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Papst plant Kurienreform : Gegen Hofstaat und Abschottung

  • -Aktualisiert am

Avanti: Zuerst kamen die Äußerlichkeiten, jetzt geht Franziskus an die Arbeit Bild: REUTERS

Der Papst geht die Reform der kritisierten römischen Kurie an. Ein Gremium aus acht Kardinälen soll Vorschläge dafür erarbeiten. Womöglich werden Räte gestrichen und kollegiale Strukturen geschaffen.

          Nach dem Theologen Benedikt XVI. regiert seit genau vier Wochen ein Pastor die katholische Kirche, Franziskus, ein Ordens- und Diözesanorganisator. Vieles ist seither neu, anderes blieb. Zum Wochenende gab Franziskus den ersten weitreichenden Schritt für eine umfassende Kurienreform bekannt. Er ernannte acht Kardinäle aus allen Kontinenten, die diese Reform gemeinsam mit ihm vorbereiten sollen. Aus Deutschland holte er sich den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx. Einziger Italiener ist Giuseppe Bertello, der Chef der vatikanischen Staatsverwaltung, den Bergoglio als Nuntius in Mexiko schätzen lernte, wo Bertello das verbrecherische Doppelleben von Marcial Maciel aufdeckte, dem Gründer der „Legionäre Christi“. Bertello gilt nun als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, dem viele Pannen in der Amtszeit Benedikts XVI. zur Last gelegt werden. Bertone soll im Juni in Ruhestand gehen.

          Nach Vatikansprecher Pater Federico Lombardi nimmt Franziskus mit dem Rat, der sich erstmals am 1. Oktober treffen wird, eine Idee aus dem März, vor dem Beginn des Konklaves, auf: „Dort gewann der Papst aus der Weltkirche und von der Kurie selbst den Eindruck, dass die verschiedenen Institutionen und Strukturen der Kirche besser gehört werden sollen.“ Neben Bertello und Marx gehören zum Rat: Francisco Javier Errazuriz Ossa, der frühere Erzbischof von Santiago de Chile; der Erzbischof von Bombay Oswald Gracias; Laurent Monswengo Pasinya aus Kinshasa; der Erzbischof von Boston Sean Patrick O’Malley; aus Sydney kommt George Pell; Oscar Maradiaga Rodriguez ist der Erzbischof von Tegucigalpa. Sekretär des Gremiums wird der Bischof von Albano, Marcello Semeraro.

          Franziskus meidet Äußerlichkeiten

          Mit der Einsetzung dieses Rates zieht der Papst nach den Worten von Walter Kardinal Kasper die Konsequenzen daraus, dass man die Weltkirche nicht mehr eurozentristisch regieren könne und dass die Kurie effizienter gemacht werden müsse. Auch in Zukunft wird der Papst das letzte Wort haben, aber er sieht sich nur „als Bischof unter Bischöfen“, wie er selbst sagt. Franziskus konnte beim Umgang der Kurie mit seinem Vorgänger sehen, wie sie dazu neigt, den Papst in einem goldenen Käfig zu isolieren. Benedikt machte das wenig aus; er hatte seine wissenschaftliche Arbeit und sah in den Büchern seine „wahren Freunde“. Franziskus aber will weder Hofstaat noch Abschottung. Der Bischof von Rom greift selbst zum Telefon. Als er sich kurz nach seiner Wahl mit seinem Ordensgeneral unterhalten wollte und an den Pförtner geriet, wollte der ihn zunächst nicht durchstellen: „Jeder kann sagen: Sono Papa Francesco (ich bin Papst Franziskus).“ Der Papst schimpfte nicht, sondern fragte: „Und wie heißen Sie?“ Er sei der Andrea, antwortete der Pförtner nach seiner Erinnerung; aber schon bei der Frage habe er begriffen, dass da wirklich der Papst in der Leitung war.

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