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Heimat des Papstes : Denn der Herr hört die Armen

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Heilig, heilig, heilig ist der Señor: die Gemeinde von Nuestra Señora del Carmen am Palmsonntag in der Verborgenen Stadt Bild: Adrian Perez/ZUR

Der neue Papst Franziskus will die Kirche in den Dienst der Bedürftigen stellen. Was das für ihn bedeutet, kann man in den Elendsvierteln von Buenos Aires sehen. Ein Besuch an der alten Wirkungsstätte des Kirchenoberhaupts.

          Auf einmal kommt der Einzug nach Jerusalem ins Stocken. Laut singend bleibt die Gemeinde am Rand des Fußballfelds stehen. Das Spiel ist in vollem Gang, die Fußballer haben keinen Blick für die Gläubigen, die mit Palmwedeln in der Hand auf den Platz marschieren wollen. Die Anrufung des Señor Jesús, die von Gitarrenrhythmen aus Lautsprechern begleitet wird, mischt sich mit den Jubelschreien der Fußballfans. Eine Zeitlang scheint es, als stünden sich Vergnügen und Volksfrömmigkeit unversöhnlich gegenüber. Doch das mächtige Kreuz, das einige Männer in der Prozession vorantragen, entfaltet schließlich seine Wirkung: Das Spiel wird abgeblasen. Einige Spieler treten sogar in den Kreis der Prozessionsteilnehmer, der nun einen guten Teil des Sportplatzes einnimmt.

          „Wir danken den Fußballspielern, dass sie uns das Feld überlassen haben“, sagt Padre Jorge, einer der beiden katholischen Priester, die nun zum Palmsonntag mit der Weihe der Palmzweige beginnen. Er und sein Mitbruder, Padre Sebastián, versprechen, dass sie auch das Fußballfeld segnen werden. Es liegt mitten in der Verborgenen Stadt, der Ciudad Oculta, einem der ältesten und gefährlichsten Armenviertel von Buenos Aires. Die beiden Geistlichen betreuen, mitten in einer Welt aus Elend und Gewalt, die katholische Gemeinde „Nuestra Señora del Carmen“.

          Armenpriester in der Verborgenen Stadt

          Von den umliegenden Hütten und einfachen Häusern aus sehen Neugierige zu, wie die beiden Priester die Palmwedel segnen. „Die geweihten Zweige, die wir nach Hause tragen, erinnern uns alle Tage daran, dass Christus einer von uns ist, dass er unsere Schmerzen, unsere Mühen kennt“, sagt Padre Jorge. „Er hat die Passion, das Kreuz, den Tod ertragen, deshalb ist er unser König, unser Herr.“ Dann zieht die Prozession durch das Labyrinth des Armenquartiers zurück zur Pfarrkirche der Gemeinde. „Heilig, heilig, heilig ist der Señor“, hallt es durch die Gassen. Padre Sebastián geht an Krücken. Er hat sich vor Tagen das Knie verletzt - beim Fußball.

          Die Padres Jorge Romero und Sebastián Süry sind „curas villeros“, Armenpriester in der Verborgenen Stadt, der „Villa 15“. Die Elendsquartiere heißen in Buenos Aires „villas“, sie sind numeriert. Während der Militärdiktatur versuchte man, die Siedlung zu verbergen, damit die Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 das Elend, das dort herrschte, nicht bemerkten. Sie wurde mit einer Mauer umgeben - längst ist das Viertel über sie hinausgewuchert. Von der Pfarrkirche Nuestra Señora del Carmen aus betreuen die beiden Geistlichen und ihre Helfer das gesamte Quartier mit seinen mehr als 30.000 Bewohnern. Der überwiegende Teil von ihnen ist katholisch, doch in die sonntäglichen Gottesdienste kommen allenfalls 300.

          Papst war Dauergast in Elendsquartieren

          Für die Messe am Palmsonntag haben Pfarrhelfer den Altar aus der Kirche hinausgeschafft und auf einem kleinen Vorplatz auf einer Tribüne aufgebaut. Riesige Palmwedel schmücken das Podium. Unterhalb der Marien-Patronatsfigur haben die Helfer ein großes Foto aufgestellt, das Papst Franziskus vor einer argentinischen Flagge zeigt. War es am Anfang der Prozession nur eine kleine Schar, sind schließlich sogar mehr als die 300 regelmäßigen Kirchgänger um den Altar versammelt. Während der Messe erwähnt Padre Sebastián Papst Franziskus: „Bitten wir Gott, dass er sich an uns erinnert, wenn er eine Entscheidung treffen muss“, sagt er. „Und bitten wir Franziskus, dass er sich an die Seite der Armen stellt, damit sich die Kirche ein bisschen ändert. Hier in dem Viertel ist der Papst durch unsere Gassen gegangen.“

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