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Papst Franziskus : Kraft und Zärtlichkeit

Schluss mit der Aura der Unnahbarkeit: Papst Franziskus bei seiner Amtseinführung in Rom Bild: AFP

Die meisten kommen aus dem Staunen über Papst Franziskus nicht heraus. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass dieser Mann bald vielerorts anecken wird.

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          Papst Johannes Paul II. wollte man sehen, Papst Benedikt XVI. hören. Was seit einer Woche in Rom geschieht, hat einigen wenigen Hören und Sehen vergehen lassen. Die meisten aber kommen aus dem Staunen über Papst Franziskus nicht heraus.

          Für die päpstlichen Zeremoniare und die vatikanischen Sicherheitsbeamten sind es harte Tage. Der Karneval sei vorbei, so beschied der Papst schon wenige Minuten nach seiner Wahl all jene, die in den acht Jahren des Pontifikats von Papst Benedikt sich nicht genug an weißen Spitzen, rotem Leder und allerlei Kopfputz ergötzen konnten. Stattdessen ein schlichtes weißes Gewand, ein blechernes Kreuz und dazu Schuhe, die schon die staubigen Straßen der Armen gegangen sind. Schluss auch mit der höfischen Aura der Unnahbarkeit. Der Mann, der sich mit dem Namen Franziskus eine fast utopische Last auferlegt hat, hält es bislang mit nur wenigen der vielen Titel des Papstes. „Stellvertreter Christi“ ist nicht darunter. Als Bischof von Rom lässt er sich auf den Straßen der Stadt sehen, als Diener der Diener Christi bittet er um das Gebet für seinen Dienst.

          Niemals Angst vor Zärtlichkeit

          Welche Konturen dieser annehmen wird, ist in den Worten seiner Predigt hinreichend deutlich geworden. Was bei Papst Johannes Paul II. der Kampf gegen die „Kultur des Todes“ war und bei Papst Benedikt das Eintreten für die „Ökologie des Lebens“, das kommt bei Papst Franziskus in einer ebenso kraftvollen wie zärtlichen Sprache daher: der Mensch als Bewahrer der Schöpfung, unter den Menschen Achtsamkeit und Freundschaft und niemals Angst vor Zärtlichkeit und Güte, um jedem Menschen den Horizont der Hoffnung zu öffnen. Christliche Sondermoral ist das nicht, sondern Weltethos - doch eines, das sich nicht in wohlklingenden Floskeln erschöpft. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass dieser Mann bald vielerorts anecken wird, allen voran in den sich aufgeklärt dünkenden liberalen Gesellschaften des Westens. Denn die Zweifel an der „Nachhaltigkeit“ des westlichen Lebensstils erschöpfen sich nicht in sorgenvoller Betrachtung von Verbrauchsstatistiken materieller Ressourcen. Auch die repressive Toleranz ist längst im Begriff, ihre Kinder zu fressen - so es sie noch gibt. Auf dem Petersplatz spricht einer von Herz zu Herz: „Nur wer mit Liebe dient, weiß zu behüten.“

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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