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Papstwahl : Die Stimmen der Deutschen

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Vor dem Einzug in die Sixtinische Kapelle kamen die Kardinäle am Morgen im Petersdom zur Wahl-Messe „Pro Eligendo Romano Pontifice“ zusammen Bild: dpa

Sie sind nicht Papst, aber sie wählen ihn: Paul Josef Cordes, Walter Kasper, Karl Lehmann, Reinhard Marx, Joachim Meisner und Rainer Maria Woelki sind bei der Wahl des Nachfolgers des deutschen Papstes stimmberechtigt.

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          Sechs deutsche Kardinäle sind zur Wahl des Nachfolgers des deutschen Papstes berechtigt. Mitnichten bilden sie einen einheitlichen Block. Von Herkunft und Haltung her sind sie so verschieden wie die Katholiken in Deutschland.

          Paul Josef Cordes: Beim Zahnarzt

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Für einen Kardinal ist die Wahl eines Papstes ein Höhepunkt seines Lebens. Paul Josef Kardinal Cordes aber verglich dieser Tage das Konklave mit dem Besuch beim Zahnarzt. „Den möchte man schnell hinter sich bringen“, sagte er auf seine typisch trockene Art. Dabei ist dieses Konklave für Cordes das erste; denn er wurde erst 2007 von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal kreiert, und Cordes kann nur ahnen, was ihn erwartet: „Was ich über ein Konklave weiß, stammt aus mittelmäßigen Filmen.“

          Blickt der Wahl nüchtern entgegen: Kardinal Paul Josef Cordes

          Cordes wurde 1934 in Kirchhundem im Sauerland geboren, 1961 zum Priester geweiht und 1976 Weihbischof im Erzbistum Paderborn. Johannes Paul II. ernannte ihn 1980 zum Vizepräsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien. In dieser Funktion wurde Cordes einer der Väter der Weltjugendtage. Gerne wäre er Bischof einer deutschen Diözese geworden; aber da waren viele Domkapitel vor. Johannes Paul II. machte ihn stattdessen zum Präsidenten des Päpstlichen Sozialrates Cor Unum. Im Jahr 2010 nahm Benedikt XVI. sein Rücktrittsgesuch aus Altersgründen an. Als Chef von Cor Unum machte Cordes immer wieder deutlich, dass sich der religiöse Dienst am Nächsten unterscheiden müsse von säkularer Sozialarbeit: Hilfe am Nächsten sei Gottesdienst, sagt Cordes.

          Walter Kasper: Unabhängig loyal

          Walter Kardinal Kasper ist der älteste Kardinal im Konklave. Am Stichtag für das Recht auf Teilnahme, dem Beginn der Sedisvakanz am 28. Februar, war der am 5. März 1933 in Heidenheim an der Brenz geborene Kardinal noch nicht 80 Jahre alt. Nun muss er seine Geburtstagsfeiern der Suche nach Benedikts Nachfolger opfern. Immerhin könnte Kasper dem Konklave einen Schub geben. Er war von 2001 bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und damit „Ökumeneminister“; er lenkte auch den Dialog mit den Juden, und so ist er in der Weltkirche bekannt. Kasper steht für das lebendige Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils.

          Der älteste Wähler: Kardinal Walter Kasper feierte kurz nach Beginn der Sedisvakanz seinen 80. Geburtstag

          Die Kardinäle schätzen seinen Rat, weil er trotz dieser Leitungsfunktion ein gewissenhaft arbeitender Systematiker blieb, der zeit seines Lebens theologische Standardwerke schrieb. Zudem war Kasper ein Jahrzehnt Teil der Kurie, passte sich dem italienisch geprägten Hof nie an, sondern drang stets auf eine Reform. Kasper blieb auch gegenüber Benedikt unabhängig, mit dem er bisweilen über Fragen der Theologie wie in der Führung der Kirche uneins war; aber er diente ihm loyal, auch dafür wird er geachtet. Kasper studierte Theologie und Philosophie in Tübingen und München, wurde 1957 in Rottenburg zum Priester geweiht, lehrte als Dogmatiker in Münster und Tübingen, bis er 1989 zum Bischof von Rottenburg-Stuttgart gewählt wurde. 1999 holte ihn Johannes Paul II. nach Rom und kreierte ihn 2001 zum Kardinal.

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