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Argentinien und der neue Papst : „Damit haben wir nicht gerechnet“

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In der Kathedrale von Buenos Aires jubelten die Menschen, als Papst Franziskus zu den Gläubigen auf dem Petersplatz sprach Bild: AP/dpa

Stolz sind sie alle: In Buenos Aires, der Heimatstadt von Papst Franziskus, wurde seine Wahl mit großem Jubel aufgenommen. Jorge Mario Bergoglio wuchs dort in einem Arbeiter- und Mittelklasseviertel auf - bis ihn die Erleuchtung überkam.

          Glockengeläut zu ungewöhnlicher Stunde: Die einen schrecken aus der Siesta auf, andere haben gerade ihre Dessert vor sich oder den Cafecito. Das Fernsehen bringt Gewissheit, dass im weit entfernten Rom weißer Rauch aufgestiegen ist. Kurz nach 15 Uhr kann sich am Mittwoch aber in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires noch niemand vorstellen, dass einer der ihren zum Papst gewählt worden sein könnte. Gut eine Stunde dauert es noch, bis die ungewöhnliche Entscheidung der Kardinäle verkündet wird. Zum ersten Mal ein Papst aus Lateinamerika. Aus Buenos Aires.

          Und dann erscheint Franziskus, den die Argentinier als ihren Kardinal Jorge Bergoglio kennen, im weißen Papstgewand auf der Loggia am Petersdom. An der Kathedrale in Buenos Aires, schräg gegenüber dem Regierungspalast, der Casa Rosada, sammeln sich sehr bald die noch ungläubig staunenden Anhänger des neugewählten Papstes. Flaggen in den argentinischen Nationalfarben Himmelblau und Weiß, zum Teil wohl noch von der für Argentinien glücklosen Fußballweltmeisterschaft übrig geblieben, finden reißenden Absatz, neben den weißgelben Flagge der katholischen Kirche.

          Kaum Papst, schon eine gute Tat

          Die Verkäufer, arbeitslose Straßenhändler, manche von ihnen eher auf Kriegsfuß mit der katholischen Kirche, wollen sich das Geschäft nicht entgehen lassen. Sie sehen es als eine erste gute Tat des neuen Papstes für die Armen. Denn so kennen sieihren „Padre Bergoglio“: als Priester der Armen. Auf der geschichtsträchtigen Plaza de Mayo, wo sich die Porteños 1810 versammelten, um die Unabhängigkeit Argentiniens zu erklären, wo die „Mütter der Plaza de Mayo“ ihre Runden drehten, versammeln sich bald Hunderte Landsleute. Sie skandieren „Argentina, Argentina“ wie nach einem gewonnenen Fußballspiel und „Viva Francisco“.

          Der Jubel in Buenos Aires war grenzenlos, als Jorge Bergoglio als Papst Franziskus auf die Loggia des Petersdomes trat

          Javier, ein 40 Jahre alter Porteño, hofft, dass sich die Regierung der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die auf den Kardinal Bergoglio nicht gut zu sprechen ist, nun mit ihm arrangiert. „Aber er ist unabhängig genug und wird sich durchsetzen können“, meint Javier. Eine ältere Dame, Raquel aus Venezuela, wo Präsident Hugo Chávez während seiner schweren Krankheit in seinen letzten Wochen und Monaten gottesfürchtig geworden ist, befindet, das Wichtigste sei „Frieden auf der Welt, für alle Menschen“. Der junge Polizist, der mit Kollegen vor der Kathedrale Wache hält, ist „stolz“. Mehr wagt er nicht zu sagen, und mehr weiß auch er nicht über das „Programm“ in der Kathedrale. Dort ist kurzfristig für 19 Uhr ein Dankgottesdienst angesetzt worden. Stolz ist auch Micaela aus Buenos Aires, „sehr stolz, denn es war für uns alle eine große Überraschung, damit haben wir nicht gerechnet“.

          Kirchner ungerührt auf Technologiemesse

          Agustina dagegen gesteht, sie sei nicht gläubig, „mich persönlich berührt das nicht“, aber als Argentinierin ist auch sie „stolz“. Ein junges Mädchen übermittelt per Handy ihrer Mutter die frohe Botschaft, worauf diese, laut hörbar über den Handylautsprecher ausruft: „Nun haben wir einen Papst Pancho“, einen „Papst Hotdog“. Aber vermutlich wollte sie „Paco“ sagen, das ist die Koseform für Francisco. Doch es ist auch die Bezeichnung für die aus Kokain-Abfallprodukten hergestellte Billigdroge Paco, die neue „Geissel der Armen“, wie sie Priester in argentinischen Armenvierteln nennen.

          Einfach: Rückansicht des Hauses, in dem Jorge Mario Bergoglio geboren wurde. Der heutige Besitzer sagt, der Hof sei seit damals nicht verändert worden.

          Zu der Stunde, in der die Nachricht vom argentinischen Papst in Buenos Aires die Runde macht, hat Präsidentin Kirchner einen vom Fernsehen übertragenen Auftritt auf dem Gelände der Technologiemesse „Tecnópolis“ am Stadtrand von Buenos Aires. Sie stellt ungerührt Projekte ihrer Regierung vor und rühmt deren Wohltaten Regierung. Als sie dann doch noch einige Worte findet, um die Papstwahl zu kommentieren, ertönen Pfiffe des Missfallens aus dem Publikum. Es besteht zu großen Teilen aus Mitgliedern der kirchneristischen Jugendorganisation „La Cámpora“.

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