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Nachfolger für Benedikt XVI. : Die Liste ist lang

  • -Aktualisiert am

Gesucht: Einer für alle Bild: REUTERS

Am Dienstag beginnt das Konklave zur Wahl des neuen Papstes. So mancher in Rom befürchtet, dass es lange dauern wird. Denn es bietet sich kein Hoffnungsträger an - und der Ruf nach Reformen wird immer lauter.

          Mit gut 80 Prozent der Stimmen haben sich die Kardinäle in Rom auf den Beginn des Konklaves am Dienstag geeinigt. „Ein einhelliges Votum“, sagt einer der Purpurträger. „Eine ganze Woche lang wurde diskutiert; in den Pausen auch über Kandidaten gesprochen. Nun ist noch bis Montag weiter dafür Zeit, aber es wird auch Ungeduld vor der Wahl spürbar.“ Wäre es nach den italienischen Kardinälen gegangen, die während der Sedisvakanz die Kirche führen, nach Kardinaldekan Angelo Sodano und Kämmerer Tarcisio Bertone, dann hätte das Konklave schon begonnen; denn zwar sollen alle Kardinäle der Welt über den Termin abstimmen, aber die Regelung lässt Interpretationen zu. Vor allem Bertone wollte die Debatte zur Krise der von ihm bisher geleiteten Kurie so kurz wie möglich halten.

          Vom Krieg der Kardinäle sprachen darum einige Kurienbeamte diese Woche. Zwar bildeten die italienischen Purpurträger keine geschlossene Gruppe; aber alle wollten nach zwei Ausländern wieder einen italienischen Papst. Die Weltkirche habe hingegen Reformen im Sinn, wolle zunächst die Sachdebatte und erst dann über Namen sprechen; sie denke zudem eher wieder an einen Ausländer für den Petersthron. Mitten aus der Welt der Männer brachte eine Frau diesen Krieg ans Licht: die Sprecherin der amerikanischen Bischofskonferenz, Schwester Mary Ann Walsh. Sie musste bekanntgeben, dass ihre Kardinäle nicht mehr zur Presse sprechen dürfen: „In der Kongregation wurde die Furcht laut, wichtige Informationen könnten nach draußen dringen.“ Es werde darum keine Briefings mehr geben. Dabei hatte der Erzbischof von Boston, Sean Patrick O‘Malley, deutlich gesagt, dass er und seine Kollegen nicht den Schwur brechen wollten, den sie zu Beginn des Vorkonklave abgelegt hätten; sie wollten vor der Welt nicht über Personen sprechen, wie es der Schwur verlangt, aber über die „Krise der Kirche“.

          Kardinäle verlangen Reformen

          Damit waren sie nicht allein. Mehr als 120 Kardinäle meldeten sich bis Samstag in der Audienzaula schon zu Wort. Die Amerikaner sind aber in einer besonders starken Position; denn ihre Bistümer schicken das meiste Geld nach Rom. Der Erzbischof von Chicago, Francis George, sagte, bevor ein Konklave beginne, müssten sich die Wahlkardinäle über ihre Sorgen im Blick auf Rom austauschen. O‘Malley gab zu verstehen: „Ich sage nicht, dass die Affäre Vatileaks um gestohlene Dokumente vom Schreibtisch des Papstes das bestimmende Thema ist; aber wir müssen über alles reden.“ Donald Wuerl, Erzbischof von Washington, fordert eine Reform der Kurie, bei der alle Dikasterien eine „gemeinsame Vision haben“. Zwar müsse es eine „klare Befehlskette“ geben, aber auch horizontale „Kollegialität“, fand Wuerl und befürchtete „ein langes Konklave“.

          Denn anders als 2005 bietet sich kein Hoffnungsträger an. Damals lief alles auf Kardinaldekan Josef Ratzinger zu. Schon im Vorkonklave hatten sich Kardinäle aller Kontinente für ihn stark gemacht; sie achteten den großen Theologen an der Seite von Johannes Paul II.; und mit seiner Predigt zur Konklave-Eröffnung gegen den Relativismus in der Welt legte Ratzinger schon ein Regierungsprogramm vor. Der heutige Kardinaldekan zieht aus Altersgründen nicht einmal ins Konklave ein. Die Liste möglicher Nachfolger ist lang. „Ich allein habe schon vier, fünf im Sinn“, sagt ein Kardinal. In der italienischen Presse wird der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer genannt oder Wuerl hofiert - in maliziöser Absicht, um ihre Namen zu verbrennen; denn nichts mögen Kardinäle weniger als Einflussnahme von außen. Derweil schweigt man klug über den Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, Italiens Traumkandidaten.

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