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Historisches Treffen zweier Päpste : Franziskus besucht Benedikt

  • Aktualisiert am

Das gab es seit mindestens 600 Jahren nicht mehr: Ein amtierender Papst besucht seinen Amtsvorgänger. Bild: reuters

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat seinen Nachfolger Franziskus in Castel Gandolfo zu einem privaten Besuch empfangen. Zum Inhalt der Gespräche machte der Vatikan keine Angaben.

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          Papst Franziskus hat am Samstag seinem Vorgänger Benedikt XVI. einen Besuch auf der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo abgestattet. Per Helikopter wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche zu dem Domizil nahe Rom geflogen, wo er nach Angaben des Vatikans persönlich vom emeritierten Papst und dessen Personal begrüßt wurde. Beide begaben sich in die päpstliche Bibliothek der Residenz, bevor sie gemeinsam zu Mittag aßen.

          Der Helikopter mit dem in weiß gekleideten Oberhaupt der katholischen Kirche an Bord kreiste ein paar Mal über der Residenz, bevor er landete. Benedikt XVI. lebt seit seinem Rücktritt als Papst am 28. Februar auf Castel Gandolfo. Die Wahl seines Nachfolgers verfolgte er vor dem Fernseher. Franziskus dankte seinem Vorgänger seit seiner Wahl mehrfach für dessen Arbeit und telefonierte mit ihm.

          Von der Vatileaks-Affäre bis zum Umgang mit dem Missbrauchsskandal

          Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst seinen Vorgänger treffen kann, da Benedikt das erste Kirchenoberhaupt seit dem Mittelalter war, das zurückgetreten ist. Coelestin V. war 1294 zum Papst gewählt worden, um einen Streit zwischen den Kardinälen zu beenden. Kurz nach seiner Ernennung erließ er ein Dekret, das Papstrücktritte ermöglichte, und dankte bereits nach fünf Monaten ab.

          Zum Inhalt der Gespräche zwischen Franziskus und Benedikt XVI. machte der Vatikan keine Angaben. Die großen anstehenden Themen dürften aber auf der Agenda gestanden haben - von der Reform der Kurie über die Vatileaks-Affäre bis zum Umgang mit dem Missbrauchsskandal und die schwindende Zahl der Kirchenanhänger vor allem in der westlichen Welt. Die Zeitung „La Stampa“ sprach von einer „Machtübergabe“ auf Castel Gandolfo, wie es sie in der Geschichte des Christentums noch nicht gegeben habe.

          Historische Begegnung: Benedikt XVI. empfängt Franziskus (l.) Bilderstrecke
          Historische Begegnung: Benedikt XVI. empfängt Franziskus (l.) :

          Der 76 Jahre alte Papst und sein 85 Jahre alter Vorgänger kennen sich bereits seit längerem. Medienberichten zufolge war der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio bei der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst im Jahr 2005 dessen stärkster Konkurrent.

          Wenn sie auch bei traditionellen Themen wie Homoehe und Abtreibung eine konservative Ansicht teilen, so unterscheiden sich die beiden Kirchenmänner doch in ihrem Auftreten. Franziskus gab sich in seinen bisherigen Auftritten bescheiden und volksnah, während Benedikt als weniger spontan und reservierter galt.

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