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Papst-Wahl : Reform an den Gliedern des Hauptes

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Viele hoffen, dass Benedikts Nachfolger jünger, energisch und durchsetzungsstark, politisch versierter und offener im Umgang mit den Medien ist. Konservative wie liberale Kardinäle fordern aber vor allem einen Papst, der endlich die vatikanische Kurie reformiert.

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          Kaum ein Wort fiel im Vorkonklave so oft wie das der Kurienreform. In ihren kurzen Beiträgen sprachen die Kardinäle in den Generalkongregationen der vergangenen Woche über die Neuevangelisierung, die Kirche in China, den Islam, die Rolle der Frauen in der Kirche und den Kampf gegen Missbrauch. In den letzten Versammlungen wurde dann über das gewünschte Profil des neuen Papstes geredet. Manche forderten einen Theologen mit geistlicher Tiefe wie Benedikt XVI.; viel mehr Kardinälen aber war die physische Stärke wichtiger: Benedikts Nachfolger müsse jünger sein, energisch und durchsetzungsstark, politisch versierter und offener im Umgang mit den Medien, hieß es.

          Konservative wie liberale Kardinäle fordern aber vor allem einen Papst, der endlich die vatikanische Kurie reformiert. Der amerikanische Kardinal Sean Patrick O’Malley wurde mit der Aussage zitiert, Benedikt XVI. habe sein Pontifikat nicht mehr „vor der Kurie retten“ können. Seine theologische Botschaft sei in den Nachrichten über Hass und Missgunst untergegangen. Dabei bezogen sich er und andere nicht nur auf den vertraulichen Bericht der drei emeritierten Kurienkardinäle, die für Benedikt XVI. die Hintergründe der „Vatileaks“-Affäre aufklärten und dabei auf ein Netz von Korruption und Verdächtigungen im Kurienklerus stießen.

          Ein Wechsel an der Spitze macht noch keine Reform

          Sie meinten auch nebulöse Machenschaften im Governatorat, in der Staatsverwaltung der Vatikanstadt, und in der Stiftung für religiöse Werke, der „Vatikan-Bank“ IOR. Es war bezeichnend, dass Kardinal Tarcisio Bertone, der Vorsitzende des IOR-Aufsichtsrates, in der letzten Sitzung der Kardinäle noch einmal darüber berichten musste, wie das jahrzehntelang mit schwarzen Kassen operierende Institut seit einem Jahr unter deutscher Leitung und schweizerischer Kontrolle den internationalen Standards der Transparenz angepasst wird. Es gab Beifall für diejenigen, die eine offene Debatte über die Zukunft der Bank forderten; und der nigerianische Erzbischof von Abuja, John Onaiyekan, bekannte später, es sei ihm immer noch nicht klar, warum der Vatikan eigentlich eine eigene Bank haben müsse.

          Wann immer das Thema aufkam, schauten die Kardinäle in Richtung Bertone: Der 78 Jahre alte Turiner war der Chef des Staatssekretariats und somit der päpstliche „Ministerpräsident“. Bertone soll nach Aussagen mancher Kardinäle, zu denen auch der deutsche Kardinal Joachim Meisner und der Österreicher Christoph von Schönborn gehören, derart versagt haben, dass sie den Papst - allerdings vergeblich - darum baten, Bertone zu entlassen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der neue Papst Bertone über eine Schamfrist hinaus in seinem Amt belassen wird. Aber ein Wechsel an der Spitze des Staatssekretariats ist noch lange keine Kurienreform.

          Transparenz in einer absoluten Monarchie?

          Nach Ansicht des Erzbischofs von Washington, Kardinal Donald Wuerl, muss die interne Abstimmung in der Kurie verbessert werden. Nötig sei eine „klare Befehlskette“, sagte er dieser Tage. „Es ist wichtig, dass alle Vatikanbehörden eine gemeinsame Vision haben.“ Die Stärkung der Kollegialität zwischen dem Vatikan und den Bischöfen der Ortskirchen zählt Wuerl zu den wichtigsten Aufgaben des künftigen Papstes. Er hoffe auf einen Papst mit einer „spirituellen und modernen Vision, um die Kirche zu führen“, sagte Wuerl.

          Aus Deutschland meldete sich der langjährige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Hans Maier zu Wort: Skandale wie „Vatileaks“ zeigten, dass es im Vatikan immer wieder zu „Kompetenzen- und Kommunikationswirrwarr“ komme. Es fehle ein Instrument für den gemeinsamen Meinungsaustausch, die gemeinsame Willensbildung. Der Papst müsse sich auf ein „regelmäßig tagendes Kollegialorgan“ stützen können, schrieb Maier in der „Herder-Korrespondenz“.

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