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Das Konklave : Richtlinien zur Wahl eines Stellvertreters

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Ab Dienstag warten alle auf den Rauch: in diesen beiden Öfen wird er erzeugt Bild: Reuters

Der Beginn der Papstwahl steht kurz bevor. Seit dem Mittelalter, als ein Konklave auch 1005 Tage dauern konnte, hat sich manches geändert - aber längst nicht alles. Der Rauch wird inzwischen jedenfalls künstlich erzeugt.

          Tief in die Geschichte Roms und seiner Kirche zurück reichen die Gepflogenheiten eines Konklaves. So wurde der Bischof der Stadt wohl von Anfang an - und seit dem dritten Jahrhundert ist das auch nachweisbar - gewählt und sei es per Akklamation. Im Jahr 1059 dekretierte dann Papst Nikolaus II. in einem der wichtigsten Dokumente für die frühe Konklavegeschichte, dass weder Volk noch Könige die Wähler sein dürfen, sondern allein die Kardinalbischöfe der Stadt. Daran erinnert bis heute, dass die Kardinäle aus aller Welt bei ihrer Kreierung vom Papst eine Titelkirche in Rom zugeteilt bekommen, womit sie ehrenhalber zum Klerus der Stadt gehören. Dort feierten am Sonntag viele der angereisten Kardinäle ihre Messe.

          Seit dem Jahr 1059 sind die Kardinäle auch bemüht, einen eigenen und festen Platz für den Wahlvorgang zu finden. Unter dem Druck des römischen Stadtadels, von Königen oder kirchlichen Fraktionen fand manches Konklave nicht einmal in Rom oder sogar außerhalb Italiens statt. Vom 11. Jahrhundert an aber setzte sich die bis heute gültige Regel durch, den Nachfolger Petri nahe seines Grabes zu wählen. Aber erst Johannes Paul II. bestimmte im Februar 1996 in der heute grundlegenden Konstitution „Universi Dominici Gregis“ (UDG), die alle Normen der Sedisvakanz zusammenfasst, die Sixtinische Kapelle als den Ort für die Papstwahl.

          Drei Kardinäle überlebten nicht

          Im 13. Jahrhundert wurden von der Kirche Regelungen aus den Wahlen weltlicher Ämter in den Städten für das Konklaves übernommen. Gregor X. regelte im Konzil von Lyon 1274, dass die Wähler so lange eingeschlossen werden sollen, bis der neue Papst gewählt wurde. Damit wurden die drakonischen Usancen des Konklaves von Viterbo im Jahr 1268 in eine feste, aber auch weniger rüde Form überführt, hatten doch die Herren der Stadt die Kardinäle gegen Ende ihrer Wahlbemühungen einmauern lassen und nur noch über eine Dachluke mit Nahrung versorgt, weil ihnen die Papstwahl zu lange dauerte. Erst nach 1005 Tagen war schließlich ein neuer Papst gewählt. Drei der zwanzig Kardinäle überlebten diese Tortur in Viterbo nicht.

          Während des Konklaves sollen sich die Kardinäle allein von ihrem Gewissen leiten lassen und ungestört von der öffentlichen Meinung handeln. Es darf aber auch über den Wahlprozess nichts nach draußen dringen. Schon während der Generalkongregationen, die vor dem Konklave stattfanden, hatten alle Kardinäle geschworen - auch jene, die das achtzigste Lebensjahr schon überschritten haben und darum nicht wählen dürfen -, kein Wort mehr öffentlich über Kandidaten und den Wahlvorgang zu sagen. Am Tag des Konklaves selbst werden die wahlberechtigten 115 Kardinäle aus ihren bisherigen Quartieren in der Stadt in das „Domus Sanctae Marthae“ hinter die Mauern des Vatikans ziehen. Dort müssen sie alle Geräte abgeben, mit deren Hilfe sie mit der Außenwelt in Verbindung treten können. Kein Internet, kein Rundfunk und keine Zeitungen - das sind die Bedingungen. Ein Bus wird die Kardinäle von der Herberge jeden Morgen und Nachmittag zu den meist zwei Wahlgängen zum Apostolischen Palast bringen. Die kurze Wegstrecke dahin wird von der päpstlichen Polizei abgeriegelt.

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