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Die Pläne des Papstes : Johannes Paul II. schaut weit voraus

  • -Aktualisiert am

Papst Johannes Paul II. Bild: AP

Die Kraft des Papstes scheint ungebrochen. Was Johannes Paul II. in diesen Tagen der kirchlichen Hochfeste tut und für die nächsten Monate plant, wirkt fast wie eine normale Amtsführung an der Spitze der katholischen Kirche.

          Die Kraft des Papstes scheint geschwächt, doch ungebrochen. Was Johannes Paul II. in diesen Tagen der kirchlichen Hochfeste tut und für die nächsten Monate plant, wirkt fast wie eine normale Amtsführung an der Spitze der katholischen Kirche - obwohl Karol Wojtyla in einem Monat, am 18. Mai, 83 Jahre vollendet und seine körperlichen Gebrechen nicht zu übersehen sind. Er kam auch in der Karwoche seinen Pflichten nach, so etwa am Mittwoch zur traditionellen Generalaudienz auf dem römischen Petersplatz vor Zehntausenden von Pilgern und Besuchern aus aller Welt, besonders vielen aus slawischen Ländern. Manchen schien, als habe der unermüdliche Einsatz gegen den Krieg im Irak beim Papst neue Kräfte geweckt.

          Am Gründonnerstag unterzeichnete Johannes Paul II. während des "Abendmahlsamtes" - in Erinnerung an das "Letzte Abendmahl" Jesu mit den Jüngern vor seinem Leiden und Sterben - feierlich eine Enzyklika. Dieses Rundschreiben unter dem Titel "Ecclesia de Eucharistia" (Kirche über die Eucharistie) ist im Gegensatz zu anderen der nun insgesamt 14 Enzykliken Johannes Pauls II. nur an die Gläubigen der katholischen Kirche, an "Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und gläubige Laien", gerichtet. Es ist nicht ausdrücklich wegen des "Ökumenischen Kirchentags" in Deutschland, des gemeinsamen Treffens von Protestanten und Katholiken im Juni in Berlin, verfaßt worden. Denn die "Eucharistie", die Mahlfeier mit Brot und Wein im Gottesdienst zum vergegenwärtigenden Gedächtnis an Jesus Christus, ist ein zentrales Glaubensgeheimnis des kirchlichen Lebens und betrifft alle Gegenden der Weltkirche. Aber der Zeitpunkt der Fertigstellung und Veröffentlichung ist sicher nicht zufällig gewählt worden.

          Dem deutschen Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, der von Amts wegen an der Ausarbeitung des seit Jahren geplanten Textes maßgeblich beteiligt war, sind die deutschen Anliegen und auch die letzten Stellungnahmen der katholischen deutschen Bischöfe bekannt. Die römische Kirchenführung, der Papst und der "Glaubens-Minister", wollte, so hieß es, noch einmal prinzipielle Klarstellungen treffen. Diese gehen dahin, so verlautete, die Feier der Eucharistie in der Messe eng an die Kirche und ihr priesterliches Amt zu binden und den heiligen Charakter der Wandlung von Brot und Wein einzuschärfen.

          Einige im Vatikan gingen so weit, die Eucharistie-Enzyklika mit dem Werben Johannes Pauls II. um die orthodoxen Kirchen zu verbinden. Rom wollte signalisieren, daß man nicht bereit sei, um des lieben Friedens willen mit den protestantischen Christen Abstriche an der "Orthodoxie" zu machen, der traditionellen "rechtgläubigen" Lehre von der wirklichen Gegenwart Jesu Christi im Meßopfer. Denn wie bekannt, will der Papst voraussichtlich Ende August nach Ulan Bator, in die Hauptstadt der Mongolei, reisen. Dort gibt es nur ein paar hundert Katholiken. Doch dafür liegt das Land in der Nähe zu China und neben Rußland. Das wäre, so der Vatikan-Sprecher Navarro-Valls, eine schöne Gelegenheit, bei einem technischen Zwischenstopp in Kasan, der Hauptstadt der Autonomen Republik Tatarstan innerhalb der Russischen Föderation an der Wolga, die berühmte Ikone der "Madonna von Kasan" den Orthodoxen zurückzugeben.

          Die Ikone befindet sich nach langen Irrwegen im Vatikan in den päpstlichen Privaträumen, soll jedoch nun als frommer Köder dienen. Die russischen Orthodoxen, allen voran der Moskauer Patriarch Alexii II., wollen darauf (noch) nicht eingehen. Aber nachdem Johannes Paul II. in den letzten Jahren die Beziehungen des Katholizismus zu den orthodoxen Kirchen in anderen Ländern erstaunlich verbessert hat, wird der Druck auf das Moskauer Patriarchat immer größer.

          Unbesorgt plant der Papst entschieden und weit voraus. Anfang Mai wird er in Madrid zur Kanonisation von spanischen Frommen sein. Anfang Juni will er sich fünf Tage lang in Kroatien, in Rijeka, Dubrovnik und Osijek vor allem, aufhalten. Am Palmsonntag, dem traditionellen Jugendtag der Kirche, übergab er ein großes Kreuz an eine Delegation von jungen Deutschen; für den Weltjugendtag im Sommer 2005 in Köln. Daß Johannes Paul II. daran persönlich teilnehmen will, steht außer Frage. Die Gesundheit Karol Wojtylas hat sich unterdessen stabilisiert. Ob durch die Einnahme der Papayafrucht, wie manche um den französischen Arzt und Immunologen Montagnier behaupten, oder durch eine einfache Diät, bleibt offen. Die Hilfsmittel für den Papst wurden verstärkt, die Belastungen in den kommenden Tagen, bei den Zeremonien an diesem Gründonnerstag (Messe zur Ölweihe und Abendmahlsamt), an Karfreitag (Liturgie und Kreuzweg), Karsamstag (Osternacht), Ostersonntag (Pontifikalmesse und Segen) reduziert.

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