dubiosen, weil verschwörungstheoretisch orientierten Video eingeblendet worden, das der Tweet verlinkte. Auch deshalb wurde der Tweet binnen weniger Tage gelöscht. Dass er gleichwohl noch ein Jahr später zitiert wird, um den Innenpolitikchef und mittelbar die ganze Zeitung in Misskredit zu bringen, spricht für sich. 

          Im Übrigen fällt es schwer, das angeblich noble Ziel des Videos ernst zu nehmen, wenn Rezo eben jene manipulativen Techniken, die er zu entlarven vorgibt, zugleich selber einsetzt, um rufschädigende Unwahrheiten gerade über das Medium zu verbreiten, das besonders kritisch über ihn berichtet hat. 

          Die aufgezeigten Widersprüche können beim Ansehen des Videos in der Flut von hunderten Quellen zunächst leicht untergehen, werden bei einer kritischen Überprüfung von Rezos Behauptungen aber schnell sichtbar. Dass Medien, die im Video deutlich besser wegkommen, auf eine solche Recherche offenbar verzichtet haben und beispielsweise behaupten, es stimme alles, was er sage, und seine Recherchen seien „tadellos“, nehmen wir erstaunt zur Kenntnis.

          Das Video und seine Rezeption sind somit tatsächlich ein gelungenes Lehrstück über Mechanismen der Meinungsmache und Manipulation zum eigenen Vorteil – allerdings nicht in dem von Rezo beabsichtigten Sinne.

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