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Papstwahl : Vierter Wahlgang – alle blicken auf den Schornstein

Noch ist kein Papst gewählt: Über der Sixtinischen Kapelle in Rom steigt nach dem zweiten und dritten Wahlgang schwarzer Rauch auf Bild: AFP

Spannung auf dem Petersplatz: Im vierten Wahlgang versuchen die 115 Kardinäle, einen neuen Papst zu bestimmen. Noch steigt kein Rauch aus dem Schornstein über der Sixtinischen Kapelle.

          Die Kardinäle in Rom haben sich bis zum Mittag des zweiten Konklavetages noch nicht auf einen neuen Papst verständigt. Nach dem zweiten und dritten Wahlgang am Mittwochvormittag stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle schwarzer Rauch auf - als Zeichen dafür, dass kein Kandidat die nötige Zweidrittelmehrheit auf sich vereinen konnte.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Am späten Nachmittag sind bis zu zwei weitere Wahlgänge geplant. Mit einer “fumata“ wird spätestens gegen 19  Uhr zu rechnen sein. Bis zum Beginn der neuen Abstimmungen stehen Mittagessen und -ruhe auf dem Programm. Allerdings bieten die gemeinsame Mahlzeit und die lange Pause den Kardinälen auch die Gelegenheit, sich über Kandidaten zu unterhalten und Absprachen zu treffen. Wann der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. feststeht, ist offen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Kardinäle noch in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen.

          Erst weißer Rauch zeigt an, dass der 266. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gewählt worden ist. Ein erster Wahlgang fand am Dienstagabend in der streng von der Außenwelt abgeschotteten Sixtinischen Kapelle statt. Er sollte als eine Art Probeabstimmung zeigen, ob sich schon eine größere Gruppe von Kardinälen auf einen oder mehrere Kandidaten geeinigt hätten. In den einwöchigen Beratungen vor Beginn des Konklaves hatte sich kein Kardinal als künftiger Papst aufgedrängt. Überhaupt zeigt die Geschichte der Konklave, dass sie nicht einem vorgegebenem Muster folgen.

          Immer neue Facetten des Petrusamtes

          Überhaupt ist nichts beständiger als der Wechsel - auch in der katholischen Kirche. Schon in den verschiedenen Papstgestalten des 20. Jahrhunderts - von dem eifernden Pius X. über den irenischen Benedikt XV., den zunehmend autistischen Pius XII. bis zu den charismatischen Päpsten Johannes XXIII. und Johannes Paul II. - spiegeln sich immer neue Facetten des Petrusamtes.

          Nicht weniger spannungsreich verliefen die Wahlversammlungen, aus denen die Päpste hervorgingen. Meist standen sich während des sogenannten Vorkonklaves mehrere Parteien gegenüber, die ungleich verbissener als heute um die Macht in Rom und über die Kirche kämpften. Selten machte einer der Vorkämpfer das Rennen. Die Dynamik der Papstwahl bestand zumeist darin, dass sich die Parteiungen schnell auflösten und ein Dritter aus dem Konklave als Papst hervorging.

          Die 115 Kardinäle versammeln sich abermals in der Sixtinischen Kapelle zur Wahl des neuen Papstes - noch immer gibt es offenbar keine eindeutige Favoriten

          Keine Regel ohne Ausnahme. Wie Joseph Kardinal Ratzinger im April 2005 ging im 20. Jahrhundert zweimal ein Kardinal als Papst in das Konklave und kam nicht wieder als Kardinal heraus. So geschehen mit dem langjährigen Diplomaten und Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, der bei seiner Wahl am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als einziger Kardinal im Rufe stand, die Kirche inmitten der Stürme der Zeit leiten zu können. Pacelli regierte als Pius XII. bis 1958. Als er starb, hatte er seit mehreren Jahren keinen Kardinalstaatssekretär ernannt und auch keine neuen Kardinäle. Bis heute ist er der Papst des 20. Jahrhunderts, über dessen Regierungsführung am kontroversesten diskutiert wird.

          In innerkirchlich kaum ruhigeren Zeiten wurde Kardinal Giovanni Battista Montini zum Papst gewählt. Papst Johannes XXIII. war 1963 verstorben, wenige Monate nach dem Beginn des II. Vatikanischen Konzils. Das Kardinalskollegium, das es sich trotz des Konzils nicht nehmen ließ, den Papst zu wählen, einigte sich schnell auf den Erzbischof von Mailand. Montini bot die Gewähr, den Kurs der Öffnung fortzuführen, den das Konzil eingeschlagen hatte, ohne die skeptische Minderheit auf diesem Weg zurückzulassen. Als Papst wählte Montini ungewöhnlicherweise einen Apostelnamen: Er wurde der sechste mit Namen Paul und sollte bis 1978 regieren. Als er starb, hatte er durch die Erhöhung der Zahl der wahlberechtigten Kardinäle auf 120, die Verleihung der Kardinalswürde an die Patriarchen der mit Rom unierten Ostkirchen sowie die gegen massiven Widerstand durchgesetzte Begrenzung des aktiven Wahlrechts auf die Kardinäle unter 80 Jahren dem Konklave die innere Gestalt gegeben, die es heute hat.

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