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Die Schalit-Verhandlungen : Ägyptische Briefträger

Dienstag, kurz vor dem Gefangenenaustausch: Gilad Schalit am Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza, neben ihm ägyptische Sicherheitskräfte Bild: dapd

Am Ende waren es die Ägypter, die den Gefangenenaustausch zustande brachten, an dem Vermittler aus der Türkei, Frankreich und Deutschland zuvor gescheitert waren.

          Die Verhandlungen dauerten 64 Monate, rechnete am Wochenende ein ägyptischer Unterhändler vor. Aber bis zuletzt gingen sich Israelis und Hamas-Vertreter aus dem Weg. Wenn sie sich in Kairo trafen, spielten ägyptische Militärs Briefträger. Selbst das fertige Abkommen über den Gefangenenaustausch mussten sie nach einer 24 Stunden dauernden Marathonsitzung in der vergangenen Woche noch hin- und hertragen: Beide Delegationen weigerten sich, es gemeinsam zu unterzeichnen, obwohl sie in verschiedenen Gebäuden des Geheimdiensthauptquartiers in Kairo waren.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die ägyptischen Militärs und Geheimdienstler begnügten sich jedoch nicht mit der Rolle nützlicher Boten. Am Ende waren sie es, die den Gefangenenaustausch zustande brachten, an dem Vermittler aus der Türkei, Frankreich und Deutschland zuvor gescheitert waren. In Kairo kümmerte sich auch nach dem Sturz von Staatspräsident Mubarak im Februar die neue Führung um die Akte Schalit. Anstelle von Mubaraks Geheimdienstchef Omar Suleiman gehörte nun Geheimdienstminister Murad Muwafi und zwei seiner Generäle zu den Hauptfiguren im Nervenkrieg um die Freilassung des israelischen Soldaten.

          In Israel entstand der Eindruck, dass der Regimewechsel sogar hilfreich war. Denn das Verhältnis Mubaraks und Suleimans zu den palästinensischen Islamisten war von Misstrauen geprägt. Seit aber der regierende Militärrat die ägyptischen Muslimbrüder als legitime politische Kraft anerkannte, entspannte sich das Verhältnis und das Vertrauen wuchs. Daran war auch den Offizieren um Feldmarschall Tantawi gelegen. Sie wollten der internationalen Gemeinschaft zeigen, dass Kairo weiterhin eine ebenso verantwortungsvolle wie einflussreiche Regionalmacht ist: Im Mai brachten sie die verfeindeten Palästinensergruppen Hamas und Fatah dazu, ein Versöhnungsabkommen zu unterzeichnen.

          Hilfreiche Personalveränderungen

          Den ägyptischen Vermittlern kam dabei zugute, dass die Exilführung der Hamas eine neue Heimat sucht. Angesichts der gewaltsamen Niederschlagung der Protestdemonstrationen durch seinen Patron Präsident Assad fühlt sich Hamas-Politbürochef Meschaal in Syrien nicht mehr wohl. Am Wochenende meldete die ägyptische Zeitung „Masri al Jom“, dass sein Stellvertreter Abu Marzuk demnächst nach Kairo umziehen werde. Im Frühjahr gerieten dann auch in Israel im Fall Schalit die Dinge wieder in Bewegung. Mehrere Personalveränderungen erwiesen sich als hilfreich: Ende April löste der frühere Mossad-Agent David Meidan Hagai Hadas als Schalit-Unterhändler ab.

          Meidan brachte Ordnung in die internationalen Vermittlungsbemühungen, bei denen „zu viele Köche im Topf herumrührten“. Er konzentrierte sich auf Ägypten und die Türkei. Trotz der jüngsten Abkühlung der Beziehungen, hatte Ankara angeboten zu helfen. Meidan und Ministerpräsident Netanjahu entschieden sich jedoch für Ägypten. Parallel dazu öffnete sich mindestens ein weiterer privater Kanal zur Hamas, über den ermutigende Signale aus Gaza kamen. Meidan verriet bisher nicht, ob es sich dabei um den Hamas-Politiker Ghazi Hamad in Gaza und den israelischen Friedensaktivisten Gershon Baskin handelte.

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