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Papstwahl : „Man spürt, dass hier etwas Historisches passiert“

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Begegnung mit Benedikt: Christian Baron (zw. v. r.) und Freunde in Rom Bild: privat

Christian Baron aus Schwäbisch-Gmünd ist Mitglied der sogenannten Generation Benedikt, einem Netzwerk junger Katholiken. Auf dem Petersplatz wartet er auf den weißen Rauch.

          Herr Baron, gerade ist zum zweiten Mal schwarzer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle aufgestiegen. Sie standen mitten in der Menge auf dem Petersplatz. Wie haben Sie den Moment erlebt?

          Hier auf dem Platz sind immer einige Tausend Menschen. Am Dienstagabend, beim ersten Wahlgang, haben eigentlich alle nur auf den ersten Rauch gewartet, darauf, dass es richtig losgeht. Wir ahnten ja, dass noch nicht mit einem Ergebnis zu rechnen ist. Als dann der Rauch aufgestiegen ist, waren alle irgendwie erleichtert. Jetzt steigt so langsam die Spannung. Benedikt XVI. ist im vierten Wahlgang gewählt worden, jetzt könnte es also bald so weit sein. Das spüren Sie hier auf dem Platz, das ist eine ganz elektrisierende Stimmung.

          Der Rauch ist dieses Mal ganz eindeutig schwarz gewesen. Bei der Wahl von Benedikt XVI. war das anders.

          Ich war bei der Wahl Benedikts auch in Rom. Damals kam nach dem allerersten Wahlgang zuerst weißer Rauch aus dem Schornstein. Wir konnten es gar nicht glauben, waren schon voller Adrenalin. Aber dann ist der Rauch immer dunkler geworden bis er schließlich ganz schwarz war. Jetzt ist der Rauch pechschwarz, ein ganz eindeutiges Signal.

          Nimmt Ihnen das nicht auch ein bisschen die Spannung?

          Überhaupt nicht. Hier sind alle froh, wenn sie Klarheit haben und nicht lange rätseln müssen, ob wir einen neuen Papst haben oder nicht.

          Warten vor dem Vatikan: Wann heißt es „Habemus Papam“?

          Sie waren am Dienstagmorgen auch in der Messe im Petersdom. War das ein besonderer Gottesdienst?

          Ja, das war ja die Messe Pro Eligendo Romano Pontifice, die letzte Messe vor dem Einzug der Kardinäle ins Konklave. Ich hatte einen guten Platz im hinteren Drittel am Mittelgang, da ziehen die Kardinäle direkt vorbei. Und Sie blicken ihnen in die Gesichter und wissen, einer von denen wird der neue Papst. Viele Kardinäle haben ein ernstes Gesicht gemacht, manche ein nachdenkliches, viele haben auch beim Einzug und beim Auszug noch gebetet. Man hat gemerkt: Die wissen, jetzt wird’s ernst. Auch auf dem Petersplatz spürt man, dass hier etwas Historisches passiert. Jedes Mal, wenn das vatikanische Fernsehen den Schornstein der Sixtinischen Kapelle ins Bild nimmt, füllt sich der Platz. Dann kommt man mit Menschen aus aller Welt ins Gespräch, aus Chile, Russland, Malta, Rumänien, Frankreich und Amerika. Das ist Weltkirche.

          Gibt es dann auch Diskussionen, woher der nächste Papst kommen könnte?

          Die Spekulation, aus welchem Land der nächste Papst kommt, findet mehr in den Medien statt. Auf dem Petersplatz spielt das keine große Rolle. Als am Dienstagvormittag die Messe begann, haben wir alle gemeinsam den Rosenkranz gebetet. Hinter mir standen Franzosen, neben mir jemand aus Boston. Die verschiedenen Nationen sind gemeinsam im Glauben vereint. Hier in Rom geht es mehr darum, welche Perspektive ein neuer Papst mitbringt. Die kirchlichen Herausforderungen sind in jedem Teil der Welt ganz andere - der Papst muss sie alle im Blick haben.

          Was erwarten Sie denn von einem neuen Papst?

          Meine Hoffnung ist, dass er Charisma mitbringt, also den Menschen die christliche Botschaft vermittelt. Und er muss authentisch sein. Die Favoriten, die derzeit gehandelt werden, erfüllen aus meiner Sicht alle diese Kriterien.

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          Sie waren 2005 auch in Rom, als Benedikt XVI. gewählt wurde. Haben Sie das Konklave damals anders wahrgenommen als heute?

          Es gibt mehrere Dinge, die heute anders sind. Zum einen war das Konklave 2005 noch stark geprägt von der Trauer um Johannes Paul II. Die Kirche stand nach diesem langen Pontifikat vor einem großen Umbruch. Außerdem war es das erste Konklave seit 1978. Viele wussten nicht, wie diese besondere Wahl abläuft. Jetzt kennen wir das Verfahren. Und ein dritter Punkt: Wir hatten beim letzten Mal wesentlich schöneres Wetter. Am Dienstag haben sich Hagel und Gewitter abgewechselt, jetzt regnet es in Strömen.

          Sie haben Benedikt XVI. auch mal persönlich getroffen.

          Wir waren 2010 mit der „Generation Benedikt“, einem Netzwerk junger Katholiken in Deutschland und anderen Ländern, in Rom. Benedikt hat damals eine Generalaudienz gegeben, und drei von uns hatten die Chance, dem Heiligen Vater in der prima fila, der ersten Reihe, zu begegnen. Er kannte unsere Gruppe auch, schließlich hat er unserem Buch „Generation Benedikt“ ein Vorwort vorangestellt. Es war kein langes Gespräch, eher eine Begrüßung und ein kleiner Wortwechsel, aber es war ein besonderer Moment. Sie blicken in das Gesicht eines großen Gelehrten, Sie sehen den Nachfolger des Apostels Petrus, und Sie sehen das Oberhaupt einer Weltreligion, der Sie auch angehören. Das war sehr bewegend.

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          Was glauben Sie, wann wird das nächste Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt sein?

          Mein Rückflug geht am Samstag. Ich habe gelesen, dass seit 157 Jahren kein Konklave länger gedauert hat als 15 oder 16 Wahlgänge, von daher könnte es am Donnerstag oder Freitag ein Ergebnis geben. Wenn nicht, muss ich den Flug eben verschieben.

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