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Bergoglio und die Militärdiktatur : „Ich werde alles tun, damit er freikommt“

Ferenc glaubte, ein Mitglied des Ordens habe ihn denunziert

Über Weihnachten fuhr sein Bruder zu ihm. Ferenc habe kaum laufen können, ständig seien ihm die Tränen gelaufen, er habe am ganzen Leib gezittert. Zunächst habe er kaum gesprochen. Erst später begann er zu erzählen, auch von der Vorgeschichte, von seiner Vermutung, ein Mitglied des Ordens habe ihn denunziert. Die Familie nahm die Vorwürfe zur Kenntnis, niemand widersprach. Aber es gab auch Zweifel: Konnte jemand nach fünf Monaten Folter die Gründe objektiv beurteilen?

Bergoglio schrieb am Tag nach der Freilassung der beiden Patres einen zweiten Brief. Darin heißt es: „Die falsche Nachricht, dass Francisco ermordet worden war, hat man auch bei uns gesagt. Aber ich wollte einer solchen Nachricht nie glauben, da ich Auskunft über beide Patres hatte. Gewöhnlich reden die Leute all zu viel in solchen Umständen, anstatt mitzuwirken, um Lösungen zu finden, die tatsächlich sehr schwierig sind. Aber so sind die Leute. Ich empfehle mich Ihrem Gebet. Mit den besten Grüßen, Jorge Mario Bergoglio.“

Nachdem Jalics sich in Amerika etwas erholt hatte, ging er für ein paar Monate nach Kanada. 1978 zog er nach Deutschland, wo er 1984 in Oberfranken ein eigenes Exerzitienhaus gründete. Sein Bruder glaubt, dass es Mitte der achtziger Jahre war, als Ferenc gemeinsam mit Orlando Yorio nach Rom fuhr, um dem General ihres Ordens ihre Version der Geschichte vorzutragen. Sie nahmen alle Dokumente mit, die sie hatten. Er kam ernüchtert zurück. Zu seinem Bruder sagte er, dass er alle Papiere aus der Zeit verbrennen werde.

Ende der achtziger Jahre setzte sich eine argentinische Mitarbeitern Jalics’ dafür ein, dass er sich noch einmal mit Bergoglio traf. Das Wiedersehen fand in Buenos Aires statt. Hinterher erzählte er seinem Bruder, dass Bergoglio sich bei ihm entschuldigt habe. Wofür, sagte er nicht. Er habe ihm verziehen, danach hätten sie gemeinsam die Messe gefeiert. Er wolle sein Leben nicht damit verbringen, Rache zu üben.

Weil er gesehen habe, wie sein Freund Orlando, der 2000 starb, daran zugrunde gegangen sei. Damals hörte Jalics auf, über die Vergangenheit zu sprechen. An diesem Freitag haben Franz Jalics und sein Bruder miteinander telefoniert. „Bester Dinge“ habe Franz auf ihn gewirkt, sagt der Bruder. Und als er ihn gefragt habe, wie er es aufgenommen habe, dass Bergoglio zum Papst gewählt wurde, habe Jalics gesagt, das habe er schon lange geahnt.

„Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt“, lautet der letzte Satz seiner Erklärung aus dieser Woche. Die Exerzitien, schrieb Ignatius von Loyola, seien dazu da, „die Seele vorzubereiten und bereit zu machen, alle ungeordneten Neigungen von sich zu entfernen und, nachdem sie abgelegt sind, den göttlichen Willen zu suchen und zu finden in der Ordnung des eigenen Lebens zum Heil der Seele“.

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