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„Die Zerstörung der Presse“ : Stellungnahme zum Vorwurf falscher Berichterstattung

Der Youtuber Rezo Bild: SWR/ECO Media TV-Produktion

Der Youtuber Rezo wirft uns vor, zwei Drittel unserer Texte über ihn enthielten Fehler. Seine Vorwürfe sind in fast allen Punkten unberechtigt.

          16 Min.

          In seinem am 31. Mai 2020 veröffentlichten und bis zum 10. Juni 2020 gut 2,8 Millionen Mal abgerufenen Video „Die Zerstörung der Presse“ erhebt der Youtuber Rezo schwere Vorwürfe gegen die Medien im Allgemeinen und die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Speziellen. Angeblich seien 66,67 Prozent unserer Beiträge über ihn fehlerhaft; wir würden damit schlechter abschneiden als alle anderen der 36 in diesem Dokument erfassten beziehungsweise 20 näher untersuchten Publikationen. Doch auch einer Reihe von anderen Zeitungen wirft Rezo hohe „Falschbehauptungs-Quoten“ in der Berichterstattung über ihn vor. Zum Beispiel kommt er im Falle der „Welt“ auf einen Prozentsatz von 54,05 Prozent, im Falle der „Süddeutsche Zeitung“ auf 41,67 Prozent. Grundlage dieser Behauptungen ist eine Auswertung, bei der Rezo zunächst 1.788 Artikel aus 36 Medien erfasst hat, die im Jahr 2019 erschienen sind und das Wort „Rezo“ enthalten. Von diesen sortiert Rezo zunächst 1.377 in die Kategorien „Nur Erwähnung“, „Kurzmeldung“ und „Satire“ unterteilte Beiträge aus, in denen er nach seiner eigenen Wahrnehmung nur eine Nebenrolle spielt und die er deshalb nicht in seine Fehlerstatistik einbezieht. Von den verbleibenden 411 Beiträgen, die Rezo den Kategorien  „Quote“, „Zusammenfassung“, „Faktencheck“ und „Meinungsbeitrag“ zuordnet, entfallen 16 auf Produkte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von diesen 16 werden sodann 5 als fehlerfrei und 10 als fehlerhaft eingestuft; einer wird aus unerfindlichen Gründen nicht beurteilt und bei der Berechnung außer Betracht gelassen. 

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Es ist nicht erkenntlich, dass Rezo sich auf die Auswertung bestimmter FAZ-Titel beschränkt hätte – es tauchen Texte aus F.A.Z., F.A.S., Woche und von FAZ.NET auf. Über unsere gesamte Produktpalette (F.A.Z., F.A.S., Woche, FAZ.NET, Einspruch, Quarterly und Metropol) gab es im Untersuchungszeitraum aber nicht nur die von Rezo aufgezählten 70 (beziehungsweise als relevant betrachteten 16 beziehungsweise in die Berechnung einbezogenen 15) Texte, sondern 186. Die fehlenden Texte sind, jedenfalls teilweise, auch online abrufbar, beispielsweise hier. Eine tabellarische Übersicht der Erscheinungsorte findet sich hier.

          Schon die Einteilung der Texte in für die Fehlerstatistik relevante beziehungsweise irrelevante Kategorien ist an diversen, stichprobenartig untersuchten Stellen nicht nachvollziehbar. Beispielsweise geht dieser Newsletter, in dem diverse Spiegel-Texte jeweils kurz angeteasert werden, als (fehlerfreie) „Zusammenfassung“ in die Statistik ein. Auch dieser Text findet als (fehlerfreie) Zusammenfassung Eingang, obwohl Rezo dort, entgegen seinem erklärten Selektionskriterium, nur eine absolute Nebenrolle spielt. Umgekehrt taucht beispielsweise dieser FAZ-Text nicht in der Auswertung auf, obwohl sein alleiniges Thema Rezo und dessen CDU-Video ist.

          Bereits diese methodischen Mängel und Widersprüche führen zu erheblichen Verzerrungen in der Statistik.

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